Salzbibel · Lesetext · 2. Buch
Das zweite Buch · S. 277–286
Die Rechtsgutachten · S. 277–286 · Bl. 136r–140v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Rechtsgutachten
S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch
S. 277
Bl. 136rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteLegis Vicem obti nentibus.
„die die Stelle eines Gesetzes einnehmen“ (Legis Vicem obtinentibus).
Vectig. & commis. ubi Imperator locauerat cotorias1 Insulæ Cretæ alicui, pacto adiecto, ut nullus alius extraheret cotes de ista insula, certe hoc pactum ut lex ligabat omnes subditos, ubi Bartol. in fin. et etiam in d.
Vectig. & commis., wo der Kaiser die Wetzsteinbrüche der Insel Kreta jemandem verpachtet hatte, mit der beigefügten Abrede, dass kein anderer Wetzsteine aus dieser Insel ausführe; gewiss band diese Abrede wie ein Gesetz alle Untertanen; dort Bartolus in fin. und auch in d.
Donationes, per istos textus notabiliter decidit, Quod quando princeps facit aliqua pacta, cum aliquo publicano uel ciuitate aliqua, quod illa pacta possunt allegari in iudicio contra quoscunq̃2, sicuti esset una lex,
Donationes entscheidet er nach diesen Texten in bemerkenswerter Weise, dass, wenn ein Fürst irgendwelche Abreden mit einem Steuerpächter oder irgendeiner Stadt trifft, diese Abreden vor Gericht gegen jedermann angeführt werden können, als wären sie ein Gesetz,
et quod iudex debeat ista pacta seruare Si ergo pacta facta cum principe habeant Vim Legis et statuti, Ergo non possunt esse maioris firmitatis quam si essent Lex uel Statutum.
und dass der Richter diese Abreden beachten muss. Wenn also die mit dem Fürsten getroffenen Abreden Gesetzes- und Statutenkraft (Vim Legis et statuti) haben, so können sie folglich nicht von größerer Festigkeit sein, als wenn sie ein Gesetz oder Statut wären.
Sed hoc certum est, quod Statutum Vel legem præcedentem possit princeps per aliam contrariam legem Vel statutum contrarium tollere. text. in §. sed naturalia, ibi, alia lege postea lata,
Das aber ist gewiss, dass der Fürst ein vorhergehendes Statut oder Gesetz durch ein anderes gegenteiliges Gesetz oder ein gegenteiliges Statut aufheben kann, text. in §. sed naturalia, dort: „durch ein anderes, später erlassenes Gesetz“ (alia lege postea lata),
Inst. de iur. nat gent. text. in L. de quib. in fin. ibi ut non solum suffragio legis latoris abrogentur ff. de leg. faciunt not.
Inst. de iur. nat. gent.; text. in L. de quib. in fin., dort: „dass sie nicht nur durch den Beschluss des Gesetzgebers abgeschafft werden“ (ut non solum suffragio legis latoris abrogentur), ff. de leg.; hierzu dienen die Anmerkungen
De constitut Ergo sequitur conclusiuè, quod princeps per statutum Vel decretum sequens, potest de iure tollere conuentiones et transactiones cum eo Vel antecessoribus suis antea factas Zum Vierdtenn, Obgleich darauff gedrungenn wirdt, das die Pfenner crafft auffgerichtter vertrege contracten, vnnd aus anndernn vhrsachenn, am Salzbrunnenn, vnnd am ganzen Salzwercke,Läuft auf der nächsten Seite weiter
De constitut. Folglich ergibt sich als Schluss, dass der Fürst durch ein nachfolgendes Statut oder Dekret von Rechts wegen Vereinbarungen und Vergleiche aufheben kann, die zuvor mit ihm oder seinen Vorgängern geschlossen wurden. Viertens: Wenngleich darauf gedrungen wird, dass die Pfänner kraft aufgerichteter Verträge und Kontrakte und aus anderen Ursachen am Salzbrunnen und am ganzen Salzwerk
Unsichere Lesungen
- cotorias — Lesung 'cotorias' (Wetzstein-Brueche); passt zu 'cotes' in Zeile 4, Schreibung aber undeutlich.
- quoscunq̃ — Abbreviatur fuer 'quoscunque'.
