Salzbibel · Lesetext · Einleitung
Die Einleitung · S. 7–17
Das Titelblatt · S. 7–17 · Bl. 1–6r · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Das Titelblatt
S. 7–8 · Bl. 1 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung
S. 7
Bl. 1Bd. 1Einleitung · Das TitelblattFaksimile (ORKA)Darinnenn Auff des Durchleuchtigen Hochgebornenn Furstenn vnd herrnn, herrnn Wilhelms Lanndtgrauen zu Hessenn, Grauenn zu Catzenelnbogenn, Dietz Ziegennhain vnnd Nidda etc. gnedige verordenung vnnd beuelch fürnemblich in genere von seiner furstlichenn gnadenn Saltzwerck Sodenn alles was zu wissenn von nötenn, allennthalb zusammenn getragenn,
Darin ist auf des durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Wilhelms, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda etc., gnädige Verordnung und Befehl — vornehmlich im Allgemeinen (in genere) — über Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk Sooden alles, was zu wissen vonnöten ist, von überall her zusammengetragen,
Darbenebenn auch etliche annderer außwertiger Saltzwercker gelegennheit beschriebenn, Auch ein Vniuersal Probirbuch, so auff alle Saltzwercker gerichtet, fürgestellet würdet
daneben ist auch die Beschaffenheit etlicher anderer auswärtiger Salzwerke beschrieben; auch wird ein Universal-Probierbuch vorgelegt, das auf alle Salzwerke ausgerichtet ist.
Alles S. F. G. vnnd derselbigenn Erbenn vnnd nachkommenn zu vnnderthenigem gehorsamb vnnd Ehrenn auch sonnst allenn anndernn so in Jegenwertiger vnnd kunfftiger Zeit mitt diesem vnd anndernn Saltzwerckenn vmbgehen vnd zuschaffenn habenn werdenn Zur nachrichtung vnnd bestenn in ordenntliche bücher gebracht.
Alles ist Seiner Fürstlichen Gnaden und derselben Erben und Nachkommen zu untertänigem Gehorsam und zu Ehren, auch sonst allen anderen, die in gegenwärtiger und künftiger Zeit mit diesem und anderen Salzwerken umgehen und zu schaffen haben werden, zur Nachricht und zum Besten in ordentliche Bücher gebracht.
Durch. M. Johannem Rhenanum Pfarherrnn vnnd Saltzgreuenn zun Sodenn.
Durch M. (Magister) Johannes Rhenanus, Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden.

Unsichere Lesungen
- Foliierung 1 — Zeichen oben rechts sehr klein, Lesung als Blattzahl 1 nicht ganz sicher (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
Die Widmung an den Landgrafen
S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung
S. 9
Bl. 2rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Dem durchleüchtigenn Hochgebornenn furstenn vnnd Herrnn, Herrnn Wilhelmen Lanndtgrauenn zu Hessenn, Grauenn zu Catzenelnbogenn, Dietz, Ziegennhain vnnd Nidda etc. Meinem gnedigenn fursten vnnd Herrnn. Durchleüchtiger Hochgeborner Gnediger furst vnnd Herr, E. F. G. seindt meine vber die pflicht, anndechtiges gebett zu Gott, Demnach vnderthenige, gehorsame, ganntz treuw vleißige diennste, stettigs zuuor Gnediger Furst vnnd Herr, das grosse schöne vnnd allerherrlichste Theatrum Vniuersi mundi, ist nicht vnuersehenns, vhrplützlich1[?], auch nicht vonn Ihm selbst wordenn: Sonndernn wie es allenn gelerttenn bekandt, wir auch in den Artickeln vnnsers Christlichenn glaubens bekennenn, à primo efficiente, oder Summo Creatore herkommenn, vnnd beschaffenn, Vnnd dieweil dasselbige, also einmahl gewiß, so werdenn auch wir mennschenn, vnnsere eigenn vnnd andere suliche2[?] vernunfft ohnn allenn zweiuell nicht ohne vrsach, vnnd ohne hohes wichttiges bedennckenn vonn ebenn demselbigen
Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Wilhelm, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda usw., meinem gnädigen Fürsten und Herrn.
Durchlauchtiger, hochgeborener, gnädiger Fürst und Herr! Euren Fürstlichen Gnaden gelten, über meine Pflicht hinaus, mein andächtiges Gebet zu Gott und danach mein untertäniger, gehorsamer, ganz treuer und fleißiger Dienst — stets zuvor.
