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Forschung

Begriffe und Fachsprache

Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes

Zwei Wortschätze

Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.

Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.

Das Glossar

Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.

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125 Begriffe

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  • Solebad

    Kur & Medizin

    Auch: Solebad, Soolbad, Sollbad, Salzbad

    Bad in erwärmter Sole; der Auftrieb entlastet Gelenke, das Salz wirkt auf Haut und Kreislauf.

    Ausführlich

    In konzentrierter Sole trägt das Wasser den Körper spürbar — Gelenke und Wirbelsäule werden entlastet, Bewegung fällt leichter. Das Salz wirkt zugleich auf die Haut und regt die Durchblutung an. Typische Indikationen sind rheumatische Beschwerden, Erkrankungen von Muskeln und Gelenken sowie Hauterkrankungen. Historisch ist das Solebad die naheliegende Zweitverwertung einer Saline: Die Infrastruktur war ohnehin da, nur der Zweck änderte sich.

    Siehe auch: Heilbad, Inhalation, Balneologie, Sanatorium

    Quelle: www.kurkliniken.de

  • Solebohrung

    Salinentechnik

    Auch: Salzbohrung, Bohrbrunnen, Tiefbohrung

    Tiefbohrung, um stärkere oder ergiebigere Sole zu erschließen, als sie oberflächennah austritt.

    Ausführlich

    Wenn die flachen Quellen mengenmäßig erschöpft sind, bleibt nur der Weg nach unten. Solebohrungen des 19. Jahrhunderts arbeiteten mit Stoßbohren: Ein schweres Meißelgestänge wird immer wieder angehoben und fallen gelassen, das Bohrklein wird ausgelöffelt. Diese Technik ist industriegeschichtlich hochbedeutsam — sie wurde direkt zur Vorlage der ersten Erdölbohrungen. Edwin Drake übernahm 1859 in Titusville ausdrücklich ein Vorgehen „nach Art der Salzbohrungen“.

    Siehe auch: Bohrturm, Bohrgestänge, Solequelle

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Soleleitung

    Salinentechnik

    Auch: Solerinne, Deichel, Sohlleitung, Ringleitung

    Rinnen- oder Rohrsystem, das Sole von Brunnen, Gradierwerk und Reservoir zu den Siedehäusern führt.

    Ausführlich

    Sole muss transportiert werden, und zwar möglichst ohne Verluste und ohne Verunreinigung. Historisch geschah das in offenen Holzrinnen oder gebohrten Deicheln. Wo größere Entfernungen zu überwinden waren, entstanden regelrechte Fernleitungen — die bekannteste ist die 32 km lange Leitung Reichenhall–Traunstein von 1617–1619. In Sooden blieben die Wege kurz, weil Quelle, Gradierwerk und Koten dicht beieinander lagen.

    Siehe auch: Reservoir, Solepumpe, Siedehaus

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Solepumpe

    Salinentechnik

    Auch: Kolbenpumpe, Solehebewerk, Pumpenkunst

    Kolbenpumpe, die Sole aus dem Brunnen hebt und auf Gradierwerk oder Reservoir fördert.

    Ausführlich

    Die Solepumpe ist der unscheinbare Dauerläufer jeder Saline: Sie muss korrosionsfest sein, weil gesättigte Sole Metall angreift, und sie läuft im Idealfall rund um die Uhr. Historisch waren es hölzerne oder ledergedichtete Kolbenpumpen, angetrieben von Hand, Göpel oder Wasserrad. Ihre Förderhöhe bestimmt, wie hoch ein Gradierwerk gebaut werden kann — Pumpentechnik und Bauhöhe entwickeln sich gemeinsam.

    Siehe auch: Wasserkunst, Rosskunst, Rollkunst, Reservoir

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Solequelle

    Salinentechnik

    Auch: Salzborn, Salzbrunnen, Soth, Sode, Salzquelle

    Austrittsstelle salzhaltigen Wassers; im Mittelalter Rechtsobjekt ersten Ranges, weil ortsgebunden und unvermehrbar.

