Forschung
Chronologie
Der Ort und die Welt, Jahr für Jahr nebeneinander
Zwei Zeitschienen
Die linke Spalte gehört dem Ort: 72 datierte Ereignisse von der Salzschlacht des Tacitus bis zum Ortsschild von 2026, mit Belegstatus und Quellen. Die rechte gehört der weiteren Welt: 69 Ereignisse der Salz-, Rechts-, Landes- und Kurgeschichte, die den Ort einordnen — Hallstatt, die Ronkalischen Gesetze, die Holzkrise des 16. Jahrhunderts, Staßfurt, Solvay, die Salzsteuer. Beide Reihen sind nach Jahren ineinander sortiert; wer nur eine sehen will, schaltet um. Nicht jedes Ereignis rechts hat einen Bezug nach links; wo einer besteht, sagt der Text ihn, und er sagt auch, wenn die Parallele nur eine Analogie ist.
Die Ereignisse der Salzbibel selbst — 1300, 1489, 1538, 1540, 1550, 1567, 1586 — stehen in der linken Spalte; ihre Quelle ist dort das Faksimile. Für alles andere gelten die genannten Quellen, und der Belegstatus (belegt, überliefert, umstritten, assoziativ) sagt, wie weit man ihnen trauen sollte.
Die Zeitschiene
Auf breiten Bildschirmen stehen die Ereignisse des Ortes links, die der weiteren Welt rechts; auf schmalen untereinander. Die Filter grenzen nach Ebene, Jahrhundert, Zeitraum und Stichwort ein; die Liste wird seitenweise gezeigt.
- ab 1264Vor Ort · Grenze
Allendorf wird endgültig hessisch
Nach siebzehn Jahren Erbfolgekrieg steht Allendorf unbestritten unter der Herrschaft der Landgrafen von Hessen. Heinrich das Kind, Enkel der heiligen Elisabeth, erhält die Städte im Werratal und begründet die eigenständige Landgrafschaft Hessen; Thüringen und Meißen gehen an die Wettiner. Die Werra bleibt damit, was sie schon in der Antike gewesen sein soll: eine Grenze. Erst 1990 hört sie auf, eine zu sein.
Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf Thüringisch-hessischer Erbfolgekrieg — Wikipedia
- um 1280 / 1368Weitere Welt · Salz
Wieliczka: Salz als Drittel des Staatshaushalts
In Wieliczka wird um 1280 der Goryszowski-Schacht abgeteuft, nachdem die Salzquellen erschöpft waren und man untertage auf Steinsalz stieß; in der Blüte erwirtschaftete das Werk ein Drittel der polnischen Staatseinnahmen. Als Kasimir der Große 1368 dort eine Bergordnung erlässt, ist die Allendorfer Bergordnung von 1300 bereits 68 Jahre alt. Das ist die stärkste Aufwertung, die der lokale Eintrag bekommen kann: Der Ort war früh dran, nicht spät.
Quellen: Salzbergwerk Wieliczka — Wikipedia
- 1295Vor Ort · Kirche
Ein Pfarrer für die Salzarbeiter
In Sooden wird ein Pfarrer an der Marienkirche erwähnt — der erste harte Beleg dafür, dass die Werkssiedlung jenseits der Werra eine eigene Seelsorge hatte. Über das Gebäude sagt das wenig: LAGIS datiert die spätgotische Hallenkirche ins 14., Wikipedia ins 15. Jahrhundert, und die Institution kann älter sein als der Bau. St. Marien hatte reservierte Sitzplätze für die Salzbeamten, und das Salzwerkswappen erscheint bis heute in den Fensterrosen. Die von Rhenanus verbreitete Behauptung, Bonifatius habe die Kirche geweiht, gilt als nicht haltbar.
Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Sooden St. Marien (Bad Sooden-Allendorf) — Wikipedia
- 1. Mai 1300Vor Ort · Salz
Die erste Bergordnung eines hessischen Landesherrn
Landgraf Heinrich I., der erste Landgraf von Hessen, erlässt eine Verordnung über das Salzwerk zu Sooden und bestätigt darin die Privilegien der „Geburen“, der Gebauerschaft: ausschließliche Nutzung der Solequelle und Betrieb von 42 Pfannen. Zugleich nimmt er das Salzregal für sich in Anspruch — und genau deshalb gilt die Urkunde in der hessischen Bergrechtsgeschichte als die erste bergrechtliche Verfügung eines Landesherrn überhaupt. Der zuständige Beamte hieß hier nicht Bergvogt, sondern Salzgraf.
Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Sooden H. Schade, Über 700 Jahre Bergbehörde in Hessen (PDF)
- 1346–1353Weitere Welt · Wirtschaft
Von Kaffa nach Europa: der Schwarze Tod
1346 belagert die Goldene Horde die genuesische Hafenstadt Kaffa auf der Krim, von dort verbreitet sich der Erreger über die Mittelmeer-Handelswege: 1347 Messina, Konstantinopel und Kairo, Frühjahr 1348 Paris, 1349 der deutsche Raum. Dieselben Fernhandelsnetze, die Salz verteilen, verteilen die Seuche — die Anbindung, die einen Salzort reich macht, macht ihn auch angreifbar. Geschätzt 25 Millionen Tote, etwa ein Drittel Europas; für Deutschland wird etwa jeder zehnte Einwohner genannt.
Quellen: Schwarzer Tod — Wikipedia
- 1348/49Vor Ort · Stadt unsicher
Der Schwarze Tod — und was hier nicht überliefert ist
Als die Pest durch Europa zieht und in vielen hessischen Städten Judenpogrome folgen, schweigen die Quellen für Allendorf und Sooden vollständig. LAGIS verzeichnet eine Pest ausschließlich für 1637/38, und der erste namentlich gezählte Jude erscheint in Allendorf erst 1646 — rund 300 Jahre nach dem Schwarzen Tod. Es gab hier also weder eine belegte Pestwelle noch eine jüdische Gemeinde, die von einem Pogrom hätte betroffen sein können. Ein Argument aus dem Schweigen bleibt es trotzdem: Das städtische Archiv vor 1637 ist verbrannt.
Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Allendorf Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline
- 1348/1349Weitere Welt · Politik assoziativ
Die Pogrome
Schon vor der Seuche selbst kommen die Verfolgungen: Palmsonntag 1348 Toulon, Januar 1349 Basel, Februar 1349 Straßburg mit 900 von 1.884 ermordeten Juden, März bis Juli 1349 Worms und Frankfurt. Die Pest tötet — die Erklärungssuche tötet mit, und dieselbe Logik kehrt 590 Jahre später in Allendorf wieder, als die Synagoge verwüstet und Rudolf Bodenheim deportiert wird. Dies ist eine bewusst gesetzte Rückblende, kein Kausalzusammenhang.
Quellen: Schwarzer Tod — Wikipedia Synagogen in Hessen — Alemannia Judaica
- 1370Vor Ort · Kirche
Ein Erfurter stiftet das Heilig-Geist-Hospital
Ein Erfurter Bürger stiftet in Allendorf das Hospital „Zum Heiligen Geist“. Dass ausgerechnet ein Auswärtiger aus Thüringen hier stiftet, sagt etwas über die Reichweite der Stadt: Wer in Erfurt Geld verdiente, hatte mit Allendorfer Salz zu tun. Ein eigenes Kloster gab es am Ort nie, wohl aber drei Bettelordens-Termineien — Franziskaner, Dominikaner und Wilhelmiten sammelten hier.
- 1398Weitere Welt · Salz
Der Stecknitz-Kanal
Mit der Fertigstellung des Stecknitz-Kanals 1398 verlagert sich der Lüneburger Salztransport vom Land- auf den Wasserweg. Damit beginnt die Logik, die 1876 und 1906 über Bad Sooden-Allendorf entscheiden wird: Transportkosten bestimmen Salzpreise, und Salzpreise bestimmen, welche Saline überlebt. Wer billiger transportiert, verdrängt den, der nur billiger siedet.
