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salzbibel.deForschungsprojekt
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Forschung

Chronologie

Der Ort und die Welt, Jahr für Jahr nebeneinander

Zwei Zeitschienen

Die linke Spalte gehört dem Ort: 72 datierte Ereignisse von der Salzschlacht des Tacitus bis zum Ortsschild von 2026, mit Belegstatus und Quellen. Die rechte gehört der weiteren Welt: 69 Ereignisse der Salz-, Rechts-, Landes- und Kurgeschichte, die den Ort einordnen — Hallstatt, die Ronkalischen Gesetze, die Holzkrise des 16. Jahrhunderts, Staßfurt, Solvay, die Salzsteuer. Beide Reihen sind nach Jahren ineinander sortiert; wer nur eine sehen will, schaltet um. Nicht jedes Ereignis rechts hat einen Bezug nach links; wo einer besteht, sagt der Text ihn, und er sagt auch, wenn die Parallele nur eine Analogie ist.

Die Ereignisse der Salzbibel selbst — 1300, 1489, 1538, 1540, 1550, 1567, 1586 — stehen in der linken Spalte; ihre Quelle ist dort das Faksimile. Für alles andere gelten die genannten Quellen, und der Belegstatus (belegt, überliefert, umstritten, assoziativ) sagt, wie weit man ihnen trauen sollte.

Die Zeitschiene

Auf breiten Bildschirmen stehen die Ereignisse des Ortes links, die der weiteren Welt rechts; auf schmalen untereinander. Die Filter grenzen nach Ebene, Jahrhundert, Zeitraum und Stichwort ein; die Liste wird seitenweise gezeigt.

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141 Ereignisse

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  • um 1500–400 v. Chr.
    Weitere Welt · Salz

    Hallstatt: der älteste Salzbergbau der Welt

    Im Salzberg über Hallstatt lässt sich Bergbau ab etwa 1500 v. Chr. nachweisen; eine erhaltene Holztreppe ist dendrochronologisch auf 1344/1343 v. Chr. datiert. Wer die Werra-Saline für eine hessische Kuriosität hält, unterschätzt das Alter der Branche: Salzgewinnung war schon in der Bronzezeit organisierter Großbetrieb mit Fernhandel, nicht Selbstversorgung. Das Gräberfeld wurde von 800 bis 400 v. Chr. belegt, hochgerechnet liegen dort 5.000 bis 6.000 Bestattungen, die Beigaben stammen aus dem halben Mittelmeerraum. Salz erzeugt Fernhandel, Fernhandel erzeugt Eliten — 2.500 Jahre vor der Allendorfer Bergordnung.

    Quellen: Hallstatt (Archäologie) — Wikipedia

  • Mitte 4. Jh. v. Chr.
    Weitere Welt · Salz assoziativ

    Ein Schuttstrom beendet Hallstatt

    Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. kommt der Salzabbau in Hallstatt durch einen Schuttstrom abrupt zum Erliegen. Salzorte sind verletzlich, und Bad Sooden-Allendorf wird dieses Muster zweimal erleben: 1637 im Feuer, 1906 in der Stilllegung. Eine Naturkatastrophe, ein Krieg oder ein Preisverfall genügen, und tausend Jahre Betrieb enden binnen einer Saison. Die Parallele ist eine Analogie, keine Kausalität.

    Das Ereignis ist nur auf die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. eingegrenzt. Eingeordnet auf 350 v. Chr. als Mittelwert.

    Quellen: Hallstatt (Archäologie) — Wikipedia

  • Antike (Datierung offen)
    Weitere Welt · Salz

    Via Salaria — die Straße, die nach Salz heißt

    Die römische Via Salaria führte auf rund 242 Kilometern von der Porta Salaria in Rom über Rieti und Ascoli Piceno an die Adria; ihr Name kommt vom lateinischen Wort für Salz. Was 1876 in Bad Sooden-Allendorf mit der Eisenbahn geschieht, geschah in der Antike schon einmal: Salz zieht Verkehrswege an sich, statt ihnen zu folgen. Die Sabiner holten Salz aus den Sümpfen der Tibermündung, von der Adriaseite kam Salz in die Gegenrichtung. Salz baut Infrastruktur — nicht umgekehrt.

    Die Straße hat kein Gründungsjahr. Eingeordnet in die römische Republik, um sie vor der Kaiserzeit zu zeigen.