S. 278
Bl. 136vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteDe constitut Ergo sequitur conclusiuè, quod princeps per statutum Vel decretum sequens, potest de iure tollere conuentiones et transactiones cum eo Vel antecessoribus suis antea factas Zum Vierdtenn, Obgleich darauff gedrungenn wirdt, das die Pfenner crafft auffgerichtter vertrege contracten, vnnd aus anndernn vhrsachenn, am Salzbrunnenn, vnnd am ganzen Salzwercke,
De constitut. Folglich ergibt sich als Schluss, dass der Fürst durch ein nachfolgendes Statut oder Dekret von Rechts wegen Vereinbarungen und Vergleiche aufheben kann, die zuvor mit ihm oder seinen Vorgängern geschlossen wurden. Viertens: Wenngleich darauf gedrungen wird, dass die Pfänner kraft aufgerichteter Verträge und Kontrakte und aus anderen Ursachen am Salzbrunnen und am ganzen Salzwerk
eigenthumbliche gerechttigkeit habenn, Weil aber dennest Im rechtte versehenn, das ein fürst aus statlichenn bewegenndenn vhrsachenn, seine vnderthanenn ihrer eigenthumblichenn gerechttigkeit möge benehmenn,
eigentümliche Gerechtigkeit haben, weil aber dennoch im Recht vorgesehen ist, dass ein Fürst aus stattlichen bewegenden Ursachen seinen Untertanen ihre eigentümliche Gerechtigkeit nehmen darf,
Vnd aber hochberumbter Lanndtgraf anngibt, das wo diese eingerung[?]1 vnnd geringe annzahl der Bode vnnd Pfannenn lenger bestehenn, vnnd newe Bode nicht solten erbawet werdenn, ffgl.
und aber der hochberühmte Landgraf angibt, dass, wo diese Einengung[?] und geringe Anzahl der Koten und Pfannen länger bestehen und neue Koten nicht erbaut werden sollten, Seiner Fürstlichen Gnaden
Vnderthanenn vnnd Lanndtschafftenn trefflicher nachteil vnnd gebruch am Salz enndtstünde, Welches nicht für ein klein Vhrsach zuachttenn, So soltte auch hieraus schließlichen[?]2 volgenn, das ffgl. aus dieser stadtlichenn Vhrsachenn die Gemeinenn Pfenner Ihrer eigennthumblichen gerechtig keitt, so viel not zuenndtsezenn, vnnd auch mehr Pfannenn zuerhebenn fug habe,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Untertanen und Landschaften trefflicher Nachteil und Mangel am Salz entstünde, was nicht für eine geringe Ursache zu achten ist, so sollte auch hieraus schließlich[?] folgen, dass Seine Fürstlichen Gnaden aus dieser stattlichen Ursache Befugnis haben, die gemeinen Pfänner ihrer eigentümlichen Gerechtigkeit, soviel nötig, zu entsetzen und auch mehr Pfannen zu errichten,
Unsichere Lesungen
- eingerung[?] — Erstes Wort undeutlich; Lesung 'eingerung', gemeint wohl '(Ver-)Ringerung' der Boden und Pfannen.
- schließlichen[?] — Mittelteil des Wortes undeutlich, 'schlieblichen'/'schlieslichen' palaeographisch moeglich.
S. 279
Bl. 137rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteVnderthanenn vnnd Lanndtschafftenn trefflicher nachteil vnnd gebruch am Salz enndtstünde, Welches nicht für ein klein Vhrsach zuachttenn, So soltte auch hieraus schließlichen[?] volgenn, das ffgl. aus dieser stadtlichenn Vhrsachenn die Gemeinenn Pfenner Ihrer eigennthumblichen gerechtig keitt, so viel not zuenndtsezenn, vnnd auch mehr Pfannenn zuerhebenn fug habe,
Untertanen und Landschaften trefflicher Nachteil und Mangel am Salz entstünde, was nicht für eine geringe Ursache zu achten ist, so sollte auch hieraus schließlich[?] folgen, dass Seine Fürstlichen Gnaden aus dieser stattlichen Ursache Befugnis haben, die gemeinen Pfänner ihrer eigentümlichen Gerechtigkeit, soviel nötig, zu entsetzen und auch mehr Pfannen zu errichten,
Nam quamuis Princeps regulariter non possit aufferre ea, quæ sunt iurisgentium1, et per consequens priuare aliquem dominio rei suæ, tamen ex causa magna potest,
Denn obwohl der Fürst in der Regel das, was zum Völkerrecht (ius gentium) gehört, nicht wegnehmen und folglich niemanden des Eigentums an seiner Sache berauben kann, so kann er es doch aus großem Grund (ex causa magna),
ita exclamant glossæ ordinariæ, est gloss: in l. fin. ibi, dominia rerum sunt, de iure gentium, ubi not Jason & Moderino:2 omnes.
so rufen die ordentlichen Glossen aus; es gibt eine Glosse in l. fin., dort: „Das Eigentum an Sachen ist völkerrechtlich“ (dominia rerum sunt de iure gentium), wo Jason und die Modernen alle anmerken,
C. si contra ius Vt utilit. publ. gloss: in l. fin. ff. de const. princip. gloss: in L.
C. si contra ius Vt utilit. publ.; gloss. in l. fin. ff. de const. princip.; gloss. in L.
Barbarius, in uerbo multomagis, ibi, Nota quod ex iusta causa princeps ff. de off. potest:
Barbarius, im Wort multomagis, dort: „Merke, dass der Fürst aus gerechtem Grund“ (Nota quod ex iusta causa princeps), ff. de off. potest.;
Quæ in Ecclesiarum extra de constit cum similibus.
Quæ in Ecclesiarum extra de constit., mit ähnlichen.