Quellen: Alte Salzstraße — Wikipedia
- 1413Vor Ort · Salz
Zum ersten Mal heißen sie „phenner“
Erst jetzt erscheint der Begriff, der die Stadt vier Jahrhunderte lang prägen wird: die Pfänner, eine Genossenschaft aus Adligen und Kaufleuten der umliegenden Regionen mit Ausschließlichkeitsrechten an der Sole. 1300 hatte die Urkunde noch von den „Geburen“ gesprochen. Die Mitgliedschaft war nur durch Erbgang oder Heirat zu erwerben, dazu kamen Konkurrenzverbot im Umkreis einer Meile, eigene Gerichtsbarkeit und das Recht, Schöffen und Kirchenvorsteher zu benennen. Kapital und Wohnsitz lagen in Allendorf, die Produktion drüben in Sooden.
Quellen: LAGIS, Historisches Ortslexikon: Sooden Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline
- 1424–1476Vor Ort · Kirche
Zweiundfünfzig Jahre am Turm von St. Crucis
Ein Steinmetzzeichen im Turmbereich nennt den 24. Mai 1424 als Grundsteinlegung, ein zweites in 32,50 Meter Höhe die Jahreszahl 1476. Dazwischen liegen zweiundfünfzig Baujahre — finanziert aus dem Salz. 1506 folgt der letzte größere vorreformatorische Bauabschnitt, datiert an zugemauerten Türen der Nordwand.
Quellen: Ev. Kirchengemeinde BSA, Abriss St. Crucis Verein für Heimatkunde BSA, St. Crucis
- 1469Vor Ort · Stadt
Die Zünfte kommen in den Rat
Landgraf Ludwig II. erlässt eine neue Stadtordnung: jährlich wechselnde Räte und gleichberechtigte Beteiligung der Zünfte an der Ämterbesetzung. Damit endet das Monopol des Patriziats — in einer Stadt, in der das Patriziat weitgehend identisch war mit der Pfännerschaft. Sieben Jahre später verzeichnet die niederhessische Zollstätte Allendorf ein Aufkommen von 131 Pfund.
- 1489–1491Vor Ort · Salz ueberliefert
Vier Räder von sieben Metern
Der „Neue Salzborn“ wird gefasst, ein Solgraben ausgehoben, und zum ersten Mal treibt die Werra selbst das Salzwerk an: vier eichene Wasserräder von je rund sieben Metern Durchmesser ersetzen die Handschöpfung. Die Sole kam aus etwa sieben Metern Tiefe und lief über eine offene Ringleitung und zwei Rinnen zu den damals 42 Siedehütten. Ihr Salzgehalt lag bei mageren fünf Prozent — das Sieden musste daraus 22 Prozent machen, das sogenannte Siedeloth. Die Angaben stammen aus der Chronik des Heimatvereins, der seine Daten selbst als nicht urkundlich belegbar bezeichnet.
Quellen: Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline Salzmuseum BSA, Geschichte der Saline
- 1492–1550Weitere Welt · Wirtschaft teilweise
Neue Welt, neues Silber, neue Preise
Die Erschließung Amerikas und der Silberzufluss lösen im 16. Jahrhundert die europäische Preisrevolution aus: Geldentwertung, steigende Getreidepreise, wachsender Fiskalbedarf der Fürsten. Als Landgraf Philipp 1538 den Allendorfer Pfännern das Salz entzieht, handelt er nicht aus Willkür, sondern aus dem Zwang eines Staates, der verlässliche Einnahmen braucht — und Salz ist die verlässlichste. Diese Rahmung ist makroökonomisch, ein hessischer Einzelnachweis fehlt.
Quellen: Salzregal — Wikipedia
- 23. Juni 1524Weitere Welt · Krieg
Der Bauernkrieg beginnt
Der Aufstand beginnt am 23. Juni 1524 im Wutachtal bei Stühlingen und erfasst binnen Monaten den Süden und die Mitte des Reichs. Die Zwölf Artikel von Memmingen sind Beschwerdeschrift, Reformprogramm und politisches Manifest in einem — und die Welle erreicht auch das Werratal. Was in Allendorf 1525 geschieht, ist Teil der größten sozialen Erhebung Mitteleuropas vor 1789.