Gnädiger Fürst und Herr, das große, schöne und allerherrlichste Welttheater ist nicht unversehens und plötzlich entstanden, auch nicht von selbst. Vielmehr ist es, wie allen Gelehrten bekannt ist und wie wir es auch in den Artikeln unseres christlichen Glaubens bekennen, von der ersten Ursache, dem höchsten Schöpfer, hergekommen und geschaffen worden. Und weil das einmal gewiss ist, so haben auch wir Menschen unsere eigene und jede andere Vernunft ohne Zweifel nicht ohne Grund und nicht ohne hohe, wichtige Absicht von eben demselben
Unsichere Lesungen
- vhrplützlich — Vokal unklar (Z. 15)
- suliche — evtl. solche (Z. 21)
S. 10
Bl. 2vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)der solches Theatrum geschaffenn hatt, emdtpfanngen1 habenn, Denn er hatt vnns die augenn, vnnd die sichtliche krafft vmb keines anndernn willenn gegebenn, denn das er damit zuuerstehenn gebenn, das es sein genntzlicher will vnnd meinung seÿe, das sein des Schöpfers geschöpff nicht im finsternn liegenn, noch verborgenn sein sollenn, sonndernn das dieselbigenn gesehenn, mitt vleis betrachttet, verstanndenn, vnnd daraus die grosse weisheit, vnnd vnaussprechliche gewaltt, gerechtigkeit vnnd guete, sein des Herrnn vnnd Schöpffers aller Creaturen colligiret vnnd abgenommenn werdenn sollenn: vnnd dennach2 ein solch grosmechttiger gewalttiger Herr vnnd Schöpffer vonn vnns geehret, gefurchttet, geliebet, vnnd anngeruffenn werdenn müge, Daher dann der könn: Prophet Dauidt sagt, das der Himmell vnnd das Firmament Gottes ehr vnnd ruhm preisenn, verkundigenn vnnd predigenn. vnnd als er in diesem schönen Theatro mundi ein gut weil mitt vleis vnnd hertzenn lust sich vmbgesehenn, die schönenn Ordtnungenn, vnnderscheidt vnnd nutz, der geschaffenenn Creaturen betrachttet, hatt er nichtt vnderlassenn könnenn, heraus zubrechenn, vnd mitt
empfangen, der dieses Welttheater geschaffen hat. Denn er hat uns die Augen und die Kraft des Sehens um keiner anderen Sache willen gegeben, als um damit zu verstehen zu geben, dass es sein völliger Wille und seine Meinung sei, die Geschöpfe des Schöpfers sollten nicht im Finstern liegen und nicht verborgen bleiben, sondern gesehen, mit Fleiß betrachtet und verstanden werden. Und daraus solle man die große Weisheit und die unaussprechliche Macht, Gerechtigkeit und Güte des Herrn und Schöpfers aller Kreaturen erkennen und ableiten, damit ein so großmächtiger, gewaltiger Herr und Schöpfer von uns geehrt, gefürchtet, geliebt und angerufen werde.
Daher sagt der königliche Prophet David, dass der Himmel und das Firmament Gottes Ehre und Ruhm preisen, verkündigen und predigen. Und als er sich in diesem schönen Welttheater eine gute Weile mit Fleiß und Herzenslust umgesehen und die schönen Ordnungen, Unterschiede und den Nutzen der geschaffenen Kreaturen betrachtet hatte, konnte er nicht anders, als herauszubrechen und mit
Unsichere Lesungen
- emdtpfanngen — Schreibung so (Z. 1)
- dennach — evtl. demnach (Z. 12)
S. 11
Bl. 3rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)grosser freudt, vberlaut zusagenn: Gros seindt die werck des Herrnn, Wer dieselbigenn betrachttet, hatt grosse lust darann, Weislich hat er alles gemachtt, vnnd seiner weisheitt ist kein zahl noch ennde, Vnnd der fromb Job, Welcher gleichfals mitt anndernn heiligenn, das grosse buch der Natur mit vleis tagk vnd nacht studiret, Sagtt: Das die Thierer1 vnns lerenn könnenn, Das ist, sie könnenn gebenn anlas, vnnd mittell, durch welches wir zur warenn Weisheit, vnnd rechttenn gehorsamb, jegenn Gott kommenn könnenn. Salomon, ist der nicht gewesenn der aller weiseste, vnnd der aller vleissigste erkundiger aller Naturlicher ding etc. Denn vonn Ihm geschriebenn stehet, das er vom Isoppen an, bis auff den Cederbaum, alle naturliche wesenn, eigenschafft vnnd wirckung aller kreuter, gesteudt vnnd Beume, mitt vleis gesucht, vnnd dauon in ganntz bestenndiglich, vnnd vffs aller zierlichste hatt redenn könnenn, Darzu im dann Gott auch sonnderlich mit seiner gnadenn geholffenn, das werck seiner hennde befordert, sein ingenium, als sein selb eigene, im gegebene gabenn, ganntz herlich gezieret, vnnd darmit bewiesenn, das im solchs vorhabenn, vnndt Gottselig Studium gnedig gefallenn, Vonn anndernn
großer Freude überlaut zu sagen: Groß sind die Werke des Herrn; wer sie betrachtet, hat große Lust daran. Weise hat er alles gemacht, und seiner Weisheit ist keine Zahl noch Ende.
