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Salzbibel · Lesetext · Einleitung

Die Einleitung · S. 44–54

„Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten Werks · S. 44–54 · Bl. 20–24v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

„Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten Werks

S. 43–47 · Bl. 19–21 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung

S. 44

Bd. 1Einleitung · „Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten WerksFaksimile (ORKA)

Innhalt des ganntzen wercks

1

Das dritte Buch

Das dritte Buch

2

Hierauff eruolgter vertragk auch etliche Inmittelst verlauffene benebenn hanndtlung, durch welche vnnser gnediger fürst vnnd herr etc. zur zweymahl wiederholetenn Location vervhrsacht sich einzulassenn,

Der daraufhin erfolgte Vertrag, dazu etliche inzwischen ergangene Nebenverhandlungen, durch die unser gnädiger Fürst und Herr etc. veranlasst wurde, sich auf die zweimal wiederholte Location (Verpachtung) einzulassen.

3

Das Vierdte Buch

Das vierte Buch

4

Darin allerley Ordnungenn des Saltzwercks Erstlich der Pfenner, darnach vnnsers gnedigenn furstenn vnnd herrnn vnnd der Pfenner zugleich,

Darin allerlei Ordnungen des Salzwerks: erstlich die der Pfänner, danach die unseres gnädigen Fürsten und Herrn und der Pfänner gemeinsam,

5

Darauff Ordenung so Jost Becker1 vorgeschlagenn, vnnd dann die Ordenung so Ich Rhenanus zusammenn gezogenn, vnnd enndtlich etzliche holtzordenung mit denen von Allenndorff vnnd anndernn vffgerichtet.

darauf die Ordnung, die Jost Becker vorgeschlagen hat, dann die Ordnung, die ich, Rhenanus, zusammengezogen habe, und endlich etliche Holzordnungen, die mit denen von Allendorf und anderen aufgerichtet worden sind.

6

Das fünffte Buch

Das fünfte Buch

7

Darin der Eltteste Brunnenbaw so dieLäuft auf der nächsten Seite weiter

Darin [wird] der älteste Brunnenbau, den die …

Unsichere Lesungen

  1. Jost Becker — Name mit Zierstrich durch die Mittelbuchstaben (ck); Lesung Becker, auch Vecker moeglich; auf Bl. 20r als Beckernn wiederholt

S. 45

Bl. 20Bd. 1Einleitung · „Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten WerksFaksimile (ORKA)

Innhalt des ganntzen wercks

1

Fortsetzung von der vorigen SeitePfenner vor dem letztenn Bronnenbaw vffgerichtet, darnach der annder Bronnenbaw, so bey vnnserm gnedigenn furstenn vnnd herrnn beschehenn, vnd vom Jost Beckernn1 seligenn beschriebenn, Vnnd dann auch anmeldung des Stollenbaws, so nach der hanndt vorgenommenn werdenn, beschriebenn werdenn,

… Pfänner vor dem letzten Brunnenbau errichtet haben, [darin werden] danach der andere (zweite) Brunnenbau, der unter unserem gnädigen Fürsten und Herrn geschehen und vom seligen Jost Becker beschrieben worden ist, und dann auch die Ankündigung des Stollenbaus, der hernach vorgenommen werden soll, beschrieben.

2

Der Erst Appendix

Der erste Appendix

3

Ein Gemein Resoluirbuch vff alle Terminos nahmenn vnnd wörtter, so in obgesatztenn büchernn verlauffenn, Hat der Holtzvogt Hanns Wagener bereitet.

Ein allgemeines Resolvier-Buch (Erklärungsbuch) über alle Fachausdrücke (Terminos), Namen und Wörter, die in den oben genannten Büchern vorkommen; es hat der Holzvogt Hans Wagener angefertigt.

Unsichere Lesungen

  1. Jost Beckernn — Name mit Zierstrich durch ck; Lesung Becker nicht voellig sicher (auch Vecker denkbar)

S. 46

Bd. 1Einleitung · „Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten WerksFaksimile (ORKA)

Innhalt des ganntzen wercks

1

Der Annder Appendix.

Der zweite Appendix.

2

Vniuersal Probierbuch, so dem Churfurstenn zu Sachssenn Ich Rhenanus abgerechnet1 habe

Universal-Probierbuch, das ich, Rhenanus, für den Kurfürsten von Sachsen durchgerechnet (ausgearbeitet) habe.

3

Der dritte Appendix.

Der dritte Appendix.

