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Salzbibel · Lesetext · Einleitung

Die Einleitung · S. 27–36

Die Widmung an den Landgrafen · S. 27–36 · Bl. 11r–15v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Widmung an den Landgrafen

S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung

S. 27

Bl. 11rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)
1

belanngt, nach dem dicto des Heiligen Pauli, Nemo militans Deo implicet se secularibus negocijs :) nicht von nötenn zuwissenn, Vielgeschweigenn zu tractiren, vnnd dauonn zuschreibenn : Solle sich auch mit weltlichenn hänndeln nicht bekümmernn, noch annehmenn das seye Philosophisch ding, welche Je vnnd alwegenn Hæreticos oder Ketzer gemacht, vnnd gegeben, vnnd derohalbenn vom Apostell Paulo als alienum à Theologia, den Predigernn ganntz vnnd gar niedergelegt vnnd verbottenn wordenn, Derowegenn einem Prediger besser seye, hieruonn geschwiegenn, denn geredt, oder geschriebenn. Darauff Ich anntwortte, das es wohl war, ob gleich meine feddernn geruhet vnnd geschwiegenn, das Saltz nichts desto weniger saltz gewesenn, vnnd saltz pliebenn were, vnnd durch mein arbeit vnd schreibenn, das Allendorffisch Saltz weder besser noch erger wordenn, Ich bin auch selbst meines geringenn verstanndts vnnd vermögenns in so reicher vnnd weitleufftiger Materien vnnd sachenn, mir leider alzu wohl bewust, Jedoch weil E. F. G. ein solches zu tentiren vnnd annzugreiffenn, vonn mir ver

nicht zu kümmern habe, nach dem Wort des heiligen Paulus: Niemand, der Gott dient, verwickle sich in weltliche Geschäfte. Er brauche das nicht zu wissen, geschweige denn zu behandeln und darüber zu schreiben. Er solle sich mit weltlichen Händeln nicht befassen; das sei philosophisches Zeug, das immer und überall Ketzer hervorgebracht habe, und darum sei es vom Apostel Paulus als der Theologie fremd den Predigern ganz und gar untersagt worden. Deshalb sei es für einen Prediger besser, hiervon zu schweigen, als davon zu reden oder zu schreiben.

Darauf antworte ich: Es ist wohl wahr — hätte meine Feder geruht und geschwiegen, das Salz wäre nichtsdestoweniger Salz gewesen und Salz geblieben, und durch meine Arbeit und mein Schreiben ist das Allendorfer Salz weder besser noch schlechter geworden. Auch bin ich mir meines geringen Verstandes und Vermögens in einer so reichen und weitläufigen Materie leider allzu gut bewusst.

Weil jedoch Eure Fürstlichen Gnaden es von mir

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dieser zeitt gnediglich begeret, Ich auch ein sonnderlich neigung durch Gottes milde guete hierzu habe, vnnd ohnne des schuldigk mich erkenne, zum Tabernacul Gottes meine gabenn einzubringenn, Welches, wo es nicht Silber, Goltt, Sammet oder Seydenn, doch nach meinem vermugenn, ziegennhar, Dachsfelle, Saltz, vnnd geringer Materien sein könnenn, Damit Gottes Herligkeit auch am Saltz alhier zun Sodenn desto reicher vnnd mechtiger herfür vnnd am tagk komme, als habe Ich als ein beruffener diener Gottes, dieser kirchenn Inn Sodenn, nicht allein ampts wegenn, sonndernn auch, weil Ich des Hochlöblichenn Furstenthumbs zu Hessenn, meines geliebtenn vatterlanndts Einwöhner, desgleichenn bestelter Saltzgreue bin, vnnd vonn dem theurenn vnnd Christlichenn Heldenn, dem durchleuchttigenn vnnd hochgebornenn Furstenn vnd Herrn Herrn Philipsenn dem Elttern, Weylanndt Lanndtgrauen zu Hessenn, E. F. G. Herrnn Vatternn, Meynem gnedigenn furstenn vnnd herrnn, Hochlöblicher Christmilder vnnd seliger gedechtnus, Wie auch nicht weniger vonn E. F. G. selbst, mir dieses werck, vielfelttigk benohlenn wordenn, vnnd beide vonn Hochge=