Und der fromme Hiob, der ebenso wie andere Heilige das große Buch der Natur mit Fleiß Tag und Nacht studiert hat, sagt: Die Tiere können uns lehren. Das heißt: Sie können Anlass und Mittel geben, durch die wir zur wahren Weisheit und zum rechten Gehorsam gegen Gott kommen können.
Und Salomo — war er nicht der Allerweiseste und der fleißigste Erforscher aller natürlichen Dinge? Denn von ihm steht geschrieben, dass er vom Ysop an bis zum Zedernbaum alle natürlichen Wesen, Eigenschaften und Wirkungen aller Kräuter, Sträucher und Bäume mit Fleiß erforscht und darüber ganz beständig und aufs Zierlichste zu reden vermocht hat. Dazu hat ihm Gott auch besonders mit seiner Gnade geholfen, das Werk seiner Hände gefördert, seine Begabung als eine ihm selbst gegebene Gabe herrlich geziert und damit bewiesen, dass ihm ein solches Vorhaben und ein solches gottseliges Studium gnädig gefällt.
Von weiteren
Unsichere Lesungen
- Thierer — Endung unklar (Z. 7)
S. 12
Bl. 3vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Exempeln dis ortts weitter anmeldung aus der heiligenn schrifft zuthun, achtte Ich vor vnnötigk, Es seindt auch die Heidenn so grob vnnd viehisch nie gewesenn, das sie das studium der Philosophi, vnnd der naturlichenn ding erforschung, Welche mann auch mit den augenn selbst für gewis erkennenn vnnd sehenn kann, Inn den windt geschlagenn vnnd verachttet hettenn, sonndernn sie seindt aus vleissiger nachtrachtung vnnd obseruation der Himlischenn Gestirn, vortreffliche herliche Astronomi wordenn, Habenn von allenn Metheoris, bestenndiglich schreibenn vnnd redenn könnenn, So seindt auch viele befundenn wordenn, Welche zugleich auch vonn Irdischenn dingenn, das ist vonn denenn dingenn zuschreibenn sich beflissen, Was Inner vnnd ausser der Erdenn, an Metal, Ertz, Miner, Brunnenn vnnd dergleichenn, wechst vnd ist, Wie solches beudt1 in Göttlicher heiliger schrifft, vnnd sonnst hin vnnd wiedder beÿ den Heidtnischen Scribenten, zusehenn vnnd zufindenn ist Vnnder anndernn gelertenn aber, findt mann beÿ den Historicis beschriebenn, das sich erstlich in Phaenicia zwenn treffliche gelerte menner Misar2[?] vnd
Beispielen aus der Heiligen Schrift an dieser Stelle zu berichten, halte ich für unnötig.
Auch die Heiden sind nie so grob und viehisch gewesen, dass sie das Studium der Philosophie und die Erforschung der natürlichen Dinge — die man ja mit eigenen Augen gewiss erkennen und sehen kann — in den Wind geschlagen und verachtet hätten. Vielmehr sind sie aus fleißiger Beobachtung der himmlischen Gestirne vortreffliche, herrliche Astronomen geworden und haben über alle Lufterscheinungen beständig schreiben und reden können.
Ebenso haben sich viele gefunden, die sich zugleich beflissen haben, über irdische Dinge zu schreiben: was innerhalb und außerhalb der Erde an Metall, Erz, Mineral, Quellen und dergleichen wächst und ist. Das ist heute in der göttlichen Heiligen Schrift und sonst hier und da bei den heidnischen Schriftstellern zu sehen und zu finden.