    Ausführlich

    Eine Solequelle ist nicht beliebig vermehrbar — wer sie besitzt, besitzt die gesamte Wertschöpfung. Deshalb steht sie in Urkunden regelmäßig neben Markt und Zoll. In Sooden wurde die Sole zunächst aus etwa sieben Metern Tiefe geschöpft; 1489–1491 fasste man den „Neuen Salzborn“ neu. Später wurde tiefer gebohrt, weil die oberflächennahe Sole mengenmäßig begrenzt war. Der Ortsname Sooden stammt von Soth = Brunnen, Salzsiedestelle.

    Siehe auch: Sole, Soth, Solebohrung, Salzregal

    Quelle: www.lagis-hessen.de

  • Soth

    Salinentechnik

    Auch: Sode, Sod, Sothen, Zoden

    Altes Wort für Brunnen und Salzsiedestelle — der Ursprung des Ortsnamens Sooden.

    Ausführlich

    Soth oder Sode bezeichnet den Brunnen, die Sod- oder Siedestelle. Die Namensreihe des Ortes lässt sich lückenlos verfolgen: Sothen 1093, Sothe 1195, Soden 1284, Zoden 1317, Sodenn 1585, Die Sooden um 1710, Sooden 1747. Der Name sagt also wörtlich, was der Ort ist: die Stelle mit dem Salzbrunnen. In der Wendung „Fürsten-Soth“ von 1538 meint das Wort dann bereits einen ganzen Betrieb, nicht mehr nur den Brunnen.

    Siehe auch: Solequelle, Kote, Fürsten-Soth

    Quelle: www.lagis-hessen.de

  • Sperrgebiet

    Grenze & Teilung

    Auch: Sperrgebiet, 5-km-Sperrzone, Sperrzone

    Etwa 5 km breite Zone entlang der DDR-Grenze, die nur mit Passierschein betreten werden durfte.

    Ausführlich

    Mit der Verordnung vom 26. Mai 1952 riegelte die DDR einen rund fünf Kilometer breiten Streifen ab. Wer dort wohnte, brauchte einen Stempel im Personalausweis; wer zu Besuch wollte, einen Passierschein. Als „politisch unzuverlässig“ geltende Bewohner wurden ausgewiesen. Das Sperrgebiet veränderte den Alltag total: Es entwertete Grundstücke, unterbrach Wege zur Arbeit, zur Kirche, zur Verwandtschaft — und machte jeden Bewohner zum potenziellen Sicherheitsrisiko in den Augen des Staates.

    Siehe auch: Schutzstreifen, Aktion Ungeziefer, Innerdeutsche Grenze

    Quelle: de.wikipedia.org

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Stadtrecht

    Stadt & Verfassung

    Auch: Stadtrecht, Stadtprivileg, ius civitatis

    Rechtsstellung, die einer Siedlung Selbstverwaltung, eigene Gerichtsbarkeit und Marktfreiheit verschafft.

    Ausführlich

    Stadtrecht ist kein einzelnes Dokument, sondern ein Bündel: Rat und Bürgermeister, eigenes Gericht, Markt, Mauerbau, Steuerhoheit, Bürgerrecht. Es wurde meist nach dem Vorbild einer Mutterstadt verliehen. Entscheidend für die Forschung ist: Die Stadtwerdung ist ein Prozess, kein Datum — viele Städte haben nie eine Verleihungsurkunde besessen, sondern sind in den Status hineingewachsen. Der erste harte Beleg ist dann meist ein eigenes Stadtsiegel.

    Siehe auch: Stadtsiegel, Marktrecht, Privileg, Hauptsatzung

    Quelle: www.lagis-hessen.de

  • Stadtsiegel

    Stadt & Verfassung

    Auch: Stadtsiegel, sigillum civitatis, Ratssiegel

    Eigenes Siegel der Bürgerschaft — der handfeste Beweis, dass eine Gemeinde rechtsfähig handeln kann.

