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Salzbibel · Lesetext · 2. Buch

Das zweite Buch · S. 290–299

Die Rechtsgutachten · S. 290–299 · Bl. 142v–147r · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Rechtsgutachten

S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch

S. 290

Bl. 142vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteInst. de iur. nat. gent. et ciuil.

Inst. de iur. nat. gent. et civil.

2

Ergo.

Ergo (Also).

3

Est et alia ratio, quam tradit post alios Jason, in L. si pecuniam, XIII. sū.1 ff de condict. ob. caus.

Es gibt auch einen anderen Grund, den nach anderen Jason überliefert, in L. si pecuniam, Summarium XIII, ff. de condict. ob caus.

4

Quia si princeps posset reuocare contractus, factos cum priuatis, nullus certe cum eo contraheret, et hoc modo per indirectum priuaretur facultate contrahendi.

Denn wenn der Fürst die mit Privatleuten geschlossenen Verträge widerrufen könnte, würde gewiss niemand mit ihm kontrahieren, und auf diese Weise würde er mittelbar der Fähigkeit zu kontrahieren beraubt.

5

Addo quod si princeps ex contractu non obligaretur alÿ, certe nec alius obligaretur principi, ex respectu correlatiuorum, et sic esset principi interdictum commertium et esset tanquam exul, qui tamen esse debet omnium præsul: quod esset absurdum,

Ich füge hinzu: Wenn der Fürst aus einem Vertrag einem anderen nicht verpflichtet würde, so würde gewiss auch kein anderer dem Fürsten verpflichtet, aus Rücksicht auf die Wechselbezüglichkeit, und so wäre dem Fürsten der Verkehr untersagt, und er wäre gleichsam ein Verbannter, der doch aller Vorsteher sein soll – was absurd wäre,

6

cum inter maiores poenas reputetur, esse inter homines & hominum carere commercio. tex. est in L. hi qui sanctam, ibi, Versari inter homines & hominum carere commercio C. de Apostatis.

da es unter die größeren Strafen gerechnet wird, unter Menschen zu sein und des Verkehrs der Menschen zu entbehren; der Text steht in L. hi qui sanctam, dort: „unter Menschen zu weilen und des Verkehrs der Menschen zu entbehren“ (versari inter homines et hominum carere commercio), C. de Apostatis.

7

Præterea ultra rationes Doctorum, rō nālis dictat, nihil magis conuenire humanæ fidei, quam eaq[ue] semel placuerint, et in pactiones et conuentiones deuenerint, seruare.

Außerdem gebietet über die Gründe der Doktoren hinaus die natürliche Vernunft (ratio naturalis), dass nichts der menschlichen Treue mehr entspricht, als das zu halten, was einmal beliebt hat und zu Pakten und Übereinkünften geworden ist.

8

L. 1. in prin. ff. de pact.

L. 1, am Anfang, ff. de pact.

9

Atq[ue] reputatur per iurisconsultum in L 1. ff. de constit. pecun. in prin. graue esse fidem fallere.

Und es wird vom Juristen in L. 1, ff. de constit. pecun., am Anfang, als schwerwiegend angesehen, die Treue zu brechen (grave esse fidem fallere).

10

Si igitur hoc dictat rō nālis, ut pacta seruentur.

Wenn also die natürliche Vernunft dies gebietet, dass Pakte gehalten werden,

11

Ergo succedit elegans decisio Baldi in L. 2.Läuft auf der nächsten Seite weiter

so folgt daraus die elegante Entscheidung des Baldus in L. 2,

Unsichere Lesungen

  1. XIII. sū. — Allegationskürzel unklar); rō nālis (Kürzung ratio naturalis

S. 291

Bl. 143rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteErgo succedit elegans decisio Baldi in L. 2.

so folgt daraus die elegante Entscheidung des Baldus in L. 2,

2

C. de seruit. et aqua, Quod licet princeps solutus est lege positiua, quod tamen non sit solutus dictamine rationis naturalis, nec à lege naturæ, quia est animal rationale.

C. de servit. et aqua: Dass der Fürst zwar vom positiven Gesetz gelöst ist, jedoch nicht vom Gebot der natürlichen Vernunft noch vom Naturgesetz gelöst ist, weil er ein vernunftbegabtes Wesen (animal rationale) ist.

3

Accedat Tex. in Epistola. inter claras C. de summa Trinit. et fide cath. qui dicit nihil esse quod lumine clariore perfulgeat quam recta fides in principe, cum similib. faciunt optimé cumulata à Castrens. in Consil. 3171.