4

Special Probirbuch vffs Saltzwerck Sodenn durch Christoff Hombergenn angefanngenn, vnnd volgenndts perpetuirt bis vff diese Zeitt.

Spezial-Probierbuch für das Salzwerk Sooden, durch Christoph Homberg angefangen und in der Folge fortgeführt (perpetuiert) bis auf diese Zeit.

Unsichere Lesungen

  1. abgerechnet — Lesung abgerech=net gesichert; gemeint wohl: fuer den Kurfuersten berechnet/ausgearbeitet

S. 47

Bl. 21Bd. 1Einleitung · „Innhalt des ganntzen wercks“ — heute: Inhalt des gesamten WerksFaksimile (ORKA)

Innhalt des ganntzen wercks

1

Der Vierdte Appendix.

Der vierte Appendix.

2

Mein Johannis Rhenani Reisebuch vnd bericht vonn allerley Saltzwerckenn vnnd Saltzbrunnen, so Ich hin vnnd wieder gesehenn,

Mein, Johannes Rhenanus', Reisebuch und Bericht von allerlei Salzwerken und Salzbrunnen, die ich hier und dort gesehen habe.

3

Hierin soll inserirt werdenn, Was Ich in sonndernn1 gehanndelt vnnd erfahrenn,

Hierin soll eingefügt werden, was ich im Einzelnen verhandelt und erfahren habe.

4

Miscellanea.

Miscellanea (Vermischtes).

5

Extract aller bey mir verwartenn Bücher vnnd brieffenn, daraus ich dieses alles extrahiret, aus welchem mann, Wo vnnd in welchem Buch oder Conuolut, mann Jede sachenn suchenn vnnd findenn soll, vnnd dann, anngezeigt wurdet etc.

Auszug (Extract) aus allen bei mir verwahrten Büchern und Briefen, aus denen ich dies alles exzerpiert habe; darin wird angezeigt, wo und in welchem Buch oder Konvolut man jede Sache suchen und finden soll, etc.

Unsichere Lesungen

  1. in sonndernn — Lesung nicht ganz sicher; Sinn: insonderheit, im Einzelnen
  2. Faszikel A-F, H und AA — Bleistiftvermerk moderner Hand, erstes Wort schwer lesbar (Faszikel?) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

Der Beweis des hohen Alters

S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 49

Bl. 22rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Das Erste Buch

Das Erste Buch

2

Vonn Erster ankunfft des Saltzwercks Sodenn, darin mit bestenndigenn1 Argumenten ex Veris historijs bewiesenn wurdet, das dieses Saltzwerck vor Christi geburt zu Cornelij Taciti, Caroli Magni, vnnd D. Bonifacij zeittenn gewesenn, vnnd volgennts in stetigem wesenn, bis vff diese zeitt pliebenn, sampt der Pfenner priuilegien.

Von der ersten Entstehung des Salzwerks Sooden, worin mit stichhaltigen Argumenten aus wahren Geschichtsquellen bewiesen wird, dass dieses Salzwerk schon vor Christi Geburt, zu Zeiten des Cornelius Tacitus, Karls des Großen und des heiligen Bonifatius, bestanden hat und seither in stetigem Betrieb bis auf diese Zeit geblieben ist, samt den Privilegien der Pfänner.

3

Wenn einer von erster ankunfft des Saltzwercks Sodenn, zu redenn sich vnndernehmenn will, So werdenn im dreyerley zum beschwerlichstenn im weg liegenn, Ohne welcher vorhergehennder erleutterung, niemanndt etwas der warheit gemes, wurdet redenn oder schreiben konnenn,

Wenn einer es unternehmen will, von der ersten Entstehung des Salzwerks Sooden zu reden, so werden ihm dreierlei Dinge aufs Beschwerlichste im Wege liegen, ohne deren vorausgehende Erläuterung niemand etwas der Wahrheit Gemäßes wird reden oder schreiben können.

4

Denn erstlich ist zum höchstenn zubeklagenn, das vnnser furfahrenn, die alttenn Teutschenn2, gar keine gelerte leute, bey sich gehapt habenn, Welche was sich bey den Teutschenn zugetragenn, hette in Teutscher sprach beschreibenn konnenn,

Denn erstens ist aufs Höchste zu beklagen, dass unsere Vorfahren, die alten Deutschen, gar keine gelehrten Leute bei sich gehabt haben, die das, was sich bei den Deutschen zugetragen hat, in deutscher Sprache hätten beschreiben können.