    Quellen: Via Salaria — Wikipedia (en)

  • 117/115 v. Chr.
    Weitere Welt · Politik

    China verstaatlicht das Salz

    Unter Kaiser Wu führt die Han-Dynastie 117 beziehungsweise 115 v. Chr. das staatliche Salz- und Eisenmonopol ein — offiziell, um private Vermögen zu verhindern, die mit dem des Kaiserhofes rivalisierten, faktisch zur Kriegsfinanzierung. Damit beginnt die Denkfigur, die 1.400 Jahre später als Salzregal in Allendorf ankommt: Wer das Salz kontrolliert, hat eine Einnahme, der niemand ausweichen kann. Von hier führt eine Linie über die französische Gabelle bis zu Gandhis Salzmarsch 1930.

    Quellen: Wirtschaftsgeschichte der Han-Dynastie — Wikipedia

  • 81 v. Chr.
    Weitere Welt · Politik

    Die Debatte über Salz und Eisen

    Am Han-Hof wird 81 v. Chr. offen gestritten, ob das Salzmonopol noch nötig sei; die Debatte ist als Yantie lun überliefert. Die Reformer gewannen knapp, geändert hat sich nichts — aufgehoben wurde das Monopol erst 44 v. Chr. und schon 41 v. Chr. wieder eingeführt. Es sind exakt die Argumente, die 1866/67 in Kurhessen und im Norddeutschen Bund noch einmal ausgetauscht werden, als das Salzmonopol dort tatsächlich fällt.

    Quellen: Wirtschaftsgeschichte der Han-Dynastie — Wikipedia

  • 58 n. Chr.
    Vor Ort · Salz umstritten

    Der Streit um den salzführenden Grenzfluss

    Tacitus berichtet in den Annalen XIII,57 von einer großen Schlacht zwischen Chatten und Hermunduren um einen Fluss, der „durch Salzerzeugung ergiebig“ und zugleich Grenze war. Er beschreibt sogar das Verfahren: Sole werde über einen brennenden Holzstoß gegossen, und aus dem Widerstreit von Feuer und Wasser gerinne das Salz. Einen Fluss- oder Ortsnamen nennt er nicht, ebensowenig eine Zahl von Gefallenen — die berühmten 60.000 stehen in der Germania und betreffen ganz andere Stämme. Die Zuordnung zur Werra bei Sooden ist alt: Johannes Rhenanus argumentiert sie 1586 im ersten Buch der Salzbibel ausführlich aus — gegen Halle und Frankenhausen, mit dem Argument, die Chatten hätten eigene Salzbrunnen gehabt und seien zu klug gewesen, dafür durch Feindesland zu ziehen. Er selbst nennt das Ergebnis am Ende „Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken“. Seit Rafael von Uslar 1938 hat die hessische Landesforschung die These wieder aufgegriffen; belegen lässt sie sich nicht, und Wilhelm Niemeyer nannte die Frage schon 1955 „ergebnislos“.

    Quellen: Rhenanus, Salzbibel, Bd. 1, Bl. 36r–39v — Digitalisat der UB Kassel (ORKA) Tacitus, Annales XIII (lat. Volltext) W. Niemeyer, Die Stammessitze der Chatten (1955), PDF Schlacht zwischen Hermunduren und Chatten — Wikipedia

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 58 n. Chr.
    Weitere Welt · Krieg teilweise

    Ein Fluss, der Salz führt — und ein Historiker, der zuhört

    Tacitus berichtet, Hermunduren und Chatten hätten um einen salzführenden Grenzfluss gekämpft und die Gegner vorab den Göttern geweiht; er siedelt das Ereignis in der Regierungszeit Neros an. Das lokale Ereignis existiert überhaupt nur, weil ein römischer Historiker es aufschrieb — und Rom sah der gegenseitigen Vernichtung der germanischen Nachbarn mit Interesse zu. Die Lokalisierung an der Werra ist bis heute umstritten, Saale und Fulda werden ebenso genannt. Für die Timeline zählt nicht der Ort, sondern der Befund: Salzquellen waren im 1. Jahrhundert Kriegsgrund.

    Quellen: Battle between the Hermunduri and the Chatti — Wikipedia (en) Die Germania des Tacitus — Wikisource

  • 744
    Weitere Welt · Politik

    Fulda wird gegründet

    Sturmi gründet 744 im Auftrag des Bonifatius das Kloster Fulda; nach der Ermordung des Bonifatius am 5. Juni 754 in Dokkum wird sein Leichnam dorthin überführt. Ohne dieses Kloster gäbe es die Ersterwähnung von „Westera“ nicht, denn nur Fulda führte in dieser Gegend Buch. Wallfahrtsort und Machtzentrum in einem — und ein Archiv, das Besitz dokumentierte.