Zum fünfftenn, Obgleich auch wieder dieses alles woltte gesagt werdenn, das hochgedachtter Lanndtgraff, alle hohe præeminentz so Key:
Fünftens: Wenngleich auch gegen dies alles gesagt werden wollte, dass der hochgedachte Landgraf alle hohe Präeminenz, die Kaiserlicher
Maytt: zustünde, vnnd also Jura imperij in seinem Lannde nicht hette, Derwegenn konnttenn auch obanngezeigte Recht, so vonn Käy:
Majestät zustünde, und also die Rechte des Reiches (iura imperij) in seinem Land nicht hätte, weswegen auch die obangezeigten Rechtsstellen, die von Kaiserlicher
Mayt: tanquam summo principe redenn, auff die Person hochberumbtes Lanndtgrauenn, nicht gedeuttet werden, So were doch bewerlich zusagenn, das ffgl. nichts minder zu rechte, aus einer anndernn Vhrsachenn nachgelassen, mehr Salzbote vnnd Pfannenn aufrichtenn zulassenn, Vnngeachttet voriger auffgerichter vertrege,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Majestät als dem höchsten Fürsten (tanquam summo principe) reden, nicht auf die Person des hochberühmten Landgrafen gedeutet werden könnten, so wäre doch bewährbar zu sagen, dass es Seinen Fürstlichen Gnaden nichtsdestoweniger von Rechts wegen aus einer anderen Ursache nachgelassen sei, mehr Salzkoten und Pfannen aufrichten zu lassen, ungeachtet vorher aufgerichteter Verträge,
Unsichere Lesungen
- iurisgentium — Geschrieben 'iuisgentium' mit hochgestelltem Kuerzungshaken fuer 'ri'.
- Moderino: — So geschrieben; gemeint wohl 'Moderni' (die Neueren). Buchstabenbestand aber deutlich 'Moderino'.
S. 280
Bl. 137vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteMayt: tanquam summo principe redenn, auff die Person hochberumbtes Lanndtgrauenn, nicht gedeuttet werden, So were doch bewerlich zusagenn, das ffgl. nichts minder zu rechte, aus einer anndernn Vhrsachenn nachgelassen, mehr Salzbote1 vnnd Pfannenn aufrichtenn zulassenn, Vnngeachttet voriger auffgerichter vertrege,
Majestät als dem höchsten Fürsten (tanquam summo principe) reden, nicht auf die Person des hochberühmten Landgrafen gedeutet werden könnten, so wäre doch bewährbar zu sagen, dass es Seinen Fürstlichen Gnaden nichtsdestoweniger von Rechts wegen aus einer anderen Ursache nachgelassen sei, mehr Salzkoten und Pfannen aufrichten zu lassen, ungeachtet vorher aufgerichteter Verträge,
priuilegien vnnd annderer der Pfenner Gerechttigkeit, vnd das darumb, das ffgl. anngibt, als soltte ein gemeiner nuz aller stennde zu Hessenn, dis werck erfordernn, Welcher gemeiner nuz, so er erscheinlichenn, allenn sonnderlichenn nuze vorgezogenn werdenn solle:
Privilegien und anderer Gerechtigkeit der Pfänner, und das deshalb, weil Seine Fürstlichen Gnaden angeben, als sollte ein gemeiner Nutzen aller Stände zu Hessen dieses Werk erfordern; welcher gemeine Nutzen, wenn er offenkundig ist, allem besonderen Nutzen vorgezogen werden solle,
Also das vmb solchs gemeinenn nuzen willenn, niht[?]2 allein Kay:
sodass um solchen gemeinen Nutzens willen nicht[?] allein Kaiserliche
Mayt: als supremus princeps, sonndernn auch anndere fürstenn geringers grads, vnd also inferiores ab imperatore, sonnderlichen Personen ihrenn vnderthanenn Jhre eigennthumbliche, oder anndere gerechttigkeitenn, vnnd gebürliche erstattung vnnd vergnügung mögenn enndtziehenn[?]3, schmelernn, oder auch gannz vnnd gar benehmen,
Majestät als höchster Fürst (supremus princeps), sondern auch andere Fürsten geringeren Grades, und also dem Kaiser Untergeordnete (inferiores ab imperatore), besonderen Personen, ihren Untertanen, ihre eigentümlichen oder anderen Gerechtigkeiten gegen gebührliche Erstattung und Vergütung entziehen[?], schmälern oder auch ganz und gar nehmen dürfen,
Innhalts volgennder rechtsgründe, Nam ratione publicæ utilitatis, potest princeps absqʒ dubio, ea quæ sunt iuris gentium tollere, Veluti contractus à principe cum priuato celebratos, dominia rerum et similia per ea quæ sup̃ adduxi.
laut Inhalt folgender Rechtsgründe: Denn aus Rücksicht auf den öffentlichen Nutzen (ratione publicæ utilitatis) kann der Fürst ohne Zweifel das, was zum Völkerrecht gehört, aufheben, wie etwa vom Fürsten mit einem Privaten geschlossene Verträge, das Eigentum an Sachen und Ähnliches, nach dem, was ich oben angeführt habe.
