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Artern
Reise 1568 (und 1569) · 1568 und 1569 · heute Artern, Thüringen
Der Eintrag
Artern
heute: Artern, ThüringenReise 1568 (und 1569) 1568 und 1569 auf der Karte
Reiche Sole, ein zerstörter Berg und ein verschlossenes Bothe der Nürnberger „Künstler“, in das Rhenanus nicht gelassen wird. Die Probe: 98½ Lot roh, knapp 8 Lot Salz. Mit einem Alchimisten tauscht er Wissen gegen Wissen. 1569 verhört er hier Doktor Landeler.
„Von Auleben bin ich nach Artern gereist und zuerst bei den Salzbrunnen gewesen.“ Zwei Bothe darf er besichtigen; „In das dritte aber habe ich nicht gelassen werden können“, weil es „etliche von Nürnberg — besonders einer, der Schelhammer heißt“ — innehatten, die „durch eine besondere Kunst vorhatten, die Hälfte des ganzen Holzes zu ersparen“.
Der Brunnen „gibt eine große Menge Sole und mehr als doppelt so viel, wie im Salzwerk Sooden vorhanden ist“, ist aber nicht sicher gefasst, und ringsum sind so viele Schächte eingesenkt, „dass der ganze Berg an allen Orten dermaßen ausgehöhlt und durchlöchert ist, dass er dem Brunnen nicht viel nützen kann“. Die Probe: „das Quart hat roh am Gewicht 98½ Lot gehalten und an Salz 8 Lot weniger ¼ Quentchen“.
Die Salzgrafen und Gewerken erzählen die Geschichte: Ein altes Messbuch nenne 1450 als Fundjahr; die Grafen von Mansfeld hätten „über 40 000 oder 50 000 Gulden“ verbaut, sich verleiten lassen, „Wünschelruten umhergehen zu lassen, Kristallschauen anzustellen und sonst mit anderer Zauberei bessere Sole zu suchen“; ein Künstler habe versucht, das wilde Wasser im Berg zu verdämmen, „so lange, bis die Gewalt im Berg zu groß wurde“ und Brunnen und Tal „verwüstete und zerriss“.
Seit dreiviertel Jahren haben sie mit den Nürnbergern kontrahiert, die ein verschlossenes „Bothe errichtet, wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern hinzukommen darf“. Was darin geschieht, weiß niemand; man habe einmal „eine besonders große kupferne Blase gesehen“, und der Wirt meint, „der ganze Handel sei wie ein Branntweinzeug eingerichtet“.
Als die Rede auf das Probieren kommt, sagt Rhenanus, die Probe der Künstler nach dem Zentner nasser Sole „falsch und ungewiss sein müsse“, weil „das nasse Maß Sole an einem Ende mehr wiegt als am anderen“. Ein Alchimist bittet um seine Probe, die er ihm „einigermaßen vertraulich eröffnet“ hat — „in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen“.
Im November 1569 ist Rhenanus wieder hier, diesmal für Kurfürst August von Sachsen. Die Kommission verhört Doktor Landeler von Nürnberg nach einem Fragenkatalog und rät dem Kurfürsten, sich „nicht weiter mit ihm, dem Doktor, in dieser Sache einlassen“, bis er die wichtigsten Fragen beantworte. Landeler rühmt sich, er wolle die Sole so reich versieden, dass er „ganz Deutschland damit speisen wolle“; wie groß seine Pfanne sei, ist „ein Noli me tangere“. Rhenanus schlägt einen Vergleichsversuch vor: zwei Probewerke, „einmal auf seine Art und dann auf meine, des Salzgrafen, Art“.
- Bd. 2, S. 768 Lesetext — Das verschlossene Bothe der Nürnberger
- Bd. 2, S. 769 Lesetext — Der ausgehöhlte Berg; die Probe: 98½ Lot
- Bd. 2, S. 770 Lesetext — Wünschelruten und Kristallschauen
- Bd. 2, S. 771 Lesetext — Der Künstler, der den Berg verdämmte
- Bd. 2, S. 773 Lesetext — Die kupferne Blase, das Branntweinzeug
- Bd. 2, S. 774 Lesetext — Die Probe nach dem Zentner ist falsch
- Bd. 2, S. 775 Lesetext — Wissen gegen Wissen mit dem Alchimisten
- Bd. 2, S. 777 Lesetext — Bericht an den Kurfürsten, 25. November 1569
- Bd. 2, S. 781 Lesetext — „ganz Deutschland damit speisen“
- Bd. 2, S. 782 Lesetext — Noli me tangere
Derselbe Ort im anderen Bestand
Artern (in der Salzbibel genannt)
Auf der Karte: Artern auf „Rhenanus’ Wirken“ · Die Reiseberichte.
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