    Quellen: Kloster Fulda — Wikipedia

  • 4. November 751
    Weitere Welt · Politik

    Das Zachariasprivileg

    Papst Zacharias stellt Fulda am 4. November 751 unter direkten päpstlichen Schutz und entzieht es der bischöflichen Jurisdiktion. Damit wird das Kloster ein eigenständiger Machtfaktor, der Besitz sammeln kann und muss — genau der Mechanismus, durch den ein Ort an der Werra in eine Fuldaer Urkunde gerät. Kirchenrechtliche Autonomie ist hier die Vorbedingung für Grundbesitz.

    Quellen: Kloster Fulda — Wikipedia

  • 772–804
    Weitere Welt · Krieg assoziativ

    Karls Sachsenkriege

    Karl der Große führt von 772 bis 804 Krieg gegen die Sachsen. Die Werra-Region liegt im Vorfeld dieser Kriege, an der Nahtstelle zwischen fränkisch gesichertem und umkämpftem Gebiet — wer hier schenkt, sichert eine Nachschub- und Missionsachse. Das erklärt, warum ausgerechnet in diesen Jahrzehnten geschenkt und beurkundet wurde. Der strategische Zusammenhang ist plausibel, für „Westera“ aber nicht urkundlich ausgesprochen.

    Quellen: Kloster Fulda — Wikipedia

  • 774–777
    Weitere Welt · Politik

    Karl verleiht Fulda die Immunität — und lässt missionieren

    774 gewährt Karl der Große dem Kloster Fulda kirchliche Immunität, am 7. Januar 777 folgen Besitzungen in und um Hammelburg; unter Abt Sturmi läuft 775 bis 777 die Christianisierung sächsischer Gebiete von Fulda aus. In dieselben Jahrzehnte fällt der Aufbau jener Fuldaer Güterlandschaft, in der „Westera“ auftaucht. Klosterbesitz an Flussübergängen und Salzstellen ist dabei Logistik, nicht Frömmigkeit.

    Quellen: Kloster Fulda — Wikipedia

  • 768/779
    Vor Ort · Salz ueberliefert

    Karl der Große schenkt Westera an Fulda

    König Karl schenkt dem Kloster Fulda den Ort Westera an der Werra — mit einer Saline, Markt und Zoll, dazu 66 Halbfreienhufen, 34 Kolonen, zwei Mühlen und vier Fischern. Das ist der älteste sichere Beleg dafür, dass hier Salz gewonnen wurde. Die Urkunde trägt kein eigenes Datum; die Edition datiert sie deshalb auf den Rahmen 768/779, nicht auf das lokal beliebte „776“. Und sie ist im Original nicht erhalten: Überliefert ist sie allein im Codex Eberhardi, einem Fuldaer Kopiar von etwa 1160, dessen Kaiser- und Königsurkunden als besonders bearbeitungsverdächtig gelten.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Westera Codex Eberhardi — Wikipedia

  • um 800
    Vor Ort · Kirche

    Auch Hersfeld besitzt Güter „in Westari“

    Das Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld nennt um 800 Güter „in Westari“. Diese zweite, von Fulda unabhängige Bezeugung taucht in der lokalen Erzählung fast nie auf, ist quellenkritisch aber wertvoll: Sie stützt die Existenz des Ortes, ohne vom Codex Eberhardi abzuhängen. Das Werragebiet war damit von beiden großen Reichsabteien durchsetzt — Fulda seit 744, Hersfeld seit 769.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Westera

  • 8./9. Jh., überliefert 12. Jh.
    Weitere Welt · Wissenschaft

    Der Codex Eberhardi — und die Quellenfalle

    Fuldas frühe Besitzstände sind großenteils erst durch den Mönch Eberhard im 12. Jahrhundert überliefert, der alte Urkunden oft zugunsten des Klosters modifizierte. Jede Ersterwähnung aus Fuldaer Tradition — auch die von Westera und Sooden — ist deshalb grundsätzlich mit Vorsicht zu datieren. Dieser Vorbehalt gehört in die Timeline und nicht in eine Fußnote: Die älteste Zahl der Stadtgeschichte steht auf dem unsichersten Papier.

    Der Vorgang gehört ins 8./9. Jahrhundert, die Überlieferung ins 12. Eingeordnet beim Ereignis, nicht bei der Abschrift.