zu dieser Zeit gnädig begehrt haben, ich auch durch Gottes milde Güte eine besondere Neigung dazu habe und mich ohnehin schuldig erkenne, meine Gaben in das Zelt Gottes einzubringen — und wenn es nicht Silber, Gold, Samt oder Seide sein kann, so doch nach meinem Vermögen Ziegenhaar, Dachsfelle, Salz und geringe Stoffe —, damit Gottes Herrlichkeit auch am Salz hier zu Sooden umso reicher und mächtiger zutage trete:

darum habe ich als ein berufener Diener Gottes an dieser Kirche in Sooden nicht nur von Amts wegen, sondern auch, weil ich Einwohner des hochlöblichen Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, und dazu bestellter Salzgraf bin, diese Arbeit unternommen. Denn dieses Werk ist mir vielfach aufgetragen worden: von dem teuren und christlichen Helden, dem durchlauchtigen und hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp dem Älteren, weiland Landgrafen zu Hessen, Eurer Fürstlichen Gnaden Herrn Vater, meinem gnädigen Fürsten und Herrn hochlöblichen, christmilden und seligen Angedenkens, nicht weniger aber auch von Euren Fürstlichen Gnaden selbst. Und weil mir von beiden, dem hochge-

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dachtenn E. F. G. Herrnn Vatternn, auch E. F. Gl. mir viel gnade vnnd guts widerfarenn, E. F. G. auch danckbarlichenn gehorsamb zuleistenn schuldigk erkennet, ob gleich nicht fundamentaliter vnnd ausfurlich, doch superficialiter, anndernn für sich etwas bessers zu machenn, anreitzung zugebenn, solche schwere arbeytt, desto lieber vnnd getröster für die Hanndt genommenn, vnnd also, als zwiefach verpflichttet, mich derenn arbeit meines bestenn vermugenns vnderstanndenn. Hoffe, E. F. G. werdenn mit diesem meinem vnderthenigen willenn, vnnd Talent, nach des Poeten meinung vnnd Judicio, in magnis Voluisse sat est, gnediglich zufriedenn sein. Das aber die Zoyli mir fürwerffenn, vnnd wöllenn es sey mir nach dem dicto Pauli, weltliche sachenn zu tractiren, als ein Theologo verbottenn, achtte Ich, das die guete Herrnn, Wie fernn Politica den geistlichenn verbottenn, nicht verstehenn, oder vielleicht mit vleis nicht verstehenn wöllenn, Vnnd des zum beweis sage Ich, Es war die Administratio des Judischenn Reichs, ein gantz

dachten Herrn Vater Eurer Fürstlichen Gnaden wie auch von Euren Fürstlichen Gnaden selbst, viel Gnade und Gutes widerfahren ist und ich mich schuldig erkenne, dankbaren Gehorsam zu leisten, habe ich diese schwere Arbeit umso lieber und getroster in die Hand genommen — wenn auch nicht gründlich und erschöpfend, so doch der Oberfläche nach, um anderen einen Anreiz zu geben, es besser zu machen. So habe ich mich als zwiefach Verpflichteter dieser Arbeit nach bestem Vermögen unterzogen. Ich hoffe, Eure Fürstlichen Gnaden werden mit diesem meinem untertänigen Willen und Talent gnädig zufrieden sein, nach der Meinung des Dichters: Bei großen Dingen ist es genug, gewollt zu haben.

Dass mir aber die Krittler vorwerfen, es sei mir nach dem Wort des Paulus als einem Theologen verboten, weltliche Sachen zu behandeln, dazu meine ich: Die guten Herren verstehen nicht — oder wollen mit Fleiß nicht verstehen —, wie weit den Geistlichen das Politische verboten ist. Zum Beweis sage ich: Die Verwaltung des jüdischen Reiches war eine ganz

