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Hoher Meißner
Wirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) · 1563–1589 · heute Hoher Meißner (Werra-Meißner-Kreis), Hessen
Der Eintrag
Hoher Meißner
heute: Hoher Meißner (Werra-Meißner-Kreis), HessenWirkungsort (ein Besuch ist in der Salzbibel nicht beschrieben) 1563–1589 auf der Karte
Der Berg der Kohle. Die Salzbibel spricht vom „Steinkohlenbergwerk“ am Meißner, dessen Nutzen für das Salzwerk „jedermann bekannt“ sei; 1584 sind zwanzig Bothe zum Steinkohlensieden hergerichtet. Ob Rhenanus selbst auf dem Berg war, sagt die Handschrift nicht — nur, dass man ihn dorthin rief.
Der Hohe Meißner, zehn Kilometer westlich von Sooden, ist der Ort, mit dem Rhenanus’ Name in der Technikgeschichte verbunden ist: die Braunkohle, die dort seit 1578 regelmäßig gefördert und in Sooden verfeuert wurde. Die Salzbibel nennt sie durchweg „Steinkohlen“ — im ersten Buch heißt es, „des Steinkohlenbergwerks zu geschweigen, weil offenbar und jedermann bekannt ist, welch großen Nutzen dasselbe dem Salzwerk, dem Hüttenwerk, den Schmieden und den Haushaltungen zuwege bringt“.
Rhenanus schreibt über den Berg wie ein Gelehrter: Er hält ihn für den Melibocus der Alten und zählt die Kräuter auf, die Leute „aus fremden Landen“ jährlich hier suchen — Scorzonera, Coronopus, das „edle Wundkraut Solidago sarracenica“. Von eigenen Grubenfahrten spricht er nicht.
Das Archivverzeichnis zeigt die Verwaltungsseite: ein „Mietzettel und Bestätigung des Bergvogts … über das Steinkohlenbergwerk auf dem Meißner“; Georg Gercke, der Rhenanus 1577 bittet, „sich zu ihm nach Germerode zu verfügen“, wegen des Bergwerks; Otto Wenner, der wegen des Bergwerks schreibt; Landgraf Wilhelms Befehl vom 11. Mai 1576 an den Berghauptmann Hermann Schütz, Rhenanus und andere, „das Schmelzen mit den Steinkohlen zu versuchen“; und Rhenanus’ Bericht von 1572, „dass er aus Steinkohlen Asphalt gezogen habe“.
Der erste Appendix liefert die Zahl: „Von den 43 Bothen, die unserem gnädigen Fürsten und Herrn gehören, sind nunmehr Anno 84 zwanzig zum Steinkohlensieden hergerichtet“; Kosten bisher 3.524 Gulden. In den Steinkohlen-Bothen braucht man Roste aus 23 Eisenstäben und zwei „Windlöcher“, „dadurch kommt der Wind unter den Rost, um das Feuer zu entfachen“ — das ist der Zug, den die Literatur <i>Allendorfer Windofen</i> nennt; der Name selbst kommt in der Handschrift nicht vor.
Wie unsicher das alles blieb, zeigt die Bestätigungsurkunde vom 3. Mai 1586: Der Landgraf verlängert die Verpachtung, gibt aber zu bedenken, „dass es auch mit dem Steinkohlenbergwerk am Meißner die Bewandtnis habe, dass darauf nichts Gewisses zu bauen sei“, und behält sich die Kündigung vor, falls Gehölze oder Bergwerk „in Abgang gerieten“.
Zur Einordnung aus der Literatur: Entdeckt hat Rhenanus die Kohle nicht; Schürfungen gab es schon 1555. Ab 1563 soll er mit ihr experimentiert haben, 1571 befahl der Landgraf den Bergbau in Eigenregie, 1575 wurde der Stollen im Schwalbenthal angesetzt, 1578 begann die Förderung; 1579 befuhr Wilhelm IV. die Gruben selbst. Die NDB spricht davon, dass Rhenanus in den 1560er Jahren Steinkohle aus Lüttich verwendet habe — ein Hinweis, der sich mit der Salzbibel weder belegen noch widerlegen lässt.
- Bd. 1, S. 65 Lesetext — Der Meißner als Melibocus
- Bd. 1, S. 67 Lesetext — Das Steinkohlenbergwerk, dessen Nutzen jedermann bekannt ist
- Bd. 2, S. 42 Lesetext — Bestätigungsurkunde 1586: auf das Bergwerk nichts Gewisses zu bauen
- Bd. 2, S. 521 Lesetext — 1584: zwanzig Bothe zum Steinkohlensieden
- Bd. 2, S. 569 Lesetext — Windlöcher in den Steinkohlen-Bothen
- Bd. 2, S. 1005 Lesetext — Mietzettel des Bergvogts; Georg Gercke, Germerode 1577
- Bd. 2, S. 1026 Lesetext — Befehl, das Schmelzen mit Steinkohlen zu versuchen, 1576
- Bd. 2, S. 1032 Lesetext — Asphalt aus Steinkohlen, 1572
Auf der Karte: Hoher Meißner auf „Rhenanus’ Wirken“.
Dauerhafte Adresse: https://salzbibel.de/ort.php?id=meissner.
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