Unter den Gelehrten aber findet man bei den Geschichtsschreibern beschrieben, dass sich zuerst in Phönizien zwei treffliche gelehrte Männer, Misor und
Unsichere Lesungen
- beudt — wohl beidt = beide (Z. 17)
- Misar — Eigenname, Lesung unsicher (Z. 22)
S. 13
Bl. 4rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Sidich, mitt höchstenn vleis bemühet habenn, herfür vnd ann tagk zubringenn, Was doch das Saltz seÿe, vnndt woher es seinenn vhrsprung nehme, vnnd als sie denn sachenn lanng nachgedacht, Habenn sie es darfür genntzlich gehalttenn, das es nichts dann wasser vnnd Erden seÿe, Welches gleichsamb wie Laugenn durch aschenn, also durch die erdenn gegossenn werde, In welcher dan durch die krafft des Oberstenn Schöpffers vnd des Himmels zuwegenn bracht, vnnd distilliret werde, ein solch artificialisch Saltz, welches volgenndts den menschzu gutem gepraucht könne werdenn, Anndere habenns darfür gehalttenn, das es ein Innerlicher schweis der Erdenn seÿ, Welcher zugleich, wie sich der Regenn durch der Sonnenn hitz in die höhe vffzeucht, oder wie sich in einem Alembico aus den kreuternn, die feuchttigkeitt obenn Inn helm zeuchtt, vnd volgenndts der Regenn wieder herab, auff die erden felt, vnnd dieselbenn befeuchttet, vnnd durch die Nasen des Helms das zusammen gezogene wasser heraus tropfflet, also auch durch die Innerliche hitz in den gebirgen, die ewige Immerwehrennde dünste vffgezogenn, vnd enndtlich mit gewaltt Irenn ausflucht suchen, vnd
Sydyk, mit höchstem Fleiß bemüht haben, ans Licht zu bringen, was das Salz denn sei und woher es seinen Ursprung nehme. Und nachdem sie der Sache lange nachgedacht hatten, hielten sie es gänzlich dafür, es sei nichts als Wasser und Erde — gleichsam wie Lauge durch Asche, so werde es durch die Erde gegossen, in der dann durch die Kraft des obersten Schöpfers und des Himmels ein solches kunstvolles Salz zustande gebracht und destilliert werde, das hernach den Menschen zugute komme.
Andere haben es dafür gehalten, es sei ein innerer Schweiß der Erde. So wie der Regen durch die Sonnenhitze in die Höhe gezogen wird, oder wie sich in einem Destillierhelm die Feuchtigkeit aus den Kräutern nach oben zieht und danach der Regen wieder herabfällt, die Erde befeuchtet und durch die Nase des Helms das zusammengezogene Wasser heraustropft — so würden auch durch die innere Hitze in den Gebirgen die ewigen, immerwährenden Dünste hinaufgezogen, die endlich mit Gewalt ihren Ausweg suchen und
Unsichere Lesungen
- mensch= — Zeilenende abgekürzt (Z. 10) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 14
Bl. 4vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)also sich nach natur der erdenn, durch welche sie ausdringenn, der erdenn eigennschafft ann sich nehmenn, vnnd enndtweder Saltzig, hitzigk, oder anndere qualitates ausfurenn. Sezenn dessenn diese vrsach, das die Saltzbrunnenn, nit allein vngleicher Substantz vnnd wesenns, vnd ein Brunnen nit altzeit gleiche reiche Sohlenn, an quantitet vnnd qualitet gebenn, Sonndern auch etlich Saltz, nach den farbenn des Erdtrichs geferbet werde, wie denn offennbar, das das Memphitische Saltz roth, das Sicilische Purpur, das Capadocische Saltz Saffran farbe, das Partische glentzenndt, das Agrigentinische weis, wie sonnst gemeinlich alle anndere Saltze seindt, vnnd das derwegenn das Saltz Res elementata, aus wasser, Erdenn, vnnd des Himmels krafft oder influentz, heruor brachtt vnnd vervhrsachtt werde, Dieser meinung ist vornemblich der weittberumbte Naturkundiger vnnd herlichste poëta Jouianus Pontanus in suis Methæoris. Anndere habenn denn sachenn weitters mit allem vleis nachgedacht, vnnd [übergeschrieben: seindt] letzlich dahin gerathenn, Weil
dabei nach der Art der Erde, durch die sie hinausdringen, die Eigenschaft dieser Erde annehmen und entweder salzig, hitzig oder mit anderen Eigenschaften austreten.