Vltra quæ allego textum principalem in hac mã4 in L. item Verberatum §. si quis rem, ibi, Et militibus assignatus ff de rei Vend. ubi fundus tertij et priuati datur ad usum militibus fauore reip. text. est in L.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Darüber hinaus führe ich den Haupttext in dieser Materie an in L. item Verberatum §. si quis rem, dort: „und den Soldaten zugewiesen“ (Et militibus assignatus), ff. de rei Vend., wo das Grundstück eines Dritten und Privaten zugunsten des Gemeinwesens den Soldaten zur Nutzung gegeben wird; ein Text ist in L.
Unsichere Lesungen
- Salzbote — Zierstrich durch t; Wort fuer 'Salzboden' (Siedehaeuser), Endung -te/-de nicht sicher.
- niht[?] — Kurzform fuer 'nicht'; Buchstabenbestand 'niht' oder 'nist' schwer zu entscheiden.
- enndtziehenn[?] — Wortende mit Kuerzungshaken und Schnoerkel; Endung -enn ergaenzt gelesen.
- mã — Abbreviatur fuer 'materia'.
S. 281
Bl. 138rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteVltra quæ allego textum principalem in hac mã in L. item Verberatum §. si quis rem, ibi, Et militibus assignatus ff de rei Vend. ubi fundus tertij et priuati datur ad usum militibus fauore reip. text. est in L.
Darüber hinaus führe ich den Haupttext in dieser Materie an in L. item Verberatum §. si quis rem, dort: „und den Soldaten zugewiesen“ (Et militibus assignatus), ff. de rei Vend., wo das Grundstück eines Dritten und Privaten zugunsten des Gemeinwesens den Soldaten zur Nutzung gegeben wird; ein Text ist in L.
Lutius1, ibi, possessiones ex præcepto principali partim distractas, partim Veteranis in præmia assignatas, ff de euictionib. text. est aptus in L.
Lutius, dort: „Besitzungen, die auf fürstlichen Befehl teils verkauft, teils den Veteranen als Belohnung zugewiesen wurden“ (possessiones ex præcepto principali partim distractas, partim Veteranis in præmia assignatas), ff. de euictionib.; ein passender Text ist in L.
Quod semel, ibi, nisi ex causa h. e. si ad publicam utilitatem respiciat, ff de decret. ab ordin. facien.
Quod semel, dort: „außer aus einem Grund, d. h. wenn er auf den öffentlichen Nutzen sieht“ (nisi ex causa, h. e. si ad publicam utilitatem respiciat), ff. de decret. ab ordin. facien.
Glossa singularis in c. constitutus, in Verbo à quocunqʒ, in fin. ibi, Verius credo. extra de religios. domib. ubi concludit quod etiam inferior à papa uel imperatore ex causa certa et rationabili, nempe reipublicæ, potest ius alteri quæsitum aufferre.
Eine einzigartige Glosse in c. constitutus, im Wort à quocunque, in fin., dort: „Ich glaube richtiger“ (Verius credo), extra de religios. domib., wo sie schließt, dass auch ein dem Papst oder Kaiser Untergeordneter aus bestimmtem und vernünftigem Grund, nämlich dem des Gemeinwesens, ein einem anderen erworbenes Recht wegnehmen kann.
Ergo nil obstare Videtur, etiamsi Illustrissimus Hassiæ Landgrauius non haberet iura Imperij in suo Territorio, q̃a2 nihilominus posset, per iam dicta Illustrissima sua Celsitudo, ob causam reip. euidentem et p̃gnantem istis Dominis Salinarum ius iam quæsitum aufferre,
Folglich scheint nichts entgegenzustehen, auch wenn der Durchlauchtigste Landgraf von Hessen die Rechte des Reiches in seinem Gebiet nicht hätte, weil Seine Durchlauchtigste Hoheit nichtsdestoweniger nach dem bereits Gesagten aus offenkundigem und zwingendem Grund des Gemeinwesens diesen Herren der Salinen das bereits erworbene Recht wegnehmen könnte,
facta debita recompensatione, et dummodo Illustrissima sua Celsitudo soluat p̃cium ei cui auffert rem suam, seu ius suum iam q̃situm, per Text. egregium in L.
nach erfolgter gebührender Entschädigung, und sofern Seine Durchlauchtigste Hoheit demjenigen, dem sie seine Sache oder sein bereits erworbenes Recht wegnimmt, den Preis zahlt, nach dem vortrefflichen Text in L.
Serui qui monetarios, ibi, Serui libertate donentur, ut eorum domini p̃cium a fisco percipiant C. qb. ex caus. serui pro p̃m. libert. accip. et est gloss. in L. fin.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Serui qui monetarios, dort: „Die Sklaven sollen mit der Freiheit beschenkt werden, sodass ihre Herren den Preis vom Fiskus empfangen“ (Serui libertate donentur, ut eorum domini pretium a fisco percipiant), C. quibus ex caus. serui pro præm. libert. accip.; und es gibt eine Glosse in L. fin.