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Politisch vnnd weltlichs ding, Jedoch beuahl vnnser Herre Gott, den Priesternn, das sie Jura vnnd leges studiren solttenn, vff das im fall der noth, der König der Priester sich zutröstenn, vnnd sie mit gutem rath, dem König in Politischer Administration, damit es recht zuginge, nicht lasternn, sonndernn befordernn solttenn, Ja es Iniungirte vnnser Herre Gott dem Könige, das er in wichttigenn vnnd schwerenn henndelnn, der geistlich Rath brauchenn, vnnd Ihr Judicium hörenn sollte, darumb der Prophet sagt: Scientia soll sein in labijs Sacerdotum, vnnd Lex oder das recht soll vonn Ihnenn gelernnt vnnd befragt werdenn, daraus zusehenn, das Judische Priester Juristen gewesenn, Die Historien der Bibell bezeugenn, das sie Ertzte, vnnd auch wohl des kriegs nicht vnerfahrenn gewesenn sein, vnnd damit Ichs kurtzlich beschliesse, So gebenn text vnnd Historien der Bibell zuverstehenn, das ein Prediger, wo nicht omnium, tamen plurimarum rerum scientissimus, vnnd also beschaffenn sein soll, das er de iure, licet non de facto, zuerkennenn vnd zu redenn macht habe.

politische und weltliche Sache. Dennoch befahl unser Herrgott den Priestern, sie sollten Recht und Gesetze studieren, damit im Notfall der König sich bei den Priestern Rat holen könne und sie ihn mit gutem Rat in der politischen Verwaltung nicht behindern, sondern fördern, damit es recht zugehe. Ja, unser Herrgott trug dem König auf, in wichtigen und schweren Händeln den geistlichen Rat zu gebrauchen und deren Urteil zu hören. Darum sagt der Prophet: Erkenntnis soll auf den Lippen der Priester sein, und das Gesetz soll man von ihnen lernen und erfragen. Daraus ist zu sehen, dass die jüdischen Priester Juristen gewesen sind. Die Geschichten der Bibel bezeugen, dass sie Ärzte waren und auch im Kriegswesen nicht unerfahren.

Und damit ich es kurz beschließe: Text und Geschichten der Bibel geben zu verstehen, dass ein Prediger, wenn nicht in allen, so doch in sehr vielen Dingen der Kundigste und so beschaffen sein soll, dass er dem Recht nach — wenn auch nicht in der Ausübung — die Befugnis hat, zu urteilen und zu reden.

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Derwegenn der spruch Pauli zuverstehenn, vonn den polipragmonibus, die in weltliche geschefftte, so tieff sich einsteckenn, vnnd einlassenn, das sie auch de factis zuerkennenn, das Jus Ihnen nehmenn, vnnd zu wenndenn: Das sie Ires ampts, vnnd des Predigenns [übergeschrieben: vnder des] vergessenn, vnnd alle tage vf Cantzleyenn hadernn, vnnd Causas agiren, Wollenns bey der Scientia nit bewenndenn lassenn, Sonndernn in Praxin sich einhenckenn, vnnd einmenngenn, vnnd wie ein Crocodil, zu wasser vnnd Lanndt Jagenn, In kirchen vnnd foro politico sich hörenn vnnd sehenn lassenn, vnd so aus der Consequentz des fürgeworffenenn Dicti Paulini, einem Theologo soltte simpliciter weltliche henndell vnnd geschefftte, verbottenn vnnd niedergelegtt sein dörffte ein Prediger kein Ehemann, vnnd auch kein haushaltter sein. Derwegenn weil Ich nur παρεργικῶς1[?] vnuerhindert meines Predigenns, vnnd meines studij Theologici geschrittenn, Wirdt ein Erbar vnnd vernunfftiges hertz, mich wohl enndtschuldiget halttenn, So ist auch nicht weniger, Es habenn die Erbarnn Heiden

Deswegen ist der Spruch des Paulus von den Vielgeschäftigen zu verstehen: von denen, die sich so tief in weltliche Geschäfte einlassen, dass sie sich auch über die Tatsachen das Urteil anmaßen und das Recht an sich ziehen; die darüber ihr Amt und das Predigen vergessen und alle Tage auf den Kanzleien streiten und Prozesse führen; die es nicht beim Wissen bewenden lassen, sondern sich in die Ausübung einhängen und einmengen und wie ein Krokodil zu Wasser und zu Land jagen, sich in der Kirche wie auf dem politischen Forum hören und sehen lassen.

Denn wenn aus dem angeführten Paulus-Wort folgen sollte, dass einem Theologen weltliche Händel und Geschäfte schlechthin verboten sind, dann dürfte ein Prediger auch kein Ehemann und kein Haushalter sein.