Quellen: Deutscher Bauernkrieg — Wikipedia
- 15. Mai 1525Weitere Welt · Krieg
Frankenhausen
Am 15. Mai 1525 werden die Bauernhaufen bei Frankenhausen vernichtend geschlagen, Thomas Müntzer wird am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet; insgesamt sterben 70.000 bis 75.000 Menschen. Landgraf Philipp von Hessen gehört zu den Siegern — und genau das ist die Voraussetzung dafür, dass er 1538 das Salzregal gegen die Allendorfer Pfänner durchsetzen kann. Er geht aus 1525 als militärisch dominante, ständisch kaum kontrollierte Macht hervor.
Quellen: Deutscher Bauernkrieg — Wikipedia Philipp I. (Hessen) — Wikipedia
- 21.–23. Oktober 1526Weitere Welt · Politik
Die Homberger Synode
Philipp I. beruft für den 21. bis 23. Oktober 1526 die Homberger Synode ein — eine der ersten reformatorischen Synoden überhaupt, Vorbild für Frankreich, die Schweiz, die Niederlande und Schottland. Die Reformation kommt 1527 nicht als Volksbewegung nach Allendorf, sondern als Vollzug einer landesherrlichen Entscheidung: Der Fürst entscheidet, dann folgt die Stadt. Die Kirchenordnung wurde nie eingeführt, Luther lehnte sie ab; durchgeführt wurde die Säkularisierung der Klöster.
Quellen: Homberger Synode — Wikipedia
- 16. Oktober 1527Vor Ort · Kirche
Die Reformation kommt nach Allendorf
Ein Jahr nach der Homberger Synode führen die Reformatoren Justus Winter und Johannes Kymaeus in Allendorf die evangelische Ordnung ein. Was damit endete, zeigt das Inventar von St. Crucis aus dem Jahr 1525: mehrere Kelche, ein Weihrauchfass, ein Altarkreuz und drei Splitter, die als Partikel des Kreuzes Christi galten. Das Patrozinium Heilig-Kreuz und vermutlich eine Reliquienwallfahrt gehören zusammen — beides brach jetzt ab.
Quellen: Ev. Kirchengemeinde BSA, Abriss St. Crucis Homberger Synode — Wikipedia
- 1538Vor Ort · Salz
Der Fürsten-Soth
Landgraf Philipp der Großmütige beansprucht das Salzregal für sich und errichtet 40 eigene Siedekoten neben den 42 der Pfännerschaft. Im selben Solerevier stehen sich nun 82 Pfannen gegenüber, bürgerliche und fürstliche — und beide ziehen aus derselben, mengenmäßig begrenzten Quelle. Der Fürsten-Soth war deshalb von Anfang an keine Ergänzung, sondern Konkurrenz. Im selben Jahr erhält Sooden einen eigenen Schultheißen.
Quellen: Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline LAGIS, Historisches Ortslexikon: Sooden
- 1540Vor Ort · Person
Der Pfarrer, der über die Doppelehe stürzte
Theodor Fabricius, seit 1536 Pfarrer in Allendorf, prangert von der Kanzel die Doppelehe des Landgrafen an — und wird verhaftet. Er war Schuhmacher gewesen, bevor ihn die Arthritis zum Studium zwang; in Wittenberg hatte er bei Luther und Melanchthon gehört. Nach der Freilassung lehrt er Hebräisch in Wittenberg und wird 1544 auf Luthers Empfehlung Superintendent in Zerbst. Im selben Jahr, in dem der Landesherr den Allendorfer Pfarrer einsperren ließ, unterschrieb er den Pachtvertrag über die Allendorfer Salzpfannen.
Quellen: Theodor Fabricius — Wikipedia Deutsche Biographie: Theodor Fabricius
- 23. Dezember 1540Vor Ort · Salz
Erste Lokation: Der Landgraf pachtet die Pfannen
Philipp pachtet sämtliche Siedestätten der Pfännerschaft auf fünfzehn Jahre, gegen 200 Kammergulden je Kote und Jahr. Bürgen sind 25 Edelleute und 25 Städte — die Pfänner sahen also ein reales Ausfallrisiko und waren stark genug, Sicherheiten durchzusetzen. Enteignet wurden sie nicht: Das Eigentum blieb bei ihnen, nur die Verfügungsgewalt ging an den Landesherrn. Die Lokation fällt neun Monate nach Philipps Doppelehe in seine tiefste Finanz- und Erpressbarkeitskrise; ein kausaler Zusammenhang ist naheliegend, aber nicht belegt.