    Ausführlich

    Wer siegelt, urkundet; wer urkundet, ist Rechtsperson. Ein eigenes Stadtsiegel ist deshalb für Historiker der belastbarste Nachweis städtischer Selbstverwaltung — belastbarer als jede spätere Behauptung. Die Formel sigillum nostre civitatis („Siegel unserer Stadt“) sagt: Hier handelt nicht der Herr, sondern die Bürgergemeinde. Motiv und Umschrift geben zugleich Auskunft über das Selbstbild der Stadt.

    Siehe auch: Stadtrecht, Schultheiß, Privileg

    Quelle: www.lagis-hessen.de

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Stapelrecht

    Salzhandel & Recht

    Auch: Stapelrecht, Stapel, Niederlagsrecht

    Recht einer Stadt, durchreisende Händler zu zwingen, ihre Ware erst dort zum Kauf anzubieten.

    Ausführlich

    Das Stapelrecht ist eine Handelsbremse mit Absicht: Wer die Stadt passiert, muss seine Waren abladen und den einheimischen Kaufleuten für eine festgelegte Frist anbieten — meist drei Tage. Erst danach darf weitergefahren werden. Für die begünstigte Stadt bedeutet das Zwischenhandelsgewinn, für den Durchreisenden Zeitverlust und schlechtere Preise. Solche Rechte legten Handelsrouten fest und machten Städte an Flussmündungen und Umschlagplätzen reich.

    Siehe auch: Zoll, Marktrecht, Privileg, Sälzer

    Quelle: www.oppida.de

  • Steinsalz

    Geologie & Natur

    Auch: Steinsalz, Halit, Bergsalz, Kochsalz

    Festes Natriumchlorid im Gestein (Halit); bergmännisch abbaubar und ab dem 19. Jahrhundert der große Konkurrent des Siedesalzes.

    Ausführlich

    Steinsalz ist dasselbe Salz wie Siedesalz, nur ohne den Umweg über Lösung und Verdampfung: Es wird gesprengt, gebrochen, gemahlen — ohne Brennstoff. Genau darin liegt der Kostenvorteil, der die Siedesalinen des Binnenlands im 19. Jahrhundert vernichtete. Wo eine Saline aus fünfprozentiger Sole Brennstoff verheizte, förderte ein Bergwerk das fertige Produkt. Der technologische Bruch ist damit auch ein wirtschaftliches Todesurteil.

    Siehe auch: Zechstein, Kalisalz, Salzmonopol, Salzsieden

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Subsidienvertrag

    Krieg & Militär

    Auch: Subsidienvertrag, Subsidienverträge, Soldatenhandel (wertend), subsidy treaty

    Vertrag, mit dem ein Fürst gegen Geldzahlung Truppen an eine fremde Macht überließ.

    Ausführlich

    Subsidienverträge waren im 18. Jahrhundert ein reguläres, völkerrechtlich anerkanntes Geschäft: Der Fürst stellt Regimenter, die fremde Macht zahlt Werbegelder, Sold und laufende Subsidien. Für kleine Territorien ohne Bodenschätze war das eine der wenigen Möglichkeiten, an internationale Geldströme zu kommen — bezahlt mit der eigenen Bevölkerung. Hessen-Kassel trieb dieses Modell weiter als fast jeder andere deutsche Staat.

    Siehe auch: Hessians, Konskription, Kurfürstentum

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Terminei

    Kirche & Religion

    Auch: Terminei, Termine, Terminierhaus

    Sammelbezirk eines Bettelordens mit einer Niederlassung, von der aus die Brüder auf Almosensammlung zogen.

    Ausführlich

    Bettelorden besaßen kein Grundeigentum im großen Stil, sondern lebten vom Almosen. Dafür teilten sie das Land in Bezirke — Terminen — auf, in denen jeweils ein Konvent sammelte. Die Terminei ist der Stützpunkt vor Ort: ein Haus, oft mit Kapelle, aber kein vollwertiges Kloster. Ihr Vorhandensein zeigt, dass ein Ort wirtschaftlich attraktiv genug war, um regelmäßiges Sammeln zu lohnen.