Weil ich also nur nebenher geschrieben habe, ohne dass mein Predigen und mein theologisches Studium darunter gelitten hätten, wird ein ehrbares und vernünftiges Herz mich wohl entschuldigt halten.

Nicht weniger gilt: Die ehrbaren Heiden

Unsichere Lesungen

  1. παρεργικῶς — griechisch in Majuskeln (Z. 17)

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vnnd Ihre gelerttenn in erkanndtnus der Naturen, vnnd Ihrer Ordenung, sich sehr geubt, vnnd beflissen, auch so fernn in erkanndtnus vnnd betrachtung derselbenn kommenn, das wir vnns höchlich zuverwundernn, wie sie so hoch vnnd tieff Inn die Natur gestiegenn, das wir zu vnnserer zeitt vonn Ihnen in vielenn dingenn lernenn müssenn, Aber wie dem, So ist Scire per se Jucundum et dulce, Ir meta vnnd finis gewest, vnnd seindt ihr gar wenig, die das quare sic est, gesucht vnnd fundenn habenn, Darumb sagt Paulus, euanuerunt in cogitationibus suis, sie seindt in Ihrenn gedannckenn Eyttell wordenn, Ein Christlicher Theologus aber, oder Philosophus, denn der Heylige Chrysostomus de Theologiam allenntthalbenn Philosophiam nennet, bleibt nicht in erfarung vnnd erkenndtnus der ding, ihrer Materien vnd form, das sie seindt, Sonndernn suchet efficiens primum et finem ultimum, Wer der sey, der es also habenn, vnnd warumb ers also habenn wölle: Darumb habenn die Heidenn, in erkenndtnus der dinge, so da seindt etwas vnns vorgearbeittet, vnnd ein hülffe

und ihre Gelehrten haben sich in der Erkenntnis der Natur und ihrer Ordnung sehr geübt und befleißigt und sind darin so weit gekommen, dass wir uns höchlich verwundern müssen, wie hoch und tief sie in die Natur eingedrungen sind — sodass wir zu unserer Zeit in vielen Dingen von ihnen lernen müssen.

Aber wie dem auch sei: Ihr Ziel und Ende war, dass Wissen an sich angenehm und süß ist, und es sind ihrer sehr wenige, die nach dem Warum gefragt und es gefunden haben. Darum sagt Paulus: Sie sind in ihren Gedanken eitel geworden.

Ein christlicher Theologe aber — oder Philosoph, denn der heilige Chrysostomus nennt die Theologie durchweg Philosophie — bleibt nicht bei der Erfahrung und Erkenntnis der Dinge, ihres Stoffes und ihrer Form stehen, also dabei, *dass* sie sind. Er sucht vielmehr die erste wirkende Ursache und das letzte Ziel: wer der sei, der es so haben will, und warum er es so haben will.

Darum haben uns die Heiden in der Erkenntnis der Dinge, die da sind, etwas vorgearbeitet und eine Hilfe

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gethann, sollenn wirs mitt dannck erkennenn, vnnd annehmenn, vnnd was sie anngefanngenn, aber vnuolenndet gelassenn, sollenn wir aus Gottes wortt, vnnd offennbarung zur perfection vnnd volkommenheit befordernn, Darumb sagtt Augustinus rechtt, So die Heydenn etwas gutes gehapt, vnnd dessenn brauch nicht gewust, sollenns die Christenn Ihnen, wie die Israeliten den Ägiptern thetenn, enndtwendenn, vnnd in den rechttenn brauch, darzu es Gott verordenet, vnnd habenn will, richttenn vnnd bringen. Derwegenn ist erkanndtnus der dinge, so da seindt secundum materiam et formam ein Heidtnisches vnnd Philosophisches studium, secundum autem efficientem et intentionem eius, Ists ein Christliches vnnd Heyliges studium, Weil Gott der allerheiligste dieses selbst herfür bracht, vnnd anngerichtet hatt, vnnd selbst ein Vatter der Natur wordenn, Darumb er von den gelertenn Physicis, oder naturlichenn Meisternn, natura naturans genanndt wordenn, Wircket auch noch vnaufhörlich der almechtige Gott nicht allein die natur, Sonndernn Inn vnnd durch die Natur:

geleistet; das sollen wir dankbar erkennen und annehmen. Und was sie angefangen, aber unvollendet gelassen haben, das sollen wir aus Gottes Wort und Offenbarung zur Vollkommenheit führen.