Quellen: Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline Doppelehe Philipps von Hessen — Wikipedia
- 1540Weitere Welt · Politik
Die Doppelehe Philipps
1540 heiratet Philipp I. neben seiner Frau Christine von Sachsen zusätzlich Margarethe von der Saale. Der Bigamie-Skandal macht den mächtigsten protestantischen Fürsten erpressbar — und ein Landesherr, der um seine Reputation kämpft, duldet keine Kanzelkritik, weshalb der Allendorfer Pfarrer Fabricius im selben Jahr verhaftet wird. 1541 muss Philipp sich in Regensburg dem Kaiser vertraglich annähern, was seine Rolle im Schmalkaldischen Bund dauerhaft schwächt.
Quellen: Philipp I. (Hessen) — Wikipedia
- 16. JahrhundertWeitere Welt · Energie
Die Holzkrise
Der Brennstoffbedarf der Salinen hat bis 1800 zur Abholzung ausgedehnter Waldgebiete geführt; schon im 16. Jahrhundert setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine Erhöhung des Solegehalts vor dem Sieden erhebliche Brennstoffeinsparungen bringt. Die Energiekrise ist die Mutter der Gradiertechnik — ohne sie gäbe es weder Rhenanus’ Gradierwerk noch die Kohleexperimente am Meißner. Alles, was in Sooden technisch erfunden wird, ist eine Antwort auf fehlendes Holz.
Eine Entwicklung über Jahrzehnte. Eingeordnet in die Mitte des 16. Jahrhunderts, als der Mangel die Salinentechnik zu ändern beginnt.
Quellen: Gradierwerk — Wikipedia
- 29. April 1554Vor Ort · Salz
Zweite Lokation und ein eigenes Wappen
Die Verpachtung wird um dreißig Jahre verlängert. Im selben Jahr erhält das Salzwerk eine Ämter- und Dienerordnung sowie ein eigenes Wappen von Landgraf Philipp — die Saline wird zur Institution mit eigener Verwaltung, eigenem Personal und eigenem Zeichen. Das Wappen erscheint bis heute zusammen mit Salinenwerkzeug in den Fensterrosen von St. Marien.
Quellen: Verein für Heimatkunde BSA, Geschichte der Saline Köbler, Rezension Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte Allendorf
- 1555Vor Ort · Person
Johannes Rhenanus kommt nach Sooden
Landgraf Philipp beruft den etwa 27-jährigen Melsunger Pfarrerssohn Johann Rheinlandt, latinisiert Rhenanus, zum Pfarrer von Sooden — und gibt ihm gleich Aufgaben im Salzwerk dazu. 1559 wird er Aufseher der Holzwirtschaft und Salzgraf, ab 1563 alleiniger. Beide Ämter, Kanzel und Saline, hält er bis zu seinem Tod, gegen allen Druck, sich zu entscheiden. Unter seiner Leitung verdoppelt sich die Salzproduktion auf über 2.000 Tonnen im Jahr.
Quellen: Deutsche Biographie: Johannes Rhenanus Johannes Rhenanus — Wikipedia Geschichtsverein Melsungen zu Rhenanus
Zur Datierung der Salzbibel selbst
Die Zeitschiene setzt das Werk auf 1567/68 bis 1585 mit Reinschrift 1586. Das ist eine Vereinfachung, und die Handschrift selbst widerspricht sich: Der Zettel auf Blatt 1 des dritten Bandes sagt 1568 angefangen, 1574 fertig; der Auftrag datiert vom 24. Februar 1567; die jüngste Urkunde im Werk stammt vom 3. Mai 1586; Rhenanus starb am 29. April 1589. Am ehesten trifft alles zu: 1574 war die Sammlung abgeschlossen, danach wurde ins Reine geschrieben und weiter nachgetragen. Wer eine Jahresangabe braucht, fährt am besten mit „1567–1586, fortgeschrieben“ — so steht es auf der Seite Editionsgrundsätze.
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