Hinzu kommt der Text in der Epistola „inter claras“, C. de summa Trinit. et fide cath., der sagt, es gebe nichts, was in hellerem Licht erstrahle als der rechte Glaube beim Fürsten; samt Ähnlichem; aufs Beste wirkt dazu das von Castrensis Zusammengetragene in Consil. 317

4

Primæ partis oīo2 Videnda, ubi concludit, quod etiam sūmus princeps, ex causa quantum Vis ardua, non potest Venire contra contract[us]3.

des ersten Teils, ganz nachzusehen, wo er schließt, dass auch der höchste Fürst aus einem noch so schwerwiegenden Grund nicht gegen Verträge handeln kann.

5

Et quod oīa iura dicentia, principem posse aufferre dominum rei priuato, sint intelligenda, dummodo non Veniat contra fidem, siue promissa.

Und dass alle Rechtssätze, die sagen, der Fürst könne einem Privaten das Eigentum an einer Sache nehmen, so zu verstehen seien, sofern er nicht gegen Treue oder Versprechen handelt.

6

Nam quamuis dominia rerum fuerint inuenta de iure gentium secundario, fidem tamen seruare est de iure primæuo nati4, fuit enim eo ipso, quo gentes esse cæperunt, ut dicit Bart. in L. si id quod. ff.

Denn obwohl das Eigentum an den Sachen nach dem sekundären Völkerrecht erfunden wurde, ist doch das Halten der Treue vom ursprünglichen Recht her geboren; denn es entstand in eben dem Augenblick, da die Völker zu sein begannen, wie Bartolus sagt in L. si id quod, ff.

7

De condict. in deb. et probatur per tex. in cap. ius naturale. 1.

De condict. indeb., und es wird bewiesen durch den Text in cap. ius naturale, 1.

8

Distinctione, ibi Depositæ rei restitutio Videatur oīo Cast. in dicto consilio.

Distinctio, dort: „die Rückgabe der hinterlegten Sache“; ganz nachzusehen Castrensis in dem genannten Consilium.

9

Vnnd hie erwiedder thut nichts, ob gesagt werde, das solch Contract vnnd Vertrege, nicht vom Jtzt regierendenn Hochberumbten Fürstenn, sondernn Sfgl.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Und hiergegen tut nichts, wenn gesagt wird, dass solche Kontrakte und Verträge nicht vom jetzt regierenden hochberühmten Fürsten, sondern von Seiner Fürstlichen Gnaden

Unsichere Lesungen

  1. 317 — Zahl
  2. oīo — Kürzung omnino
  3. contract[us] — Kürzungszeichen aufgelöst
  4. nati — Lesung

S. 292

Bl. 143vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteVnnd hie erwiedder thut nichts, ob gesagt werde, das solch Contract vnnd Vertrege, nicht vom Jtzt regierendenn Hochberumbten Fürstenn, sondernn Sfgl.

Und hiergegen tut nichts, wenn gesagt wird, dass solche Kontrakte und Verträge nicht vom jetzt regierenden hochberühmten Fürsten, sondern von Seiner Fürstlichen Gnaden

2

Herrn Vatternn, vnnd anndernn Lanndtgrauen auffgerichttet, bewilligt, vnnd anngenommenn, Dann Sfgl. ist nicht desto weniger solchenn Contracten vnnd Vertregenn nachzugehn pflichtig, aus volgendenn Vhrsachenn, Dann es ordenenn die rechtte, das auch ein successor in Imperio Vel principatu seines Verfahrenn Handtlung vnd Contract zu haltenn schuldig,

Herrn Vater und anderen Landgrafen aufgerichtet, bewilligt und angenommen worden sind. Denn Seine Fürstlichen Gnaden ist nichtsdestoweniger verpflichtet, solchen Kontrakten und Verträgen nachzugehen, aus folgenden Ursachen: Denn die Rechte ordnen an, dass auch ein Nachfolger im Reich oder Fürstentum (successor in Imperio vel principatu) seines Vorfahren Handlung und Kontrakt zu halten schuldig ist;

3

text: est in c. 1. extra de probationib. in quantum Imperator. ibidem, non conuenitur ex contractu proprio, sed ex contractu prædecessoris, nempe Imperatoris Iustiniani et ibi Felin. plura cumulat ibi Videnda.

der Text steht in c. 1, extra de probationib., „in quantum Imperator“; ebendort wird er nicht aus eigenem Vertrag belangt, sondern aus dem Vertrag des Vorgängers, nämlich des Kaisers Justinian; und dort trägt Felinus mehreres zusammen, dort nachzusehen.

