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Halle in Sachsen
Reise 1568 (und 1569) · 1568 · heute Halle (Saale), Sachsen-Anhalt
Der Eintrag
Halle in Sachsen
heute: Halle (Saale), Sachsen-AnhaltReise 1568 (und 1569) 1568 auf der Karte
Die größte Station. Vier Brunnen, die Rhenanus in der Herberge proben lässt: 24, 22, 22 und 20 Lot. Die Halloren haben auf die Schwankungen der Sole „niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“ — sie verkaufen nach dem Stück. Einfahren darf er nicht; man zeigt ihm den Deutschen Born durch ein Glas.
In Halle meldet Rhenanus sich beim Sekretär Kitzing an und wird von den Räten des Erzstifts Magdeburg gehört, „in Abwesenheit des Erzbischofs“. Sie erklären, weil sie spürten, dass sein Besuch „weder ihrem Salzwerk noch irgendjemandem zum Nachteil, vielmehr aber zur Förderung des gemeinen Nutzens gereiche“, wollten sie ihn berichten lassen. Der Salzgraf wird angewiesen, ihm „nichts Notwendiges zu verhalten“.
Der Salzgraf erzählt, was die Merseburger Chronik weiß — Kaiser Otto habe das Salzwerk dem Erzbischof gegeben, „dass die Stadt damals noch ein Dorf gewesen sei“ —, zeigt das Lehnbuch mit den vier Brunnen (Deutscher Born, Meteritz, Gutjahr, Hackeborn) und lässt die Hauptverteilung abschreiben. Er berichtet vom Basilisken, der einst den Brunnen verstopft habe, und davon, dass Landgraf Wilhelm selbst hier gewesen und in Beisein des Erzbischofs Sigismund eingefahren sei.
Die Messung: „Der Deutsche Born, das Quart —— 24 Lot; die Sole wiegt roh —— 106 Lot. Meteritz, das Quart —— 22 Lot. Gutjahr —— 22 Lot ½ Quentchen. Hackeborn, ein Quart —— 20 Lot 1½ Quentchen.“ Das ist die reichste Sole der ganzen Reise, gemessen von seinen Dienern in der Herberge und dem Salzgrafen auf dessen Bitte eröffnet.
Auf dem Brunnen beschreibt er Haspel und Göpel, die Schichten von zwei Stunden, die Verteilung nach Vierteln und Stühlen, und lobt die alten Pfänner, die die Sole so ausgeteilt hätten, „dass nicht der eine die gute, der andere die geringe Sole empfange“. Der Diener bringt den Bericht aus der Kothe: die Pfanne „4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben Schuh tief“, das Näpflein Rinderblut im 21. Eimer, die hölzerne Decke über der Pfanne, die Löhne.
Dann der Befund, der die Reise erklärt. Auf die Frage, ob die Sole „ab- und zunehme, in ab- und zunehmenden Jahren oder bei trockenem und nassem Wetter“, antworten alle, „dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten“; es sei unnötig, „weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen“. Kunstgriffe zum Sieden gebrauchten sie nicht, „und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber“.
Einfahren darf er nicht. Der Salzgraf lehnt ab, es sei „eine Sache von seltenem Beispiel“ und bedürfe der Versammlung des Rates und der vornehmsten Pfänner; erst am Donnerstag, dem Tag Maria Magdalena, fahre man traditionell ein. „Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte“, bietet man ihm an zu bleiben — und zeigt ihm inzwischen „durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau“, „so dass ich ihn habe quellen sehen“. Weil das Warten „meiner Lage nicht entsprach“, dankt er und reist ab. Der Tag Maria Magdalena, der 22. Juli, fiel 1568 auf einen Donnerstag: Rhenanus war also Mitte Juli in Halle, gut drei Wochen nach der Instruktion.
- Bd. 2, S. 794 Lesetext — Anmeldung beim Sekretär Kitzing
- Bd. 2, S. 795 Lesetext — Antwort der Räte: Förderung des gemeinen Nutzens
- Bd. 2, S. 796 Lesetext — Kaiser Otto und die Merseburger Chronik
- Bd. 2, S. 799 Lesetext — Das Lehnbuch: Deutscher Born, Meteritzborn
- Bd. 2, S. 806 Lesetext — Landgraf Wilhelm in Halle; der Basilisk
- Bd. 2, S. 808 Lesetext — Die Probe der vier Brunnen
- Bd. 2, S. 810 Lesetext — Lob der alten Pfänner
- Bd. 2, S. 817 Lesetext — Die Pfanne; Rinderblut
- Bd. 2, S. 822 Lesetext — Niemals achtgegeben, viel weniger geprobt
- Bd. 2, S. 823 Lesetext — Einfahren zunächst abgeschlagen
- Bd. 2, S. 824 Lesetext — Tag Maria Magdalena; der Born durch ein Glas
Derselbe Ort im anderen Bestand
Halle (in der Salzbibel genannt)
Auf der Karte: Halle in Sachsen auf „Rhenanus’ Wirken“ · Die Reiseberichte.
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