Unsichere Lesungen
- Lutius — Gesetzestitel, Lesung unsicher.
- q̃a — Abbreviatur fuer 'quia'.); pro p̃m (Abbreviatur, wohl 'pro praemio'.
S. 282
Bl. 138vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteSerui qui monetarios, ibi, Serui libertate donentur, ut eorum domini p̃cium a fisco percipiant C. qb. ex caus. serui pro p̃m. libert. accip. et est gloss. in L. fin.
Serui qui monetarios, dort: „Die Sklaven sollen mit der Freiheit beschenkt werden, sodass ihre Herren den Preis vom Fiskus empfangen“ (Serui libertate donentur, ut eorum domini pretium a fisco percipiant), C. quibus ex caus. serui pro præm. libert. accip.; und es gibt eine Glosse in L. fin.
Serui Quod ciuitas Volens facere fossatam per agrum alienum, d̃bt1 domino agri soluere p̃tium. text. est optimus in ista mã2, in L.
Serui, dass eine Stadt, die einen Graben durch fremden Acker anlegen will, dem Eigentümer des Ackers den Preis zahlen muss. Ein bester Text in dieser Materie ist in L.
Venditor § si constat ff. commu. p̃dio. tam urban. q̃ rust. ibi non prius hoc faciat, nisi solitum salarium Domino præstet, text. in L.
Venditor § si constat ff. commu. prædio. tam urban. quam rust., dort: „Er soll dies nicht eher tun, als bis er dem Eigentümer die übliche Vergütung leistet“ (non prius hoc faciat, nisi solitum salarium Domino præstet); text. in L.
Mulier in opus Salinarum, ibi, p̃cium ex fisco reddendum est. ff de captiui. et postlimi. reuers.
Mulier in opus Salinarum, dort: „Der Preis ist aus dem Fiskus zu erstatten“ (pretium ex fisco reddendum est), ff. de captiui. et postlimi. reuers.
Atqʒ pro isto fundamento quinto, bene facit, quod isti Domini Salinarum sint subditi Illustrissimi Landgrauij Hassiæ, atqʒ ita succedit singularis doctrina Innocentij in c. in nostra de iniur. et dam. dat. ubi concludit quod etiamsi priuilegium principis transiuit in Contractum,
Und für diese fünfte Grundlage dient wohl, dass diese Herren der Salinen Untertanen des Durchlauchtigsten Landgrafen von Hessen sind, und so greift die einzigartige Lehre des Innocenz in c. in nostra de iniur. et dam. dat., wo er schließt, dass, auch wenn das Privileg des Fürsten in einen Vertrag übergegangen ist,
quod tamen nihilominus princeps p̃t4 ex causa publicæ utilitatis illud reuocare, quando ista reuocatio fit in præiudicium subditi ipsius reuocantis, per tex. in d. c. in nostra. secundum intellectum Innocentij ibidem, ubi iuxta relationem plurimorum Doctorum hanc decisionem tenet et probat d.Läuft auf der nächsten Seite weiter
der Fürst es dennoch nichtsdestoweniger aus Gründen des öffentlichen Nutzens widerrufen kann, wenn dieser Widerruf zum Nachteil eines Untertanen des Widerrufenden selbst geschieht, nach dem Text in d. c. in nostra gemäß dem Verständnis des Innocenz ebendort, wo er nach dem Bericht sehr vieler Doktoren diese Entscheidung vertritt und beweist d.
Unsichere Lesungen
- d̃bt — Abbreviatur 'debet', Kuerzungsstrich.
- mã — Abbreviatur fuer 'materia'.
- sũ — Kuerzung, wohl 'sub' oder 'summa'.
- p̃t — Abbreviatur fuer 'potest'.
S. 283
Bl. 139rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitequod tamen nihilominus princeps p̃t ex causa publicæ utilitatis illud reuocare, quando ista reuocatio fit in præiudicium subditi ipsius reuocantis, per tex. in d. c. in nostra. secundum intellectum Innocentij ibidem, ubi iuxta relationem plurimorum Doctorum hanc decisionem tenet et probat d.
…dass der Fürst gleichwohl aus einem Grund des öffentlichen Nutzens jenes widerrufen kann, wenn dieser Widerruf zum Nachteil eines Untertanen des Widerrufenden selbst geschieht, nach dem Text in dem genannten c. in nostra, gemäß dem Verständnis des Innocentius ebendort, wo er nach dem Bericht sehr vieler Doktoren diese Entscheidung vertritt und beweist, [ebenso] der genannte
Qui opinatur quod omnia iura dicentia, Principem non posse reuocare statutum Vel priuilegium quod transiuit in contractum debeant intelligi in non subdito Principis reuocantis, secus autem in subdito, quia tunc potest. idem tenet dict.