4

In dem hat Hochberumbter Jtzt regierennder Furst, die zweyhundert guldenn Jerliches geldts, darzu sich die pfenner aus krafft oberwehnten Contracten verpflichtett, viel Jar eingenommenn, dadurch Sfgl. in solche Contracten vnnd Vertrege gehelet1, vnnd gewilligett. per nōt.

Dazu hat der hochberühmte, jetzt regierende Fürst die zweihundert Gulden jährlichen Geldes, wozu sich die Pfänner kraft der oben erwähnten Kontrakte verpflichtet haben, viele Jahre eingenommen, wodurch Seine Fürstlichen Gnaden in solche Kontrakte und Verträge eingeheilt (eingetreten) und eingewilligt hat. Nach den Anmerkungen (per notata)

5

Dini & aliorum in regul.

des Dinus und anderer in der Regel

6

Ratum, de reg. iur. lib.

Ratum, de reg. iur. lib.

7

VI.

VI.

8

Dum concludunt, quod non obstante regula ista, hæres potest habere ratum, quod defunctus gessit.

Wo sie schließen, dass ungeachtet dieser Regel der Erbe genehmigen kann, was der Verstorbene getan hat.

9

Imo tenet[ur]2 hæres ratum habere, ut ex seq[ue]ntibus.

Ja, der Erbe ist sogar gehalten, es zu genehmigen, wie aus dem Folgenden.

Unsichere Lesungen

  1. gehelet — Lesung
  2. tenet[ur] — Kürzung aufgelöst

S. 293

Bl. 144rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Hierüber hatt Hochgedachter Lanndtgraue Philips, das Fürstenthumb Hessenn, vom Sfgl.

Hierüber hat hochgedachter Landgraf Philipp das Fürstentum Hessen von Seiner Fürstlichen Gnaden

2

Herrnn Vatternn Landtgraff Wilhelmenn dem mitlernn iure hereditario bekommenn, darumb ist auch Sfgl. als der Erbe, alle seines Herrnn Vatters Vertrege, Contract vnnd Handtlung, ohne weigerung zu haltenn pflichttigk, wie dan auch Sfgl. nach gnugsamenn bericht, des vnbeschweret sein würdet.

Herrn Vater, Landgraf Wilhelm dem Mittleren, nach Erbrecht (iure hereditario) bekommen; darum ist auch Seine Fürstlichen Gnaden als der Erbe alle Verträge, Kontrakte und Handlungen seines Herrn Vaters ohne Weigerung zu halten verpflichtet, wie denn auch Seine Fürstlichen Gnaden nach genügendem Bericht dessen unbeschwert sein wird.

3

Nam scimus quod hæres contra factum defuncti Venire non potest, etiam iure proprio & non hæreditario. text. in L. cum à matre, et ibi Doctor.

Denn wir wissen, dass der Erbe gegen die Handlung des Verstorbenen nicht auftreten kann, auch nicht aus eigenem und nicht aus Erbrecht; Text in L. cum a matre, und dort die Doktoren,

4

C. de rei Vendit.

C. de rei vendit.

5

Nec mirum quia hæres reputatur eadem persona cum defuncto, text. in Autho. de iureiur. à morient. præsti. §. i.

Und kein Wunder, denn der Erbe gilt als dieselbe Person wie der Verstorbene; Text in Autho. de iureiur. a morient. præsti., §. 1.

6

Sicuti igitur pater si Viueret, non posset Venire contra suum contractum, ita nec hæres eius. facit text. in L ex qua persona quis lucrum capit, eius factum p[ræ]stare1 potest et debet. ff. de reg. iur. ubi Detius2 et alÿ.

Wie also der Vater, wenn er lebte, nicht gegen seinen Vertrag auftreten könnte, so auch nicht sein Erbe. Dazu wirkt der Text in L. „aus wessen Person jemand Gewinn zieht, dessen Handlung kann und muss er vertreten“ (ex qua persona quis lucrum capit, eius factum præstare potest et debet), ff. de reg. iur., wo Decius und andere.