Darum sagt Augustinus mit Recht: Wenn die Heiden etwas Gutes hatten und dessen Gebrauch nicht kannten, so sollen es die Christen ihnen entwenden — wie die Israeliten es den Ägyptern taten — und es in den rechten Gebrauch bringen, zu dem Gott es verordnet hat und haben will.

Deshalb ist die Erkenntnis der Dinge nach Stoff und Form ein heidnisches und philosophisches Studium; nach ihrer wirkenden Ursache und ihrer Absicht aber ist sie ein christliches und heiliges Studium. Denn Gott, der Allerheiligste, hat dies selbst hervorgebracht und eingerichtet und ist selbst ein Vater der Natur geworden; darum haben ihn die gelehrten Naturkundigen die schaffende Natur genannt. Und der allmächtige Gott wirkt noch unaufhörlich nicht nur die Natur, sondern in und durch die Natur —

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Oder ist vber vnnd ausserhalb der Natur, gar selten, vnnd wiedder die Natur gar nicht, wie die Theologi wissenn, Er beuiehlet auch, das die vernunfftigen Creaturen der Naturen war nehmenn, vnd nicht wie die Bestien oder bruta, in der Natur sein, vnd doch diese nicht wissenn noch kennenn sollenn, Darumb er, wie annfanngs vermeldet, vns also erschaffenn, das Obiectorum species, wir Inn vnnsere Sinne schöpffenn, diese fassenn, vnnd bey vnns lange zeitt tragenn könnenn. Der grosse Herr vnnd naturliche Meister Gott selbst, erwecket vnnd macht Physicos, gibt den Geist, vnnd befederts wunderlich, etiam infundendo, oder wie es die Theologi nennenn, spirando, wie ann Salomone zusehenn, Ja Gott der Hochste Theologus, zeiget Locum et Vsum der Naturenn, vnnd seines Geschopffs, in der Heiligenn Theologia selbst, So wir eigenntlich sehenn könnenn, wie vnnd wozu er die Physicam gebraucht, Hat dieses Studium der Naturen, bis dahero gewaltiglich vnnd mechttig erhalten, das es nicht vntergaungenn, verloschenn, noch auff=

oder über und außerhalb der Natur, was sehr selten geschieht, und wider die Natur gar nicht, wie die Theologen wissen.

Er befiehlt auch, dass die vernünftigen Geschöpfe die Natur wahrnehmen und nicht wie die Tiere in der Natur leben sollen, ohne sie zu wissen oder zu kennen. Darum hat er uns, wie eingangs erwähnt, so geschaffen, dass wir die Bilder der Dinge in unsere Sinne aufnehmen, sie fassen und lange Zeit bei uns tragen können.

Der große Herr und natürliche Meister, Gott selbst, erweckt und macht Naturkundige, gibt den Geist und fördert es auf wunderbare Weise, auch indem er es eingießt oder, wie es die Theologen nennen, einhaucht — wie an Salomo zu sehen ist. Ja, Gott, der höchste Theologe, zeigt Ort und Gebrauch der Natur und seines Geschöpfs in der heiligen Theologie selbst, sodass wir genau sehen können, wie und wozu er die Naturkunde gebraucht. Er hat dieses Studium der Natur bis hierher gewaltig und mächtig erhalten, sodass es nicht untergegangen, erloschen noch aufge-

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Bl. 15rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)
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gehöret, wie in Josepho zusehenn, vnnd seindt die Patriarchenn, Adam, Noah, Abraham, Jacob, alle fürbündige, herliche vnnd grosse Physici gewesenn, Seindt auch die bestenn Theologen, Christus selbst, Lucas, Paulus, Augustinus, Magi, Chrysostomus, die Prister in Persia, Nazianzenus seindt alle, wie auch zu dieser zeitt, die aller furnembstenn Theologen, Physici gewest. Es ist auch die erkenntnus der Natur zum verstanndt des erstenn Artickuls vnnsers Christlichen glaubenns, vonn der erschopffung aller dinge, oder de regno potentiæ et sapientiæ Dei, Ja die ganntze heilige schriffttenn auszulegenn, vnnd zuuerstehenn, hochnötigk, vnd wirdt, was Saltzseule, Saltzbundt, Saltzbrun, Saltzthal, Saltzopffer, vnnd Conspersio seye, keiner verstehenn, wirdt auch, was diese Phrases sein, vnd wollenn, Vos estis Sal terræ, vnnd sermo sit sale conditus, keiner ersehenn noch verstehenn, Denn nur ein Physicus, der der Naturen kundig ist. Ob nun wohl gesagt werdenn will, das Hæresi Archæ grosse Philosophi gewest, wie wohl zuglaubenn, So volget doch nichtt, das Philosophia, welche an sich