Der meint, dass alle Rechtssätze, die sagen, der Fürst könne ein Statut oder Privileg, das in einen Vertrag übergegangen ist, nicht widerrufen, auf einen Nicht-Untertanen des widerrufenden Fürsten zu beziehen seien, anders aber bei einem Untertanen, denn dann kann er es. Dasselbe vertritt der genannte
Anth. de Butr. et Joann. de Imol. in c. nouit, de Juditij approbat. hoc dictum Ludouic.
Antonius de Butrio und Johannes de Imola in c. novit, de iudiciis; diesen Ausspruch billigt Ludovicus
Roman. consil. 4361. sũ XVI. et in cons. 352. in fin.
Romanus, consil. 436, Summarium XVI, und in cons. 352 am Ende.
Et istud est firmissimum fundamentum inter omnia quæ mihi occurrunt, pro parte Illustrissimi Principis Hassiæ Zum Sechstenn, möchtte gesagt werdenn, das die verstorbene Landtgrauenn hochlöblicher gedechtnus, mitt Ihrenn priuilegien, auch vertregenn, so Weylanndt Ire f. gl. den gemeinenn Pfennernn gegebenn, vnnd mitt Inenn auffgericht, dem Itzt regierenden Furstenn, tanquam successori ann s. f. gl. gerechttigkeit,
Und dies ist unter allem, was mir begegnet, das festeste Fundament für die Partei des durchlauchtigsten Fürsten von Hessen (Et istud est firmissimum fundamentum inter omnia quæ mihi occurrunt, pro parte Illustrissimi Principis Hassiæ). Zum Sechsten könnte gesagt werden, dass die verstorbenen Landgrafen hochlöblichen Gedächtnisses mit ihren Privilegien und auch Verträgen, die weiland Ihre Fürstlichen Gnaden den gemeinen Pfännern gegeben und mit ihnen aufgerichtet haben, dem jetzt regierenden Fürsten als Nachfolger (tanquam successori) an Seiner Fürstlichen Gnaden Gerechtigkeit
vnnd derselbenn Landt vnnd leutenn frommenn, gedeyen vnnd zunehmenn nicht habenn, könnenn præiudiciren, derwegenn auch vngeachttet derselbenn vertrege vnnd priuilegien, der hochberumbte Itzt regirennde Furst,
und an dem Frommen, Gedeihen und Zunehmen derselben Lande und Leute nicht haben präjudizieren (vorgreifen) können, weswegen auch ungeachtet derselben Verträge und Privilegien der hochberühmte, jetzt regierende Fürst
s. f. gl. vnnd derselbenn Lannde nuz vnnd bestes suchenn möchte, Probantur hæc per textum in L. digna vox in fin. ibi, alijs ~ successoribus indicamus.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Seiner Fürstlichen Gnaden und derselben Lande Nutzen und Bestes suchen möge. Dies wird bewiesen durch den Text in L. digna vox am Ende, dort: „den Nachfolgern zeigen wir es an“ (alijs ~ successoribus indicamus),
Unsichere Lesungen
- 436 — Consiliennummer, Ziffern gepruft.); sũ XVI (Kuerzung, wohl 'sub' Nummer.); s. f. gl. (Kuerzel ohne Punkte geschrieben.
S. 284
Bl. 139vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen Seites. f. gl. vnnd derselbenn Lannde nuz vnnd bestes suchenn möchte, Probantur hæc per textum in L. digna vox in fin. ibi, alijs ~1 successoribus indicamus.
Seiner Fürstlichen Gnaden und derselben Lande Nutzen und Bestes suchen möge. Dies wird bewiesen durch den Text in L. digna vox am Ende, dort: „den Nachfolgern zeigen wir es an“ (alijs ~ successoribus indicamus),
Et ita Imperator non p̃cipit successoribus, sed tantum eis indicat, quid ipse sit facturus, an uelint eum imitari.
Und so befiehlt der Kaiser den Nachfolgern nicht, sondern zeigt ihnen nur an, was er selbst tun werde, ob sie ihn nachahmen wollen.
Nec mirum, quia ut ibidem dicit gloss: fin. par in parem non habet imperium.
Und kein Wunder, denn wie ebendort die Glosse am Ende sagt: Ein Gleicher hat über einen Gleichen keine Gewalt (par in parem non habet imperium).
Princeps non potest successori suo Legem imponere, à qua successori non liceret recedere, ut latius ibidem Cast. et alij.
Der Fürst kann seinem Nachfolger kein Gesetz auferlegen, von dem abzuweichen dem Nachfolger nicht erlaubt wäre, wie ausführlicher ebendort Castrensis und andere.