7

Vnnd weil auch Hochgedachter Lanndtgraff pflichttigk, die pfenner beyderer erlanngtenn gerechttigkeit nit allein zuschutzenn, sonndernn auch so sie durch anndere darann verhindert wurdenn, als ein Erbe seines Vatters zuvertrettenn, So volget,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Und weil auch hochgedachter Landgraf verpflichtet ist, die Pfänner bei ihrer erlangten Gerechtigkeit nicht allein zu schützen, sondern sie auch, wenn sie durch andere daran verhindert würden, als ein Erbe seines Vaters zu vertreten, so folgt,

Unsichere Lesungen

  1. p[ræ]stare — Kürzung aufgelöst
  2. Detius — Name, evtl. Decius

S. 294

Bl. 144vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteVnnd weil auch Hochgedachter Lanndtgraff pflichttigk, die pfenner beyderer erlanngtenn gerechttigkeit nit allein zuschutzenn, sonndernn auch so sie durch anndere darann verhindert wurdenn, als ein Erbe seines Vatters zuvertrettenn, So volget,

Und weil auch hochgedachter Landgraf verpflichtet ist, die Pfänner bei ihrer erlangten Gerechtigkeit nicht allein zu schützen, sondern sie auch, wenn sie durch andere daran verhindert würden, als ein Erbe seines Vaters zu vertreten, so folgt,

2

das auch Sfgl. in keinem wege mit rechtte darzu kommenn konnen, den Pfennern ann Jhrenn gerechttigkeitenn, freyheitenn vnnd anndernn so Jhnenn crafft der Contracten vnnd Vertrege gepurt, eintragk oder verhinderung zuthun.

dass auch Seine Fürstlichen Gnaden in keinem Wege mit Recht dazu kommen kann, den Pfännern an ihren Gerechtigkeiten, Freiheiten und anderem, was ihnen kraft der Kontrakte und Verträge gebührt, Eintrag oder Verhinderung zu tun.

3

Per regulam, quem de euictione tenet actio eundem agentem repellit exceptio.

Nach der Regel: Wen die Klage aus Gewährleistung (de evictione) bindet, denselben weist, wenn er selbst klagt, die Einrede zurück.

4

L.

L.

5

Vendicantem ff. de euictionib.

Vendicantem, ff. de evictionib.

6

Zum anndernn, Ist auch vber das alles zubewegenn, das die Pfenner Jhre gerechttigkeit nebenn anndern aus crafft auffgerichtter vnnd bewilligter Vertrege haben, welche Vertrege im rechttenn also hoch befreyet,

Zum anderen ist auch über das alles zu bedenken, dass die Pfänner ihre Gerechtigkeit neben anderem kraft aufgerichteter und bewilligter Verträge haben, welche Verträge im Recht so hoch befreit sind,

7

das auch die höchste Obrigkeit, als Kaiser vnnd Pabst, aufgerichtte Vertrege nicht zurüttenn1, auffhebenn, vnnd die sachenn durch Vertrege enndtscheidenn, wiederumb streittig machenn kann, nisi cum clausula, non obstante.

dass auch die höchste Obrigkeit, als Kaiser und Papst, aufgerichtete Verträge nicht zerrütten, aufheben und die durch Verträge entschiedenen Sachen wiederum streitig machen kann, es sei denn mit der Klausel „ungeachtet“ (nisi cum clausula non obstante).

8

Welcher sich inferiores à principe summo, nempé ab imperatore nicht brauchenn mügen, Probatur ista decisio per tex. in L. causas uel lites transactionib. legitimis finitas.

Deren sich die dem höchsten Fürsten, nämlich dem Kaiser, Untergeordneten (inferiores a principe summo, nempe ab imperatore) nicht bedienen dürfen. Diese Entscheidung wird bewiesen durch den Text in L. „Sachen oder Streitigkeiten, die durch rechtmäßige Vergleiche beendet sind (causas vel lites transactionibus legitimis finitas),

9

Imperiali rescripto resuscitari non oportet C. de Transactionib. ubi nota. biliter infert Bart. et post eum alÿ.Läuft auf der nächsten Seite weiter

durch kaiserliches Reskript nicht wieder erweckt werden“ (Imperiali rescripto resuscitari non oportet), C. de Transactionib., wo Bartolus und nach ihm andere bemerkenswert folgern,

Unsichere Lesungen

  1. zurüttenn — Lesung

S. 295

Bl. 145rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteImperiali rescripto resuscitari non oportet C. de Transactionib. ubi nota. biliter infert Bart. et post eum alÿ.

durch kaiserliches Reskript nicht wieder erweckt werden“ (Imperiali rescripto resuscitari non oportet), C. de Transactionib., wo Bartolus und nach ihm andere bemerkenswert folgern,

2

Quod si factum fuerit statutum, in aliqua prouincia, clausula adiecta, ut statutum trahatur ad negocia futura et præterita, quod tamen non trahatur ad negocia iam decisa transactione, id quod Bart. dicit perpetuo mente tenendum.