    Quellen: Codex Eberhardi — Wikipedia

  • 1093
    Vor Ort · Salz

    Die Siedestelle bekommt einen eigenen Namen

    Erstmals erscheint „Sothen“ — von Soth, dem Brunnen. Damit löst sich die Salzsiedestelle links der Werra namentlich aus dem alten Siedlungskomplex Westera heraus. Über die folgenden Jahrhunderte wandelt sich die Form weiter: Sothe (1195), zu den Soden (1284), Zoden (1317), Sodenn (1585), schließlich Sooden. Westera selbst verschwindet im 13. Jahrhundert und wird von LAGIS als Wüstung geführt.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Sooden

  • 1158
    Weitere Welt · Salz

    Ronkalische Gesetze: Salz wird Regal

    Friedrich Barbarossa nimmt 1158 auf den Ronkalischen Feldern das Salzregal unter die königlichen Hoheitsrechte auf. Damit wird das Salz rechtlich vom Grundeigentum getrennt — und die Bergordnung Heinrichs I. von 1300 ist keine hessische Erfindung, sondern die lokale Ausführung dieses reichsweiten Vorgangs. Ab dem 13. Jahrhundert wandert das Regal von den Königen an die Territorialfürsten. Von hier laufen 835 Jahre bis zur Abschaffung der Salzsteuer 1993.

    Quellen: Salzregal — Wikipedia

  • 1192/1216
    Vor Ort · Salz

    Fulda gibt die Salzgüter aus der Hand

    Das Kloster Fulda vergibt seine Güter zu „Westra“ als Lehen an Landgraf Hermann I. von Thüringen. Das ist der eigentliche Scharnierakt: Die Lehnshoheit bleibt formal beim Kloster, die tatsächliche Verfügung über Sole und Siedestelle wandert an die Landgrafen. Fuldas Obereigentum wird 1338/1356 obsolet — im Codex Eberhardi hatte das Kloster seine Rechte an Westera vorsorglich gleich an sechs Stellen dokumentiert.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Westera LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf

  • 12.–16. Jahrhundert
    Weitere Welt · Salz

    Die Alte Salzstraße Lüneburg–Lübeck

    Vom 12. bis 16. Jahrhundert ist die Landroute Lüneburg–Lübeck einer der wichtigsten Handelswege Nordeuropas; Lüneburger Salz ist die Grundlage des Heringshandels, Hauptabnehmer war der Markt in Falsterbo. Allendorf spielt in derselben Branche, aber zwei Ligen tiefer — es beliefert eine Region, nicht einen Kontinent. Salz konserviert Fisch, Fisch ernährt das mittelalterliche Europa an Fastentagen. Auch Venedigs Staatsfinanzen ruhen in diesen Jahrhunderten zu einem guten Teil auf Salz.

    Ein Handelsweg über vier Jahrhunderte. Eingeordnet an seinen Anfang im 12. Jahrhundert.

    Quellen: Alte Salzstraße — Wikipedia La politica del sale — Treccani, Storia di Venezia

  • 1217–1227
    Weitere Welt · Politik

    Ludwig IV. — ein junger Landgraf und sein früher Tod

    Nach dem Tod Hermanns I. tritt Ludwig IV. 1217 die Regierung an und heiratet 1221 Elisabeth von Ungarn; 1227 bricht er zum Kreuzzug Friedrichs II. auf und stirbt am 11. September in Otranto. Die Allendorfer Kirchenschenkung von 1218 stammt von einem Herrscher, der seine Macht gerade erst absichern musste — und der neun Jahre später tot war. Genau deshalb wurden Urkunden geschrieben: Lokale Privilegien überleben ihre Aussteller. Seine Witwe Elisabeth wird 1235 heiliggesprochen.

    Quellen: Ludwig IV. (Thüringen) — Wikipedia

  • 1218
    Vor Ort · Kirche

    Erste Nennung von Aldendorf — in einer Kirchenschenkung

    Landgraf Ludwig IV. von Thüringen schenkt die bereits bestehende Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz in „Aldendorf“ dem Katharinenkloster Eisenach. Das ist die Erstnennung des Namens, und es ist eine Kirchen-, keine Stadtrechtsurkunde: Ein Stadtrechtsprivileg dieses Jahres ist nirgends überliefert. Die Urkunde beweist im Gegenteil, dass der Ort schon vorher bestand — eine Pfarrkirche verschenkt man nicht in eine leere Wiese. Der Name selbst, „zum alten Dorf“, bezieht sich auf das benachbarte Westera.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf Verein für Heimatkunde BSA, St. Crucis