Als Beleg führen sie an, dass die Salzbrunnen nicht nur von ungleicher Beschaffenheit sind und ein Brunnen nicht immer gleich reiche Sole gibt, nach Menge wie nach Güte, sondern dass auch manches Salz sich nach den Farben des Erdreichs färbt. So ist ja offenbar, dass das memphitische Salz rot ist, das sizilische purpurn, das kappadokische safranfarben, das parthische glänzend, das agrigentinische weiß, wie sonst gewöhnlich alle anderen Salze sind. Deshalb sei das Salz ein zusammengesetztes Ding, aus Wasser, Erde und der Kraft oder dem Einfluss des Himmels hervorgebracht und verursacht. Dieser Meinung ist vor allem der weitberühmte Naturkundige und herrliche Dichter Giovanni Pontano in seinen „Meteora".
Andere haben der Sache mit allem Fleiß weiter nachgedacht und sind schließlich zu folgendem Schluss gekommen: Weil
S. 15
Bl. 5rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)sie gesehenn vnnd erfahrenn, das grosse Berge hin vnd wiedder, sonnderlich aber in Polenn, in Hungernn, Kärntten, Steÿrmarck, vnnd anndernn vielenn örttenn befunden werdenn, In denenn nichts annders dann Saltz ausgehauwenn wirdt, desgleichenn alle Mehr saltzigk sindt, welche doch nicht alle aus den Innerlichenn schlussen der Erdenn, heruor kommenn, Sonndernn durch der Sonnenn hitz vnnd des Himmels krafft vervhrsacht werdenn, vnnd dennach das saltz ein selbstenndig ding, Ja wie der augennschein, vnnd die erfarung ausweisett, das dritte vnnd groste theil, der weltt nichts dann Saltz seÿe: das dennach die Salsedo vnd scherffe der Sohlenn, nach vnnderscheidt vnnd eigennschafft der Erdenn, durch welche sie fleusset, secundum magis et minus vervhrsacht vnnd produciret werde, Anndere seindt auch gewesenn, welche gemeinet, das die Saltz: vnnd anndere Brunnenn, aller aus dem Meer herkommenn, aber diese habenn ganntz weit gefehlet, vnnd nicht wahr genommenn, das sich solches ganntz vnd gar nit reÿmenn wölle Wanndt aber diese vnnd dergleichenn Opinionen vnd meÿ=
sie gesehen und erfahren haben, dass sich hier und da große Berge finden — besonders in Polen, in Ungarn, in Kärnten, in der Steiermark und an vielen anderen Orten —, in denen nichts anderes als Salz ausgehauen wird, und weil ebenso alle Meere salzig sind, die doch nicht alle aus den inneren Schlüften der Erde kommen, sondern durch der Sonne Hitze und des Himmels Kraft verursacht werden, darum sei das Salz ein selbständiges Ding. Ja, wie der Augenschein und die Erfahrung ausweisen, sei der dritte und größte Teil der Welt nichts als Salz. Die Schärfe der Sole werde demnach nach Unterschied und Eigenschaft der Erde, durch die sie fließt, in größerem oder geringerem Maß verursacht und hervorgebracht.
Wieder andere haben gemeint, die Salzbrunnen und andere Brunnen kämen alle aus dem Meer. Diese aber haben ganz weit gefehlt und nicht bemerkt, dass sich das überhaupt nicht zusammenreimen will.
Weil aber diese und ähnliche Ansichten und Mei-
S. 16
Bl. 5vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)nungenn, auszufurenn ein grosse weittleufftigkeitt erfordert, vnnd dieses ortts nichtt beschehenn kann, als ist mein vorhabenns, dauonn einenn sonnderlichenn Tractatum, wie Ich denn albereitts im werck zuschreiben, vnnd E. F. G. zu gelegener zeitt zu vbergebenn, Dauonn will ich aber dismals allein sagenn, das alle Naturkundiger, in betrachttung aller naturlichenn ding, nuer Materiam et formam, vnnd wie die in der Natur seindt, betrachttet habenn: aber ein Theologo will gepurenn, das er etwas höher steige, vnndt Causam efficientem, solcher Natur grundtlicher suche, das ist, er mus betrachttenn, vnd denen suchenn, der die Natur also geordenet vnnd anngerichttet hatt, Item Wo zu, vnnd zu welchem enndt solches also anngerichttet, vnnd geordtnet seÿe, Denn die erste weise vnnd erforschung der Naturlichenn ding, weiset nicht mehr, als ordinem in rebus, ut sunt et fiunt. Die anndere aber gibt den Herrenn der solches alles wircket vnnd habenn will, vnnd beweiset das derselbige Jegennwerttigk seÿe, vnnd aus der Natur, nach seiner vnbegreifflichenn vnnd vrenndtlichenn1
nungen auszuführen große Weitläufigkeit erfordert und an dieser Stelle nicht geschehen kann, ist es mein Vorhaben, darüber einen eigenen Traktat zu schreiben — ich habe bereits damit begonnen — und ihn Euren Fürstlichen Gnaden zu gelegener Zeit zu übergeben.