hört hat, wie bei Josephus zu sehen ist. Und die Patriarchen Adam, Noah, Abraham und Jakob sind alle hervorragende, herrliche und große Naturkundige gewesen. Auch die besten Theologen — Christus selbst, Lukas, Paulus, Augustinus, die Magier, Chrysostomus, die Priester in Persien, Gregor von Nazianz — sind alle, wie auch zu dieser Zeit die allervornehmsten Theologen, Naturkundige gewesen.

Die Erkenntnis der Natur ist auch hochnötig, um den ersten Artikel unseres christlichen Glaubens zu verstehen — von der Erschaffung aller Dinge, vom Reich der Macht und Weisheit Gottes — ja, um die ganze Heilige Schrift auszulegen und zu verstehen. Denn niemand wird verstehen, was Salzsäule, Salzbund, Salzbrunnen, Salztal, Salzopfer und Besprengung sind; niemand wird erkennen noch verstehen, was diese Wendungen bedeuten und wollen: „Ihr seid das Salz der Erde" und „Eure Rede sei mit Salz gewürzt" — niemand außer einem Naturkundigen, der die Natur kennt.

Zwar will man einwenden, dass Erzketzer große Philosophen gewesen seien, was wohl zu glauben ist. Daraus folgt aber nicht, dass die Philosophie, die an sich

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selbst heylig vnnd Gottlich ist, sie zu ketzernn gemacht, sonndernn der schenndtlich misbrauch der Philosophi, derselbe hatts gethann: So sie Gottes mechtige vnnd freye hanndt, mit Irer kunst meister, vnnd der freyheit Gottes, die Natur wie sie ist, vnd leufft, opponiren vnnd zugegenn setzenn, vnnd mit dem naturlichenn lauff, vber naturliche thatenn Gottes ermessenn, vnnd ergrundenn wollenn, vnd also die dienerin, mit Irer frauwenn, der sie vnnderworffenn, vnnd vff den diennst warttenn sollenn, die Philosophia, mit der heiligenn Theologia, wie Agar mit der Sara zustreittenn sich vnnderstanndenn, machet auch derowegenn Philosophia, wenn sie Theologiæ auffwarttet, nicht allein keinen ketzer, Sonndern einenn vleissigenn auffwartter vnnd diener, in Gott bey den Reichenn, Nemblich der gewalt vnd gnadenn, Der Heylige Apostel Paulus auch, do er für der Philosophi, die zu Colossis warnnet, verdambt nichtt simpliciter ganntz vnnd gar dieses studium, Sonndern sagt, es sey ein studium philosophiæ, das Vanum vnd

selbst heilig und göttlich ist, sie zu Ketzern gemacht hätte — sondern der schändliche Missbrauch der Philosophie hat das getan. Denn sie wollten Gottes mächtige und freie Hand mit ihrer Kunst meistern und der Freiheit Gottes die Natur entgegensetzen, wie sie ist und läuft, und mit dem natürlichen Lauf die übernatürlichen Taten Gottes ermessen und ergründen. So haben sie es unternommen, die Magd mit ihrer Herrin streiten zu lassen, der sie unterworfen ist und aufwarten soll: die Philosophie mit der heiligen Theologie, wie Hagar mit Sara.

Darum macht die Philosophie, wenn sie der Theologie aufwartet, nicht nur keinen Ketzer, sondern einen fleißigen Diener Gottes in den Reichen der Macht und der Gnade.

Auch der heilige Apostel Paulus verdammt, wo er vor der Philosophie in Kolossä warnt, nicht schlechthin und gänzlich dieses Studium. Er sagt vielmehr, es gebe ein Studium der Philosophie, das leer und

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