    Siehe auch: Pfarrherr, Hallenkirche

    Quelle: www.lagis-hessen.de

  • Trinkkur

    Kur & Medizin

    Auch: Trinkkur, Brunnenkur, Brunnentrinken

    Ärztlich dosiertes Trinken von Heilwasser nach festem Plan über mehrere Wochen.

    Ausführlich

    Die Trinkkur ist die älteste Form der Badekur und war im 19. Jahrhundert ihr gesellschaftliches Zentrum: morgens zum Brunnen, in vorgeschriebener Menge, danach der vorgeschriebene Spaziergang. Aus diesem Ritual erklären sich Brunnenhalle, Wandelbahn und Kurpark als Bautypen — sie sind gebaute Therapie. Medizinisch zielt sie je nach Wasser auf Verdauung, Stoffwechsel oder Harnwege; bei Sole ist die Dosierung wegen des Salzgehalts streng begrenzt.

    Siehe auch: Balneologie, Kurort, Solebad

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Trockenkammer

    Salinentechnik

    Auch: Trockenboden, Darre, Trockenstube

    Beheizter Raum, meist über dem Siedeherd, in dem das frisch gezogene Salz nachtrocknet.

    Ausführlich

    Frisch aus der Pfanne gezogenes Salz ist feucht und würde beim Lagern zusammenbacken. Es wandert deshalb auf Darren oder Trockenböden, die die Abwärme des Siedeherds mitnutzen — Energie, die sonst durchs Dach ginge. Erst danach ist das Salz lager- und transportfähig. Der Trockenboden gehört baulich meist zum Siedehaus und erklärt, warum Salinengebäude typischerweise mehrgeschossig sind.

    In der Salzbibel: In Sooden hieß das Salzstück, das man nicht mehr zu Gänsen fangen konnte, zusammengedrückt und „auf den Hinterofen geschlagen und gedörrt“; der Hinterofen war die Trockenstelle des Siedehauses. Bd. 2, S. 517, 550, 551

    Siehe auch: Siedehaus, Salzmagazin, Salzsieden

    Quelle: www.bergbaumuseum.de

  • Verbesserungspunkte

    Kirche & Religion

    Auch: Verbesserungspunkte, „Zweite Reformation“, Puncta Emendationis

    Die Reformdekrete Landgraf Moritz' von 1605, mit denen er das reformierte Bekenntnis in Hessen-Kassel durchsetzte.

    Ausführlich

    Moritz „der Gelehrte“ trat 1605 zum Calvinismus über und erzwang den Konfessionswechsel in seinem Territorium über die sogenannten Verbesserungspunkte — „verbessert“ im Sinne von: die Reformation zu Ende geführt. Praktisch bedeutete das Entfernung der Bilder aus den Kirchen, ein reformiertes Abendmahlsverständnis und eine geänderte Zählung der Zehn Gebote. Rechtlich war das heikel, denn der Augsburger Religionsfriede von 1555 kannte nur Katholiken und Lutheraner; reformierte Kirchen hatten keinen gesicherten Status. Moritz verlor darüber das Vertrauen der Landstände und dankte 1627 ab.

    Siehe auch: Calvinismus, Bildersturm, Reformation, Landgraf

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Wanfrieder Abkommen

    Grenze & Teilung

    Auch: Wanfrieder Abkommen, Wanfrieder Vertrag, „Whisky-Wodka-Abkommen“ (populär)

    Gebietstausch zwischen US- und sowjetischer Besatzungsmacht vom 17. September 1945 — wegen einer Eisenbahnlinie.

    Ausführlich

    Die Bahnstrecke Bebra–Göttingen, zentrale amerikanische Nachschubader, verlief auf einem Abschnitt über sowjetisch besetztes Gebiet. Die Lösung war ein Tausch: Die USA erhielten den Bahnkorridor, die Sowjetunion dafür fünf hessische Dörfer. Das Abkommen ist der einzige förmliche Gebietstauschvertrag zwischen den Besatzungsmächten in Deutschland geblieben — und ein seltener Fall, in dem sich eine Grenze auf den Meter genau aus einem infrastrukturellen Sachzwang erklärt.