5

Wie dennLäuft auf der nächsten Seite weiter

Wie denn

Unsichere Lesungen

  1. bestenndigenn — Endung -enn/-em nicht ganz eindeutig
  2. Teutschenn — Wortende am Zeilenschluss mit Schnörkel, Endung nicht ganz sicher

S. 50

Bl. 22vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitesolchs die alttenn Heydtnischenn Geschichtschreiber hin vnnd wiedder in Ihrenn Büchernn gedennckenn, vnnd ohnne das die erfarung selbst außweiset.

wie es die alten heidnischen Geschichtsschreiber hin und wieder in ihren Büchern erwähnen und es zudem die Erfahrung selbst ausweist.

2

Zum anndernn, Ob schonn die alttenn vnnd Heidtnische geschichtschreiber, als Ptolomeus, Strabo, Plinius, Cornelius Tacitus, auch etliche der Neuenn, in Ihrenn Büchernn der Teutschenn gedennckenn, auch vnangesehenn1 das sie die Teutschenn für Barbaros halttenn, Gleichwohl Irer hohenn tugenndenn wegenn, herlich verrühmenn,

Zum Zweiten: Obschon die alten und heidnischen Geschichtsschreiber wie Ptolemäus, Strabo, Plinius und Cornelius Tacitus, auch etliche der Neueren, in ihren Büchern der Deutschen gedenken und sie – ungeachtet dessen, dass sie die Deutschen für Barbaren halten – gleichwohl wegen ihrer hohen Tugenden herrlich rühmen,

3

So gebenn sie doch den Völckernn teutsches Lanndes, so selzame verthunckelte nahmenn, das mann nicht wohl etwas gewisses, sonndernn viel mehr Mutmassenn, vnnd gleichsam nach gut dunckenn schliessenn kann,

so geben sie doch den Völkern deutschen Landes so seltsame, verdunkelte Namen, dass man daraus nichts recht Gewisses entnehmen, sondern vielmehr nur mutmaßen und gleichsam nach Gutdünken schließen kann.

4

Zum drittenn, so habenn sich auch so manncherley Migrationes, außzuege vnnd vertreibung der völcker zugetragenn, das bey nahennts2 kein volck mehr, seinenn alten vnnd erstenn siz Innenn hatt, da zuuor seine Aborigenes gewonet habenn,

Zum Dritten haben sich auch so mancherlei Migrationen, Auszüge und Vertreibungen der Völker zugetragen, dass beinahe kein Volk mehr seinen alten und ersten Sitz innehat, wo zuvor seine Ureinwohner gewohnt haben,

5

Das mann deshalb zu dieser zeit mehr darauf muß sehenn, vnnd sich befleissenn, was die rechttenn Termini der alttenn gewesenenn völcker,Läuft auf der nächsten Seite weiter

sodass man deshalb in dieser Zeit umso mehr darauf sehen und sich befleißigen muss, was die richtigen Grenzen der alten, ehemaligen Völker

Unsichere Lesungen

  1. vnangesehenn — Minims mehrdeutig; Lesung aus dem Sinnzusammenhang (unangesehen = ungeachtet)
  2. bey nahennts — Schreibung der Endung nicht ganz sicher

S. 51

Bl. 23rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedenn derenn, die noch sein zuerforschenn, wenn mann etwas gewisses vonn teutschenn sachenn sagenn will.

als die derjenigen, die noch bestehen, zu erforschen, wenn man etwas Gewisses über deutsche Dinge sagen will.

2

Dieweil aber solchs vnneracht1 mir vonn Meinem gnedigen Furstenn vnnd Herrnn zu Hessenn, gnediglich vfferlegtt vnnd beuohlenn wordenn, Vonn der annkunfft, ihrer F. G. Saltzwercks2 Sodenn für Allenndorff ann der Werra, vleißige nachforschung souiel Immer müglich zuhabenn,

Weil mir aber dessen ungeachtet von meinem gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen gnädiglich auferlegt und befohlen worden ist, über die Entstehung des Salzwerks Sooden vor Allendorf an der Werra, das Seiner Fürstlichen Gnaden gehört, so fleißige Nachforschung wie irgend möglich anzustellen,

3

Vnnd aber Ich hierzu vff keinenn besernn weg kommenn kann, denn so Ich erstlich die rechttenn altenn grenntzenn, oder Terminos Cattorum, aus den alttenn Historicis, Cosmographis vnnd Geographis, bestendigk auffsuche, vnnd dieselbigenn Grenntzenn, wie sie vonn altters benennet wordenn, mit der Jzt breuchlichenn Conferire.

und ich hierzu auf keinem besseren Weg vorankommen kann, als wenn ich zuerst die richtigen alten Grenzen – die Terminos Cattorum, die Grenzen der Chatten – aus den alten Historikern, Kosmographen und Geographen gründlich aufsuche und dieselben Grenzen, wie sie von alters her benannt worden sind, mit den jetzt gebräuchlichen vergleiche.