Dass, wenn in irgendeiner Provinz ein Statut erlassen worden wäre mit der beigefügten Klausel, das Statut erstrecke sich auf künftige und vergangene Geschäfte, es sich dennoch nicht auf Geschäfte erstrecke, die durch Vergleich bereits entschieden sind; was Bartolus für immer im Gedächtnis zu behalten heißt.

3

Et notetis hoc Vos domini Salinarum, quia cum olim etiam fuerit Controuersia inter illustres Hassiæ Duces, et inter prædecessores Vestros, an numerus Salinarum possit argumentari et controuersia ista per transactionem sit sopita, certé etiam per statutum generale, non posset præiudicari eiusmodi transactionibus.

Und das merkt euch, ihr Herren der Salinen (domini Salinarum): Da einst auch zwischen den durchlauchten Fürsten von Hessen und euren Vorgängern ein Streit war, ob die Zahl der Salzpfannen vermehrt werden könne, und dieser Streit durch Vergleich beigelegt worden ist, so könnte gewiss auch durch ein allgemeines Statut solchen Vergleichen nicht vorgegriffen werden.

4

Atq[ue] dicit in d. l. causas illustris Doctor d.

Und es sagt in der genannten l. causas der berühmte Doktor d.

5

Francischinus1 Curtius, quod supra dicta procedunt, in omnibus negocijs decisis, siue transactione siue sententia, iureiurando, præscriptione, solutione, Vel alÿs legitimis modis.

Francischinus Curtius, dass das oben Gesagte gilt bei allen entschiedenen Geschäften, sei es durch Vergleich, sei es durch Urteil, Eid, Verjährung, Zahlung oder andere rechtmäßige Weisen.

6

Nec caret ista conclusio ratione, nempe, quod negocia decisa non possint neq[ue] per principem neq[ue] per statutum in dubium reuocari, Quia per decisionem ius est quæsitum parti,

Und dieser Schluss entbehrt nicht des Grundes, nämlich dass entschiedene Geschäfte weder durch den Fürsten noch durch ein Statut in Zweifel gezogen werden können, weil durch die Entscheidung der Partei ein Recht erworben ist (ius est quæsitum parti),

7

quod ius quæsitum nefas esset per principem uel statutum tolli, cum ius suum unicuiq[ue] debeat, est saluum etiam summo principe exclamante, in L.

welches erworbene Recht durch Fürst oder Statut aufzuheben ein Frevel wäre, da jedem sein Recht zusteht und gewahrt bleiben muss, wie auch der höchste Fürst selbst ausruft, in L.

8

Quoties, C. de p[re]cib.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Quoties, C. de precib.

Unsichere Lesungen

  1. Francischinus — Name

S. 296

Bl. 145vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteQuoties, C. de p[re]cib.

Quoties, C. de precib.

2

Imp[er]at. offer.

Imperat. offer.

3

Et mens principis semper ita est intelligenda, ut non uelit alteri ius q[uæ]situm tollere per gloss. nōt in l. fin. §. in computone2[?] in Verbo confundantur in fin.

Und die Absicht des Fürsten ist immer so zu verstehen, dass er nicht einem anderen das erworbene Recht nehmen will, nach der Glosse, angemerkt in l. fin., §. in computatione[?], im Wort „confundantur“, am Ende,

4

C. de iure deliberand. quam ibidem ad hoc nōt Jason.

C. de iure deliberand., die ebendort hierzu Jason anmerkt.

5

Alias si appareret principem Velle aliquid statuere contra ius, præsumendum est, imo pro certo habendum, hoc illud procedere, non de Voluntate principis, sed quod principi sit impositum nimia importunitate et ambitione aliorum,

Andernfalls, wenn es schiene, der Fürst wolle etwas gegen das Recht festsetzen, ist zu vermuten, ja für gewiss zu halten, dass dies nicht aus dem Willen des Fürsten hervorgeht, sondern dass es dem Fürsten durch übergroße Zudringlichkeit und Ehrsucht anderer aufgedrängt worden ist,

6

eo quod Voluntas principis semper præsumitur esse talis, qualis de iure esse debet, text. est in L. ex facto, ibi princeps censetur imitatus esse ius ff. de Vulg. & pupill. subst. de quo textu ibidem magnum festum faciunt Moder.

weil der Wille des Fürsten immer als so beschaffen vermutet wird, wie er von Rechts wegen sein soll; der Text steht in L. ex facto, dort: „der Fürst wird angesehen, als habe er das Recht nachgeahmt“ (princeps censetur imitatus esse ius), ff. de vulg. et pupill. subst., von welchem Text ebendort die Neueren großes Aufhebens machen.

