Salzbibel · Lesetext · 2. Buch
Das zweite Buch · S. 313
Die Rechtsgutachten · S. 313 · Bl. 154r · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Rechtsgutachten
S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch
S. 313
Bl. 154rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)Das Annder Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteQuod papa Cælestinus, magnum sibi contraxit odiũ ap̄ omnes eo quod grām, quam alicui de mane faciebat, de sero aufferebat, et alij conferebat.
dass Papst Cölestin sich bei allen großen Hass zugezogen habe, weil er die Gnade, die er jemandem am Morgen erwies, am Abend wieder entzog und einem anderen verlieh.
Vnde licet Cardinales scirent, quod renunciaret papatui p̄ fatuitatem, tamen quia erat unum pecus dicit Baldus ob Vitium iam dictum, libenter acceperunt renunciationem et creauerunt Bonifacium Octauum, Atqz adeo non minus Vere quam eleganter dicit Jason, consil. penul. 3tij Volum:
Daher, obwohl die Kardinäle wussten, dass er aus Einfalt auf das Papsttum verzichtete, nahmen sie doch – weil er, wie Baldus sagt, wegen des schon genannten Fehlers ein rechtes Stück Vieh war – den Verzicht gern an und wählten Bonifaz den Achten. Und so sagt nicht weniger wahr als elegant Jason, consil. penult. des 3. Bandes:
Qz2 natura contractuum sunt Papæ et Imperatori quædam Elementa, Et ideo sicut Papa et Imperator non sunt domini Eltorum3[?], ita non est dominus contractuum, quam rationem ante Jasonem tradidit etiam Baldus consil. 275. 2dæ partis incipiente.
Dass die Natur der Verträge für Papst und Kaiser gewissermaßen Elemente sind, und deshalb, wie Papst und Kaiser nicht Herren der Elemente[?] sind, so ist er auch nicht Herr der Verträge; welchen Grund vor Jason auch Baldus überliefert hat, consil. 275 des 2. Teils, beginnend
Quod pro regula in feudis traditur, colum. penultima.
„Quod pro regula in feudis traditur“, vorletzte Spalte.
Inn annderem Ist vom wegenn des Hochberumbten Landtgrauenn dargethann, das diese Priuilegia der Pfenner, vom wegenn eines mißbrauchs, so vom wegenn ezlicher auffsetze, auch sonnst vntreglicher beschwerung, die mitnmahls4[?] der Lanndtschafft Hessenn hieraus eruol=5[?] genn möchttenn, nicht allein gemilttert,
Im Weiteren ist von wegen des hochberühmten Landgrafen dargetan worden, dass diese Privilegien der Pfänner wegen eines Missbrauchs, der wegen etlicher Aufschläge und auch sonst unerträglicher Beschwerung, die mitunter[?] der Landschaft Hessen hieraus erfolgen[?] könnten, nicht allein gemildert,
sonnderenn auch ganntz auffgehobenn vnnd reuociret werdenn möchtenn, Innhalts etlicher allegirter Rechts grunde, Darauff ist zusagenn, das solche grunde in diuersis terminis, nemblich in puro priuilegio redenn, aber alhier redenn wir in priuilegijs quæ transiuerunt in ꝯtractum.Läuft auf der nächsten Seite weiter
sondern auch ganz aufgehoben und widerrufen werden könnten, nach Inhalt etlicher angeführter Rechtsgründe. Darauf ist zu sagen, dass solche Gründe in anderen Fällen (in diuersis terminis), nämlich vom reinen Privileg (in puro priuilegio), reden; aber hier reden wir von Privilegien, die in einen Vertrag übergegangen sind (in priuilegijs quæ transiuerunt in contractum).
Unsichere Lesungen
- ap̄ omnes / grām — Kürzungen (apud, gratiam) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Qz — Kürzel, wohl Quod
- Eltorum — Kürzung, wohl Elementorum
- mitnmahls — Lesung unsicher
- eruol= — Buchstaben undeutlich