Forschung · Orte
Sulza
Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute Bad Sulza, Thüringen
Der Eintrag
Sulza
heute: Bad Sulza, ThüringenReise 1568 (und 1569) 1568 auf der Karte
Ohne Auftrag hierher gereist, um die Künstler aufzuspüren. Der Künstler verweigert die Besichtigung; die Sole ist „dermaßen unschmackhaft“, dass Rhenanus sie nicht probt. Über Zäune hinweg sieht er das Leckwerk: Tröge, Strohmatten, vierzehn Stufen — die älteste bekannte Beschreibung eines Gradierwerks.
„Obwohl ich nun keinen Befehl hatte, nach Sulza oder Kösen zu ziehen“, schreibt Rhenanus, habe ihn seine Reise dorthin bewogen, „weil ich unter anderem verstanden hatte, dass die Künstler an diesen beiden Orten ihren Unterschlupf haben sollten“. Gegen Abend trifft er in Sulza ein und findet den Künstler „selbst dort zur Stelle in der Herberge, in der ich eingekehrt war“.
Das Gespräch führt zu nichts. Der Künstler will seine Kunst keinem „ohne hinreichende Entgeltung“ zeigen; wenn der Landgraf sich mit ihm einlasse, wolle er sie auch in Sooden anstellen. Rhenanus antwortet, sein Fürst habe „in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk noch keinen Mangel befunden“, glaube „nicht leichtlich allen Geistern“, und eine Kunst, einmal ins Werk gesetzt, könne „nicht lange verborgen bleiben“.
Der Mann rühmt sich, keiner im Reich verstehe sich auf das Probieren besser als er, und er habe die Sulzaer Sole ohne Feuer so geschieden, „dass der Zentner 18 Pfund halte“. Rhenanus lässt sich die Sole geben: „Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole.“ Sein Schluss: „dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle“.
Dann der Satz, um dessentwillen diese Seiten berühmt sind. Weil der Künstler seine Anlage „gleich vor Sulza“ errichtet hatte, habe er sie „über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen“: eine Kothe mit Schornstein und „etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit“, mit Stroh gedeckt; darin „flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang“, darüber „strohene oder schilfene Matten“, auf die die Sole „mit Schaufeln“ geleckt wird; sie „tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe“.
„Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.“ Das ist die älteste bekannte Beschreibung eines Gradierwerks in Deutschland — beobachtet von außen, verstanden im Prinzip, ohne dass der Beobachter hineingelassen wurde. Erfunden hat Rhenanus das Verfahren nicht, und in Sooden wurde nach der Literatur erst ab 1601 gradiert.
- Bd. 2, S. 775 Lesetext — Ohne Befehl nach Sulza; der Künstler in der Herberge
- Bd. 2, S. 787 Lesetext — Der Künstler verweigert die Besichtigung
- Bd. 2, S. 788 Lesetext — Die Antwort: nicht leichtlich allen Geistern glauben
- Bd. 2, S. 789 Lesetext — Die Sole zu unschmackhaft zum Proben
- Bd. 2, S. 790 Lesetext — Das Leckwerk: Tröge und Strohmatten
- Bd. 2, S. 791 Lesetext — Vierzehn Tröge; Lecken und Leiten
Derselbe Ort im anderen Bestand
Sulza (in der Salzbibel genannt)
Auf der Karte: Sulza auf „Rhenanus’ Wirken“ · Die Reiseberichte.
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