7

Facit glossa notatu dignissima in c. paratus XXIII3. q. 1. in Verb. si Verba. dum per rationem iam dictam concludit et pluribus probat, Quod Verba in rescriptis Principum debent conformari æquitati et iuri etiamsi Verba rescripti non patiantur.

Dazu wirkt die höchst bemerkenswerte Glosse in c. paratus, XXIII, q. 1, im Wort „si verba“, die durch den schon genannten Grund schließt und mit vielem beweist, dass die Worte in Reskripten der Fürsten der Billigkeit und dem Recht anzupassen sind, auch wenn die Worte des Reskripts es nicht zulassen.

8

Atq[ue] hoc perpenderunt olim sacratissimi Principes, plena iusticia et æquitate, dum mandarunt subditis suis, ne rescripta iuri contraria exeq[ue]rentur, sed secundam iussionem execta rent,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Und dies haben einst die allerheiligsten Fürsten in voller Gerechtigkeit und Billigkeit erwogen, als sie ihren Untertanen befahlen, dem Recht widersprechende Reskripte nicht zu vollziehen, sondern eine zweite Anweisung abzuwarten,

Unsichere Lesungen

  1. p[re]cib. Imp[er]at. — Kürzungen aufgelöst (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. computone — gekürzt, unklar
  3. XXIII — Zahl); q. 1. (Zeichen wie 9.1.

S. 297

Bl. 146rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteAtq[ue] hoc perpenderunt olim sacratissimi Principes, plena iusticia et æquitate, dum mandarunt subditis suis, ne rescripta iuri contraria exeq[ue]rentur, sed secundam iussionem execta rent,

Und dies haben einst die allerheiligsten Fürsten in voller Gerechtigkeit und Billigkeit erwogen, als sie ihren Untertanen befahlen, dem Recht widersprechende Reskripte nicht zu vollziehen, sondern eine zweite Anweisung abzuwarten,

2

text. est solennis in c. si quando extra de rescript. ibi, patienter sustinebimus, si non feceris, quod praua nobis fuerit insinuatione suggestum, addo text. iuris ciuilis in L. si Vindicari C. de poenis.

Der Text ist feierlich in c. si quando, extra de rescript., dort: „wir werden es geduldig ertragen, wenn du nicht tust, was uns durch verkehrte Einflüsterung nahegelegt worden ist“; ich füge den Text des Zivilrechts hinzu in L. si vindicari, C. de poenis.

3

Prædicta conclusio, quod princeps non possit attentare negocia iam iam decisa, procedit, nisi apposuisset clausulam, non obstante. ut probat Castr. in d.

Der vorgenannte Schluss, dass der Fürst bereits entschiedene Geschäfte nicht antasten kann, gilt, sofern er nicht die Klausel „non obstante“ beigefügt hätte, wie Castrensis beweist in d.

4

L. causas, sed hoc spectat ad Imperatorem et summum principem tantum, S3.1 apponere Clausulam, non obstante, eo quod inferior non potest rescribere contra legem superioris c. cum inferior. de maior: et obedien. ut docte probat iason in L rescripta C. de præcib.

L. causas; aber dies steht allein dem Kaiser und höchsten Fürsten zu, nämlich die Klausel „non obstante“ beizufügen, weil ein Untergeordneter nicht gegen das Gesetz des Übergeordneten reskribieren kann, c. cum inferior, de maior. et obedien., wie gelehrt beweist Jason in L. rescripta, C. de præcib.

5

Imperato. offeren. & in terminis, in L. fin.

Imperato. offeren., und ausdrücklich (in terminis) in L. fin.

6

C. si contra ius, uel utilita. publ.

C. si contra ius vel utilita. publ.

7

Sequitur igitur quod alij principes inferiores, nullo modo causas iam decisas, transactione uel alijs legitimis modis possint in dubium reuocari per iam dicta.

Es folgt also, dass andere, untergeordnete Fürsten in keiner Weise bereits durch Vergleich oder andere rechtmäßige Weisen entschiedene Sachen in Zweifel ziehen können, nach dem schon Gesagten.