Zum Siebenndenn, Wirdt durch hochgedachtenn Landtgrauenn anngezogenn[?]2, das s. f. gl. herr Vatter Landtgraff Wilhelm der mitler, in zeit der auffgerichten vnnd gegebenen priuilegien vnnd vertrege, in seinen vnmündigenn Jahrenn gewesenn, Weil dann aus dennselbenn Priuilegien nicht erscheint,
Zum Siebten wird durch hochgedachten Landgrafen angeführt[?], dass Seiner Fürstlichen Gnaden Herr Vater, Landgraf Wilhelm der Mittlere, zur Zeit der aufgerichteten und gegebenen Privilegien und Verträge in seinen unmündigen Jahren gewesen sei. Weil dann aus denselben Privilegien nicht ersichtlich ist,
das hochgedachtter Landtgraff Wilhelm hierin mit vorwissenn vnnd zuthun s. f. gl. vormünden gehanndlet, so volgt auch, das solche priuilegien vnnd vertrege, als starcks vonn einem vnmündigenn Furstenn verzogenn3, zu rechte, vnnd also ipso iure vnkrefftige vnnd vnbündige absqʒ omni in integrum restitutione.
dass hochgedachter Landgraf Wilhelm hierin mit Vorwissen und Zutun der Vormünder Seiner Fürstlichen Gnaden gehandelt hat, so folgt auch, dass solche Privilegien und Verträge, als von einem unmündigen Fürsten ausgestellt, von Rechts wegen und also von selbst (ipso iure) unkräftig und unverbindlich sind, ohne jede Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (absque omni in integrum restitutione).
Text. est in L. in causæ cognitione, in prin. ibi, sine tutoris authoritate et ibi Barth. ff de minorib. text. in §. 1. ibi aliter non quam cum Tutoris authoritate.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Der Text steht in L. in causæ cognitione, am Anfang, dort: „ohne Ermächtigung des Vormunds“ (sine tutoris authoritate), und dort Bartolus, ff. de minorib.; Text in §. 1, dort: „nicht anders als mit Ermächtigung des Vormunds“ (aliter non quam cum Tutoris authoritate),
Unsichere Lesungen
- ~ — Kleines Zeichen zwischen den Woertern.
- anngezogenn[?] — Lesung anngezogenn/anngezeigenn unsicher.
- verzogenn — vor-/verzogenn unsicher.
S. 285
Bl. 140rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteText. est in L. in causæ cognitione, in prin. ibi, sine tutoris authoritate et ibi Barth. ff de minorib. text. in §. 1. ibi aliter non quam cum Tutoris authoritate.
Der Text steht in L. in causæ cognitione, am Anfang, dort: „ohne Ermächtigung des Vormunds“ (sine tutoris authoritate), und dort Bartolus, ff. de minorib.; Text in §. 1, dort: „nicht anders als mit Ermächtigung des Vormunds“ (aliter non quam cum Tutoris authoritate),
Zum achttenn vnnd letztenn, Ob gleich hochbenanntes Landtgraff Wilhelms des mitlernn gegebene brieffe, kreffttige sein solttenn, so werenn doch dieselbigen brieffe allein bestettigungs brieffe, welche nach besage der rechttenn den Pfennernn kein new recht gebenn möchttenn.
Zum Achten und Letzten: Auch wenn die von hochbenanntem Landgraf Wilhelm dem Mittleren gegebenen Briefe kräftig sein sollten, so wären dieselben Briefe doch allein Bestätigungsbriefe, welche nach Aussage der Rechte den Pfännern kein neues Recht geben könnten.
Cum iure cautum sit confirmatorias literas nil iuris tribuere, sed antiquum ius, si quod competijt conseruare, per text. et quod ibi nõt.
Da im Recht vorgesehen ist, dass Bestätigungsbriefe kein Recht verleihen, sondern das alte Recht, wenn eines zustand, bewahren (confirmatorias literas nil iuris tribuere, sed antiquum ius, si quod competijt, conservare), nach dem Text und dem, was dort anmerken
Canonistæ in c. cum dilecta, ibi nolentes quod ex innouatione huiusmodi ius nouum monasterio quæratur, sed antiquum si quod h̃t1, per innouationem priuilegij conseruetur.
die Kanonisten in c. cum dilecta, dort: „nicht wollend, dass aus einer derartigen Erneuerung dem Kloster ein neues Recht erworben werde, sondern dass das alte, wenn es eines hat, durch die Erneuerung des Privilegs bewahrt werde“.
Aber obanngezeigter grunde vnnd was sonnstenn weitter vor hochgedachttenn furstenn vnnd Lanndtgrauenn mochtte anngezogen werden, welches kurzhalb nachbleibt, vngeachttet, Ist mit mehrem rechttenn zuschliessenn, das s. f. gl. zu rechtte in keinem wege gepüret2, Bode oder Saltz pfannenn, bey den Salzbrunnenn vnnd ader, so gemeyner gebaurschafft vnnd pfennern zustehet, bauenn zulassenn, oder des Salzbrunnenn zugebrauchenn, oder aber benannttenn pfennernn anndere einhalde[?], an Ihrer gerechttigkeit zuthun,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Aber ungeachtet der oben angezeigten Gründe und dessen, was sonst weiter für hochgedachten Fürsten und Landgrafen angeführt werden könnte, was der Kürze halber unterbleibt, ist mit mehrerem Recht zu schließen, dass es Seiner Fürstlichen Gnaden von Rechts wegen in keinem Wege gebührt, Salzböden oder Salzpfannen bei den Salzbrunnen und der Ader, die der gemeinen Gebauerschaft und den Pfännern zustehen, bauen zu lassen oder den Salzbrunnen zu gebrauchen oder aber den benannten Pfännern anderen Einhalt[?] an ihrer Gerechtigkeit zu tun,
Unsichere Lesungen
- h̃t — Abbreviatur fuer 'habet'.