4

Zum anndernn, Dieweil die alttenn Geschichtschreiber, einmütiglich (: wie denn auch die neuenn :) des berges Meliboci gedennckenn, vnnd gleichwohl demselben Jntra terminos Cattorum statuiren, Das Ich auch mitt vleis nachtrachtung habe, Welcher bergk doch Jzo derselbige seye,

Zum Zweiten: Weil die alten Geschichtsschreiber einmütig (wie auch die neueren) den Berg Melibocus erwähnen und ihn zugleich innerhalb der Grenzen der Chatten ansetzen, muss ich auch mit Fleiß dem nachgehen, welcher Berg denn heute derselbe sei,

5

Dieweil vnnder den Jzigenn gelertenn, aus vnerfarennheit des rechttenn alttenn sizes derLäuft auf der nächsten Seite weiter

weil unter den jetzigen Gelehrten, aus Unkenntnis des richtigen alten Sitzes der

Unsichere Lesungen

  1. vnneracht — Lesung vnneracht/vnueracht (= unerachtet) nicht ganz eindeutig
  2. Saltzwercks — Schreibung Saltz-/Salz- am Wortanfang nicht ganz eindeutig

S. 52

Bl. 23vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteCattorum so zweiuelhafftig vnnd vngewisse ding hiervonn statuiret werdenn, Das mann gleich als ob die Abnobij vnnd Obnobij montes1, den Melibocum gar vnsichtbar gemacht, nicht mehr wissenn kann, Wo der gedachte Bergk Jzo gelegenn seye,

Chatten so zweifelhafte und ungewisse Dinge hierüber behauptet werden, dass man – gleich als ob die Gebirge Abnoba und Obnoba den Melibocus ganz unsichtbar gemacht hätten – nicht mehr wissen kann, wo der gedachte Berg heute gelegen sei.

2

Vnnd zum drittenn, Wenn die grenntzenn vnnd Termini Cattorum, desgleichenn die gelegennheitt des Meliboci, also erforschet, das ich als denn, mit vleis erkundige, vmb welche Salzbrunnen sich die Catten mit den Hermunduris geschlagenn habenn,

Und zum Dritten: Wenn die Grenzen und Termini der Chatten, desgleichen die Lage des Melibocus, derart erforscht sind, dass ich alsdann mit Fleiß erkunden kann, um welche Salzbrunnen sich die Chatten mit den Hermunduren geschlagen haben,

3

Obs2 wie die Jzigenn gelertenn ohnne grundt wollenn, die Brunnen zu Hall in Sachssenn, oder die zu Allendorff, Franckennhausen, oder Salzungen seyen,

und ob es, wie die jetzigen Gelehrten ohne Grund behaupten, die Brunnen zu Halle in Sachsen oder die zu Allendorf, Frankenhausen oder Salzungen gewesen seien –

4

denn wenn diese drey fragenn vfgelöst werdenn, kan als dann leichtlich vonn rechter ankunfft, dieses Salzwercks geredett vnnd geschlossenn werdenn.

denn wenn diese drei Fragen aufgelöst sind, kann alsdann leicht über die wahre Entstehung dieses Salzwerks geredet und ein Schluss gezogen werden.

Unsichere Lesungen

  1. Obnobij montes — Berufung auf Abnoba mons; Schreibung Obnobij nicht ganz sicher
  2. Obs — Lesung Obs (= ob es) aus dem Zusammenhang; Schriftbild mehrdeutig

S. 53

Bl. 24rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Vonn dem Sitz der alttenn Catten derselbigenn rechtenn Grentzenn, ann flüssenn, Bergenn, Geweldenn vnd dergleichenn, vnnd dem Jtzigenn Sitz der Hessenn, so ann Ire stadt kommen vnd genennet werdenn.

Vom Sitz der alten Chatten, von deren richtigen Grenzen an Flüssen, Bergen, Wäldern und dergleichen, und vom jetzigen Sitz der Hessen, die an ihre Stelle getreten sind und so genannt werden.