8

Zum drittenn wirdt in erzehlung des geschichts durch die gemeinenn Pfenner anngegebenn, das sie vnnd Ihre vorfarenn, solche oberwehnte gerechtigkeit vber menschenn gedennckenn gehabt, dieses Saltzwerck auch vonn solcher vndenncklicher zeit hero, allein genossenn, gebraucht, vnnd dasselbige in ruhlicher gewehr gehapt habenn, welches ein starcker grundt ist, dann daraus ervolgt am erstenn, das ob auch die Pfenner gleich kein Priuilegien, vertrege oder annder grunde vor sich hettenn, das sie doch aus diesem einichenn grunde, in dieser sachenn fundiret werenn, Nach deme sie durch verjahrung solcher vndenncklicher zeit, die eigenthumbliche gerechttigkeit dieses Saltzwercks, vnnd also directum dominium bekommenn, Derowegenn sie auch als domini vnnd grundtherrenn, ann solcher Irer eigenthumblichenn gerechttigkeit, mit rechte nicht mögenn gehindert,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Zum Dritten wird in der Erzählung der Geschichte durch die gemeinen Pfänner angegeben, dass sie und ihre Vorfahren solche oben erwähnte Gerechtigkeit über Menschengedenken gehabt, dieses Salzwerk auch seit solcher undenklicher Zeit her allein genossen, gebraucht und dasselbe in ruhiger Gewere gehabt haben, welches ein starker Grund ist. Denn daraus folgt erstens, dass, auch wenn die Pfänner keine Privilegien, Verträge oder andere Gründe für sich hätten, sie doch aus diesem einzigen Grund in dieser Sache fundiert wären, nachdem sie durch Verjährung solcher undenklicher Zeit die eigentümliche Gerechtigkeit dieses Salzwerks und also das Obereigentum (directum dominium) bekommen haben, weswegen sie auch als Herren und Grundherren (domini) an solcher ihrer eigentümlichen Gerechtigkeit mit Recht nicht gehindert

Unsichere Lesungen

  1. S3. — Kürzel, wohl scilicet

S. 298

Bl. 146vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteZum drittenn wirdt in erzehlung des geschichts durch die gemeinenn Pfenner anngegebenn, das sie vnnd Ihre vorfarenn, solche oberwehnte gerechtigkeit vber menschenn gedennckenn gehabt, dieses Saltzwerck auch vonn solcher vndenncklicher zeit hero, allein genossenn, gebraucht, vnnd dasselbige in ruhlicher1 gewehr gehapt habenn, welches ein starcker grundt ist, dann daraus ervolgt am erstenn, das ob auch die Pfenner gleich kein Priuilegien, vertrege oder annder grunde vor sich hettenn, das sie doch aus diesem einichenn grunde, in dieser sachenn fundiret werenn, Nach deme sie durch verjahrung solcher vndenncklicher zeit, die eigenthumbliche gerechttigkeit dieses Saltzwercks, vnnd also directum dominium bekommenn, Derowegenn sie auch als domini vnnd grundtherrenn, ann solcher Irer eigenthumblichenn gerechttigkeit, mit rechte nicht mögenn gehindert,

Zum Dritten wird in der Erzählung der Geschichte durch die gemeinen Pfänner angegeben, dass sie und ihre Vorfahren solche oben erwähnte Gerechtigkeit über Menschengedenken gehabt, dieses Salzwerk auch seit solcher undenklicher Zeit her allein genossen, gebraucht und dasselbe in ruhiger Gewere gehabt haben, welches ein starker Grund ist. Denn daraus folgt erstens, dass, auch wenn die Pfänner keine Privilegien, Verträge oder andere Gründe für sich hätten, sie doch aus diesem einzigen Grund in dieser Sache fundiert wären, nachdem sie durch Verjährung solcher undenklicher Zeit die eigentümliche Gerechtigkeit dieses Salzwerks und also das Obereigentum (directum dominium) bekommen haben, weswegen sie auch als Herren und Grundherren (domini) an solcher ihrer eigentümlichen Gerechtigkeit mit Recht nicht gehindert