- gepüret — Lesung gepüret/gebüret.
S. 286
Bl. 140vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteAber obanngezeigter grunde vnnd was sonnstenn weitter vor hochgedachttenn furstenn vnnd Lanndtgrauenn mochtte anngezogen werden, welches kurzhalb nachbleibt, vngeachttet, Ist mit mehrem rechttenn zuschliessenn, das s. f. gl. zu rechtte in keinem wege gepüret, Bode oder Saltz pfannenn, bey den Salzbrunnenn vnnd ader, so gemeyner gebaurschafft vnnd pfennern zustehet, bauenn zulassenn, oder des Salzbrunnenn zugebrauchenn, oder aber benannttenn pfennernn anndere einhalde[?]1, an Ihrer gerechttigkeit zuthun,
Aber ungeachtet der oben angezeigten Gründe und dessen, was sonst weiter für hochgedachten Fürsten und Landgrafen angeführt werden könnte, was der Kürze halber unterbleibt, ist mit mehrerem Recht zu schließen, dass es Seiner Fürstlichen Gnaden von Rechts wegen in keinem Wege gebührt, Salzböden oder Salzpfannen bei den Salzbrunnen und der Ader, die der gemeinen Gebauerschaft und den Pfännern zustehen, bauen zu lassen oder den Salzbrunnen zu gebrauchen oder aber den benannten Pfännern anderen Einhalt[?] an ihrer Gerechtigkeit zu tun,
Wie dann auch s. f. gl. aus anngeborner seiner Furstlichen tugendt, ihrem erbietenn nach, wann s. f. gl. derer Pfenner Ihre Priuilegia, vertrege, vnnd erlanngten gerechttigkeitt, grundtlich berichttet wirdt, ohnn zweiuel gegenn seine vnderthanenn gnediglich würdet verhaltten,
Wie denn auch Seine Fürstlichen Gnaden aus seiner angeborenen fürstlichen Tugend, ihrem Erbieten nach, wenn Seine Fürstlichen Gnaden über die Privilegien, Verträge und erlangte Gerechtigkeit dieser Pfänner gründlich berichtet wird, sich ohne Zweifel gegen seine Untertanen gnädig verhalten wird,
vnd ist darfür zuachttenn, das diese mühe, den pfenern2 aus nichts annders, dann aus deme eruolget, das hochgedachtem Lanndtgrauenn, ihre Priuilegia, freyheitenn, vertrege vnnd erlanngte gerechttigkeitenn, bishero grundtlichenn nicht vorgetragenn wordenn.
und es ist dafür zu halten, dass diese Mühe den Pfännern aus nichts anderem erwachsen ist als daraus, dass hochgedachtem Landgrafen ihre Privilegien, Freiheiten, Verträge und erlangten Gerechtigkeiten bisher nicht gründlich vorgetragen worden sind.
Vnd das obanngezeigeter schlus, dem rechttenn gemes seye, erscheinet aus nachuolgenden gründenn.
Und dass der oben angezeigte Schluss dem Recht gemäß sei, ergibt sich aus nachfolgenden Gründen.
Erstlichenn, Ist hierobenn aus erzehlung des handels zubefindenn, das gemeine Gebaurschafft vnd pfenner, diese Ihre gerechttigkeit, nemblich das niemands mehr Salzbode des ortts bauenn, oder mehr pfannenn erheben soll, das auch niemanndts macht habenn soll, des ortts pfannenn zuhabenn, oder des Salzwercks zugeniessenn, er sey dann aus der Gebaurschafft geborenn, nicht allein aus altter hergebrachtter freyheit vnnd vbung, sondernn aus crafft etlicher bewilligter vnnd anngenommener vertrege,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Erstlich ist hier oben aus der Erzählung des Handels zu befinden, dass die gemeine Gebauerschaft und die Pfänner diese ihre Gerechtigkeit – nämlich dass niemand mehr Salzböden des Orts bauen oder mehr Pfannen errichten soll, dass auch niemand Macht haben soll, des Orts Pfannen zu haben oder das Salzwerk zu genießen, er sei denn aus der Gebauerschaft geboren – nicht allein aus alter hergebrachter Freiheit und Übung, sondern kraft etlicher bewilligter und angenommener Verträge haben,
Unsichere Lesungen
- einhalde[?] — Wortende undeutlich.); s. f. gl. (Kuerzel mit Schnoerkel, Buchstaben unsicher.
- pfenern — Doppel-n nicht sicher.