Diesmal will ich nur so viel sagen: Alle Naturkundigen haben bei der Betrachtung aller natürlichen Dinge nur den Stoff und die Form betrachtet und wie diese in der Natur vorkommen. Einem Theologen aber gebührt es, etwas höher zu steigen und die wirkende Ursache solcher Natur gründlicher zu suchen. Das heißt: Er muss den betrachten und suchen, der die Natur so geordnet und eingerichtet hat, und ebenso, wozu und zu welchem Ende sie so eingerichtet und geordnet ist.
Denn die erste Art der Erforschung natürlicher Dinge zeigt nicht mehr als die Ordnung in den Dingen, wie sie sind und werden. Die zweite aber führt zu dem Herrn, der das alles wirkt und will, und beweist, dass er gegenwärtig ist und aus der Natur heraus, nach seiner unbegreiflichen und unendlichen
Unsichere Lesungen
- vrenndtlichenn — wohl vnenndtlichenn (Z. 21)
S. 17
Bl. 6rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)weisheitt vnnd hohenn verstanndt, mitt seinenn almechtigenn fingernn, alles formire vnnd zu einem gewissen enndt oder ziel richtte. Vnd schleusset der Theologus, Ob wir wohl etwas durch vnnsere scharffsinnigkeit vnnd vleissige nachforschung der naturlichenn ding, Materiam et ordinem naturalium ersehenn, vnnd abnehmenn könnenn, so behalte doch der Schöpffer, vnnd allergrosseste kunstler, im allwegenn in allen dingenn, nichts ausgeschlossenn, so viel zuuor, das wir daruber erstarrenn, vnnd nicht annders als ein blinder im finsternn tappeln müssen, Wie dann solches auch der vortrefflichste Heidtnische Philosophus Aristoteles selbst gefuelet, vnnd geklagtt1 hatt, Da er sagt, das vnnser verstanndt in den naturlichenn dingenn, wenn wir meinenn, das wir dieselbigenn, so klar vnnd ausfuhrlich ergründet haben, das manns auch mitt den fingernn greiffenn könne, Je so blindt vnd so weit vonn dem grundt der sachenn seÿe, als ein Nachteul vonn der Sonnenn glanntz: Denn wir allesampt sehenn vnnd verstehenn das geringste vnnd schlechteste theil der Wercke Gottes, könnens vbrige weder ergründenn noch aussprechenn,
Weisheit und seinem hohen Verstand, mit seinen allmächtigen Fingern alles formt und auf ein bestimmtes Ende oder Ziel hin richtet.
Und der Theologe schließt: Mögen wir durch unseren Scharfsinn und fleißiges Nachforschen in den natürlichen Dingen auch Stoff und Ordnung erkennen und ableiten können — der Schöpfer und allergrößte Künstler behält doch in allen Dingen, nichts ausgenommen, immer so viel zurück, dass wir darüber erstarren und nicht anders als ein Blinder im Finstern tappen müssen.
Das hat auch der vortrefflichste heidnische Philosoph Aristoteles selbst empfunden und beklagt, wenn er sagt: Unser Verstand sei in den natürlichen Dingen — gerade dann, wenn wir meinen, wir hätten sie so klar und ausführlich ergründet, dass man sie mit den Fingern greifen könne — ebenso blind und ebenso weit vom Grund der Sache entfernt wie eine Nachteule vom Glanz der Sonne. Denn wir alle sehen und verstehen den geringsten und schlechtesten Teil der Werke Gottes; das Übrige können wir weder ergründen noch aussprechen.
Unsichere Lesungen
- geklagtt — evtl. gerlagtt verschrieben (Z. 13)