2

oder derselbigenn enndtsezet werdenn, Es ist auch ohne not, in diesem fall, vonn den wesenntlichenn stuckenn zu einer verjarung gehörigk, zu disputiren, dann solches alles, es sey Tittell, ankunfft, gutter glaube, wissennschafft, vnnd geduldunge, der Jenigenn wieder die verjahrt, wirdt alles aus vermutung der rechtte, ohn annder beweis in dieser verjahrung geglaubt, vnnd ist nichts weitters not zu beglaubigenn,

oder derselben entsetzt werden dürfen. Es ist auch in diesem Fall nicht nötig, über die wesentlichen Stücke, die zu einer Verjährung gehören, zu disputieren; denn dies alles – es sei Titel, Herkunft, guter Glaube, Wissen und Duldung derjenigen, gegen die verjährt wird – wird alles aus Vermutung der Rechte ohne anderen Beweis bei dieser Verjährung geglaubt, und es ist nichts weiter nötig zu beweisen,

3

dann das die Pfenner vnnd Ire vorfahrenn, das Saltzwergk mit obanngezeigtter gerechttigkeitt vber mennschenn gedennckenn Innenn gehapt, genossenn vnnd gebraucht, wie dann auch die rechtte deutliche wege weisenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter

als dass die Pfänner und ihre Vorfahren das Salzwerk mit oben angezeigter Gerechtigkeit über Menschengedenken innegehabt, genossen und gebraucht haben, wie denn auch die Rechte deutliche Wege weisen,

Unsichere Lesungen

  1. ruhlicher — Lesung unsicher

S. 299

Bl. 147rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedann das die Pfenner vnnd Ire vorfahrenn, das Saltzwergk mit obanngezeigtter gerechttigkeitt vber mennschenn gedennckenn Innenn gehapt, genossenn vnnd gebraucht, wie dann auch die rechtte deutliche wege weisenn,

als dass die Pfänner und ihre Vorfahren das Salzwerk mit oben angezeigter Gerechtigkeit über Menschengedenken innegehabt, genossen und gebraucht haben, wie denn auch die Rechte deutliche Wege weisen,

2

wie vnnd welcher gestalt solche beweisung verfuret werdenn mugenn, Quamuis .n. per præscriptionem regulariter non acquiratur directum dominium, sed utile tantum, ut not. gloss.

wie und in welcher Gestalt solcher Beweis geführt werden darf. Obwohl nämlich durch Verjährung in der Regel nicht das Obereigentum (directum dominium), sondern nur das Nutzeigentum (utile dominium) erworben wird, wie anmerken die Glosse,

3

Bart. et communiter Legistæ in Autha.1 nisi tricennale, C. de bonis mat. gloss. in L. traditionib. est glos. ij. ibi, Sed an idem in p̄scriptionib9.

Bartolus und gemeinhin die Legisten in Autha. nisi tricennale, C. de bonis mat.; die Glosse in L. traditionib., es ist die Glosse ij, dort: „ob aber dasselbe bei Verjährungen gilt“,

4

C. de pact. ubi Bald.

C. de pact., wo Baldus,

5

Salnet. et alij et latissime d.

Salicetus und andere und sehr ausführlich d.

6

Felinus in rubric. de p̄scriptio. iii. su.

Felinus in der Rubrik de præscriptio., Summarium iii.

7

Fallit tm̄ hoc in præscriptione tanti temporis, cuj̄ initij memoria non existit, quia per istam præscriptionem acquiritur directum dominium per text. l. hoc iure §. ductus aquæ ff. de aqua pluuia arcend. ubi per usum seruitutis tanto tempore continuatum acquiritur seruitus ac si constituta esset,

Dies versagt jedoch bei der Verjährung solch langer Zeit, an deren Anfang keine Erinnerung besteht; denn durch diese Verjährung wird das Obereigentum erworben, nach dem Text l. hoc iure, §. ductus aquæ, ff. de aqua pluvia arcend., wo durch den so lange Zeit fortgesetzten Gebrauch einer Dienstbarkeit die Dienstbarkeit erworben wird, als ob sie bestellt worden wäre;

8

sed certum est, quod si mihi constitueretur seruitus in fundo acquireretur dominium directum.

es ist aber gewiss, dass, wenn mir eine Dienstbarkeit an einem Grundstück bestellt würde, das Obereigentum erworben würde.

9

Ergo atq3 per istum tex. firmant hanc fallentiam, Bald.

Also. Und durch diesen Text bekräftigen diese Ausnahme Baldus,

10

Salicet. jason & alij Moderniores omnes in d.

Salicetus, Jason und alle anderen Neueren in d.

11

L. traditionib.Läuft auf der nächsten Seite weiter

L. traditionib.

Unsichere Lesungen

  1. Autha. — hochgestelltes a, Authentica); iii. su. (Kürzel unklar); cuj̄ initij (Kürzel, Minimen unsicher

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