2

Wenn ich nun erstlich den rechtenn Sitz der alttenn Cattenn, bey den alttenn Scribenten, Cosmographis vnnd Geographis, erforsche, Befinde Ich gleichwohl, das sie kaumpt vonn einem volck1, die terminos so einhellig, als von den Cattis sezenn,

Wenn ich nun zuerst den richtigen Sitz der alten Chatten bei den alten Schriftstellern, Kosmographen und Geographen erforsche, so finde ich gleichwohl, dass sie kaum bei einem Volk die Grenzen so einhellig angeben wie bei den Chatten;

3

vmb welches willenn, mich denn auch zum höchstenn verwundert, Warumb doch Franciscus Irenicus, so ganntz ohne grundt statuiret, das der Cattorum kein Vestigium mehr zufindenn,

weswegen es mich denn auch aufs Höchste verwundert, warum Franciscus Irenicus so ganz ohne Grund behauptet, dass von den Chatten keine Spur mehr zu finden sei.

4

Denn beim auffganngk3, sezenn Je die alttenn, die Weser vnd Werra, vnnd die daselbst anngrenntzenden Berge, hinter diesenn bergenn vnnd flössenn aber, die Tubantes, Chaudrinos2 vnnd Cattuarios,

Denn gegen Sonnenaufgang setzen die Alten ja die Weser und Werra und die dort angrenzenden Berge als Grenze, hinter diesen Bergen und Flüssen aber die Tubanten, Chaudriner und Chattuarier,

5

Welches Jzo die Eisfelder (: da noch drey dörffer, Nemblich Kirchganndern, Obern: vnnd Niederganndern :) liegenn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter

wo jetzt die Eichsfelder liegen (wo noch drei Dörfer sind, nämlich Kirchgandern, Ober- und Niedergandern), und

Unsichere Lesungen

  1. vonn einem volck — Lesung vonn/bey einem volck nicht ganz eindeutig
  2. Chaudrinos — Völkername; Anfangsbuchstabe C/G und Lautstand nicht ganz sicher
  3. beim auffganngk — erstes Wort (beim) verschliffen geschrieben

S. 54

Bl. 24vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedas Lanndt zu Göttingenn, bis am Brackenberge1, bis Jegenn Lippoldesberga2 seindt, hinder welchenn Völckern denn die Cherusci, Harzlender, Bructeri vnd Cauci Ihre size gehapt,

und das Land zu Göttingen sind, bis an den Brackenberg und bis gegen Lippoldsberg; hinter diesen Völkern hatten dann die Cherusker, Harzländer, Brukterer und Chauken ihre Sitze.

2

Vnnd erscheinet also, das die Cherusci, wie viele wöllenn3, mit den Catten niemahls gegrenzt habenn, sonndern durch die Tubantes vnnd gedachte Völcker, vonn Jnen abgetheilt gewesenn,

Und so zeigt sich, dass die Cherusker – wie viele es behaupten wollen – mit den Chatten niemals eine gemeinsame Grenze gehabt haben, sondern durch die Tubanten und die genannten Völker von ihnen getrennt gewesen sind.

3

Vnnd dieweil die Hermunduri, Welches Jzo die Duringer seindt, Ire grennz nach den Catten zu, bis ann den Hurselberge bey Eysenach, dannen auff die Werra oder Weser erstreckenn,

Und weil die Hermunduren, die jetzt die Thüringer sind, ihre Grenze gegen die Chatten hin bis an den Hörselberg bei Eisenach und von dort auf die Werra oder Weser erstrecken,

4

So ist mann also einmahl gewis, was die Catten für Limites vnnd grenntzenn, Jegenn auffganng der Sonnenn, das ist nach dem Lanndt zu Duringenn, Eisfeldt, vnnd Sachssenn gehapt,

so ist man nunmehr gewiss, was die Chatten für Limites und Grenzen gegen Sonnenaufgang – das heißt nach dem Land zu Thüringen, dem Eichsfeld und Sachsen hin – gehabt haben:

5

Nemblich die Weser, vnnd Werra, mit Jrenn beyliegendenn Bergen, gehöltzenn, vnnd den obgenanntenn Völckernn,

nämlich die Weser und die Werra mit ihren anliegenden Bergen und Gehölzen und den obengenannten Völkern.

Unsichere Lesungen

  1. Brackenberge — Bergname; ck mit Zierstrich, Lesung Brackenberg (bei Göttingen) wahrscheinlich
  2. Lippoldesberga — latinisierte Namensform für Lippoldsberg; Endung -a nicht ganz sicher
  3. wie viele wöllenn — Bezug des Einschubs (entgegen oder gemäß der Meinung vieler) nicht eindeutig

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