    Siehe auch: Zonengrenze, Innerdeutsche Grenze, Gemarkung

    Quelle: dewiki.de

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Wasserkunst

    Salinentechnik

    Auch: Wasserkunst, Wassermaschine, Kunstrad

    Von Wasserkraft angetriebene Pumpanlage, die Sole oder Grubenwasser hebt.

    Ausführlich

    Die Wasserkunst nutzt ein Wasserrad, um über Kurbeln und Gestänge Kolbenpumpen zu bewegen. Für Salinen war das die entscheidende Befreiung von Muskelkraft: Sole musste nicht nur aus dem Brunnen, sondern später auch auf zwölf Meter hohe Gradierwerke gehoben werden. Der Antrieb kostete nichts außer Wartung — anders als Pferde oder Menschen, die gefüttert und bezahlt werden mussten. Die Energieversorgung wurde damit zum eigenen Ingenieurthema der Saline.

    Siehe auch: Kunstgezeug, Rosskunst, Rollkunst, Solepumpe

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Werra-Kaligebiet

    Geologie & Natur

    Auch: Werra-Kalirevier, Werrarevier, Kaligebiet an der Werra

    Das Kalirevier beiderseits der Werra zwischen Heringen, Philippsthal und Vacha — bis heute in Betrieb.

    Ausführlich

    Das Werra-Revier entstand ab den 1890er Jahren in atemberaubendem Tempo: 1893 der erste Bohrkern, 1894 die Gründung der Gewerkschaft Wintershall, 1901 mit Kaiseroda I das erste operative Werk, bis 1913 bereits 28 abgeteufte Schächte. Es überlebte Kaiserreich, Teilung und Wiedervereinigung und ist heute eines der wenigen aktiven Kalireviere Europas — mit allen ökologischen Konflikten um Salzabwasser und Halden.

    Siehe auch: Kalisalz, Zechstein, Steinsalz

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Westfälischer Friede

    Krieg & Militär

    Auch: Westfälischer Friede, Westphälischer Friede, Pax Westphalica, 1648

    Die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück 1648, die den Dreißigjährigen Krieg beendeten.

    Ausführlich

    Der Westfälische Friede regelte drei Dinge zugleich: Er beendete den Krieg, ordnete die Konfessionsverhältnisse neu und veränderte die Reichsverfassung dauerhaft zugunsten der Territorien. Entscheidend für Hessen: Das reformierte Bekenntnis wurde erstmals reichsrechtlich anerkannt — genau die Lücke, an der Landgraf Moritz 1605 noch gescheitert war. Für die Städte begann damit der Wiederaufbau, der Jahrzehnte dauerte.

    Siehe auch: Dreißigjähriger Krieg, Prager Friede, Calvinismus

    Quelle: www.deutsche-biographie.de

  • Zechstein

    Geologie & Natur

    Auch: Zechstein, Zechsteinmeer, Perm, Dyas (veraltet)

    Gesteinsfolge des Perm mit den mitteleuropäischen Salzlagern — die geologische Ursache aller Sole an der Werra.

    Ausführlich

    Vor rund 257 bis 251 Millionen Jahren überflutete das Zechsteinmeer von Norden her Mitteleuropa und trocknete mehrfach ein. Zurück blieben bis zu sieben Zyklen aus Karbonaten, Sulfaten und Salzen — die unterste und für die Region entscheidende heißt Werra-Folge. Aus dem Zechstein stammen drei große Rohstoffe: Kupferschiefer, Stein- und Kalisalze sowie Gips und Anhydrit. Nordhessen liegt am Rand des Beckens, dessen Zentrum in Nord- und Mitteldeutschland sowie Polen lag.

    Siehe auch: Steinsalz, Kalisalz, Werra-Kaligebiet, Karst, Sole

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Zoll

    Salzhandel & Recht

    Auch: Zoll, Wegegeld, Geleit, Zollstätte

    Abgabe für das Passieren einer Grenze, Brücke oder Straße — im Salzhandel ein erheblicher Kostenfaktor.