  • 1248
    Vor Ort · Krieg

    Die Westerburg im Erbfolgekrieg

    Herzog Albrecht von Sachsen erhält vom Kloster Fulda das castrum „Westerberch“ zu Lehen, dazu die fuldischen Lehen zu Allendorf. Das geschieht mitten im Thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247–1264), in dem Otto I. von Braunschweig die Werralinie besetzte. Ein Ortsadel der Westerburg ist für 1248 bis 1273 bezeugt — 1265 ist die Burg bereits zerstört. Die lokale Erzählung, es habe dort schon vor dem 12. Jahrhundert eine Schutzburg für das Salzwerk gegeben, ist unbelegt; urkundlich fassbar ist die Burg nur in diesen 17 Jahren.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Westerburg Thüringisch-hessischer Erbfolgekrieg — Wikipedia

  • 13. Jahrhundert
    Vor Ort · Wirtschaft

    Allendorf schlägt eigene Münzen

    Im 13. Jahrhundert ist Allendorf Münzstätte und prägt Brakteaten. Das ist ein Rangindikator ersten Ranges — Münzrecht bekommt kein Marktflecken, sondern ein Umschlagplatz mit erheblichem Geldverkehr, und genau das war eine Salzstadt. Um 1460 wandert die Funktion nach Eschwege ab. In der örtlichen Heimatliteratur fehlt dieses Detail vollständig; es steht nur im Historischen Ortslexikon.

    Genaues Prägejahr nicht überliefert. Eingeordnet in die Mitte des 13. Jahrhunderts, aus dem die Brakteatenfunde stammen.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf

  • 1252
    Vor Ort · Stadt

    Die Bürger siegeln mit eigenem Stadtsiegel

    Allendorfer Bürger urkunden „sigilli nostre civitatis“ — mit dem Siegel unserer Stadt. Das ist der erste harte Beleg für den Stadtstatus, nicht das oft genannte Jahr 1218. LAGIS beschreibt Allendorf als regelmäßig angelegte Gründungsstadt der thüringischen Landgrafen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit einem planmäßigen Rippenschema als Grundriss. 1272 folgt die Gerichtsverfassung mit Schultheiß, zwölf Schöffen und sieben Bürgern; um dieselbe Zeit entsteht die halbkreisförmige Stadtmauer mit Wahlhäuser Tor, Steintor und dem Brückentor nach Sooden.

    Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • 1252
    Weitere Welt · Wirtschaft assoziativ

    Florenz prägt den Fiorino d’oro

    1252 beginnt Florenz mit der Prägung des Fiorino d’oro aus 3,54 Gramm Feingold — der ersten international zirkulierenden Goldmünze des lateinischen Europa und Vorbild aller späteren Goldgulden. Im selben Jahr siegelt Allendorf erstmals, und eine Stadt, die siegelt und später münzt, hängt am selben Geldkreislauf, der hier neu anspringt. Europa kehrt nach 500 Jahren zur Goldwährung zurück, weil der Handel es erzwingt. Die Gleichzeitigkeit ist eine Parallele, keine Ursache.

    Quellen: Florentiner (Goldmünze) — Wikipedia

  • 1254
    Weitere Welt · Politik

    Rheinischer Städtebund

    Im Interregnum schließen sich 1254 rheinische Städte zu einem Bund zusammen, um Landfrieden und Handelswege ohne königliche Hilfe zu sichern. Das erklärt, wozu ein Stadtsiegel wie das Allendorfer von 1252 überhaupt gut ist: Es macht die Bürgerschaft urkundsfähig und damit politisch handlungsfähig. Städte werden in diesen Jahrzehnten von Objekten der Herrschaft zu Akteuren.

    Quellen: Rheinische Städtebünde — Historisches Lexikon Bayerns

Zur Datierung der Salzbibel selbst

Die Zeitschiene setzt das Werk auf 1567/68 bis 1585 mit Reinschrift 1586. Das ist eine Vereinfachung, und die Handschrift selbst widerspricht sich: Der Zettel auf Blatt 1 des dritten Bandes sagt 1568 angefangen, 1574 fertig; der Auftrag datiert vom 24. Februar 1567; die jüngste Urkunde im Werk stammt vom 3. Mai 1586; Rhenanus starb am 29. April 1589. Am ehesten trifft alles zu: 1574 war die Sammlung abgeschlossen, danach wurde ins Reine geschrieben und weiter nachgetragen. Wer eine Jahresangabe braucht, fährt am besten mit „1567–1586, fortgeschrieben“ — so steht es auf der Seite Editionsgrundsätze.

Korrekturen und Ergänzungen zu dieser Seite nimmt das Feedbackformular entgegen; Näheres zur Arbeitsweise steht auf der Seite Editionsgrundsätze.

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