    Ausführlich

    Mittelalterliche Zölle sind keine Außenhandelspolitik, sondern Wegegeld: Jede Herrschaftsgrenze, jede Brücke, jede Furt kann bezollt werden. Für Massengüter wie Salz summierte sich das über eine Route zu einem großen Teil des Endpreises. Zollrechte gehörten zu den begehrtesten Privilegien überhaupt und stehen in Urkunden regelmäßig neben Markt und Münze. Wer Zoll erheben durfte, verdiente an fremdem Handel, ohne selbst zu handeln.

    Siehe auch: Marktrecht, Stapelrecht, Salzstraße, Privileg

    Quelle: www.lagis-hessen.de

  • Zonengrenze

    Grenze & Teilung

    Auch: Zonengrenze, Demarkationslinie, „die Zone“ (umgangssprachlich für die DDR)

    Ältere Bezeichnung für die innerdeutsche Grenze, abgeleitet von den Besatzungszonen ab 1945.

    Ausführlich

    „Zonengrenze“ ist der westdeutsche Alltagsbegriff der frühen Jahrzehnte und verrät seine Herkunft: Er stammt aus der Zeit, als die Trennung noch als Provisorium der Besatzung galt, nicht als Staatsgrenze. Genau deshalb hielt sich das Wort so lange — es verweigerte der Teilung sprachlich die Endgültigkeit. Verwandte Wortbildungen wie „Zonenrandgebiet“ und „Zonenrandförderung“ blieben sogar bis ins 21. Jahrhundert amtlich.

    Siehe auch: Innerdeutsche Grenze, Zonenrandgebiet, Wanfrieder Abkommen

    Quelle: dewiki.de

  • Zonenrandförderung

    Grenze & Teilung

    Auch: Zonenrandförderung, ZRFG, Zonenrandförderungsgesetz

    Steuerliche und investive Förderung für das Zonenrandgebiet, gesetzlich geregelt ab 1971, aufgehoben 2006.

    unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.

    Ausführlich

    Rechtsgrundlage war das Zonenrandförderungsgesetz von 1971; die begünstigten Gemeinden standen namentlich im Gesetzesanhang. Die Instrumente waren Steuererleichterungen, Sonderabschreibungen und Investitionszulagen. Die Bilanz ist ernüchternd: Vor 1989 stagnierte das Grenzgebiet trotz Förderung. Nach 1990 profitierten die Regionen kurz vom Vereinigungsboom — dann kippte es, weil die Aufbau-Ost-Programme die Förderung auf die andere Seite der alten Grenze verlagerten. Das Gesetz wurde zum 25. April 2006 aufgehoben.

    Siehe auch: Zonenrandgebiet, Innerdeutsche Grenze

    Quelle: www.buzer.de

  • Zonenrandgebiet

    Grenze & Teilung

    Auch: Zonenrandgebiet, Zonenrand, Grenzland

    Etwa 40 km breiter Streifen westlich der innerdeutschen Grenze mit besonderem Förderstatus.

    Ausführlich

    Das Zonenrandgebiet reichte von der Ostsee bis zur österreichischen Grenze und umfasste Regionen, die durch die Teilung von ihren natürlichen Märkten und Verkehrswegen abgeschnitten waren. Was vorher Mitte war, wurde Sackgasse: Straßen endeten, Bahnstrecken brachen ab, Einzugsgebiete halbierten sich. Der Status war deshalb weniger Auszeichnung als Diagnose — er benannte einen strukturellen Nachteil, den man mit Geld auszugleichen versuchte.

    Siehe auch: Zonenrandförderung, Zonengrenze, Innerdeutsche Grenze

    Quelle: dewiki.de

Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt

Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.

Beiße
„Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
Blut
„Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
Bothe, Kothe
Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
Fegen
„Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
Gans, Herrengänse
Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
Jahreswerk
„Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
Kaltlager, Kaltliegen
„Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
Salzleger
Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
Setzen, Zulassen, Zulegen
„Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
Schlotter
„Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
Stollen
„Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
Streitwerk
Das erste Werk nach dem Fegen der Pfanne. Bd. 2, S. 563, 564
Werk
„Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
Wildes Wasser
„Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
Winnung
Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
Zeichen
Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
Zündsole
Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578

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