Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Freiluft-Inhalatorium
Kur & MedizinAuch: Freiluftinhalatorium, Freiluft-Inhalatorium, Wandelgang, „Meeresluft im Binnenland“
Ein Gradierwerk in seiner zweiten Karriere: als begehbare Anlage zum Einatmen salzhaltiger Luft.
Ausführlich
Hier liegt die eigentliche Pointe der Salinengeschichte: Das Gradierwerk wurde als reine Produktionsanlage gebaut, um Brennstoff zu sparen — und überlebte seinen Zweck, weil ein Nebeneffekt zum Hauptzweck wurde. Beim Herabrieseln zerstäubt die Sole und reichert die Luft mit feinsten Salzpartikeln an. Wer entlang der Wand geht, atmet ein Aerosol wie an der Meeresküste. Fast alle erhaltenen Gradierwerke Deutschlands verdanken ihre Rettung dieser Umnutzung in Kurparks.
Siehe auch: Gradierwerk, Inhalation, Kurort, Schwarzdorn
Quelle: de.wikipedia.org
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Fürsten-Soth
SalinentechnikAuch: Fürstensoth, Fürsten-Soth, fürstlicher Soth
Der 1538 von Landgraf Philipp errichtete landesherrliche Siedebetrieb mit 40 eigenen Koten neben den 42 der Pfänner.
Ausführlich
1538 beanspruchte Landgraf Philipp das Salzregal für sich und baute einen eigenen Betrieb — nicht als Ergänzung, sondern als Konkurrenz. Beide Betriebe zogen aus derselben, mengenmäßig begrenzten Solequelle; den Pfännern wurde damit faktisch die halbe Rohstoffbasis entzogen. Der Fürsten-Soth ist der Kipppunkt der Soodener Wirtschaftsgeschichte: Von hier führt der Weg direkt zu den Lokationen von 1540, 1554 und 1586, mit denen die Bürger ihre Produktionsmittel verloren.
In der Salzbibel: Die 43 Siedehäuser des Landgrafen: „Seiner Fürstlichen Gnaden“ „Bothe sind von der Zahl 43; 20 davon sind zum Steinkohlensieden hergerichtet.“ Bd. 2, S. 519, 521
Siehe auch: Soth, Lokation, Salzregal, Pfännerschaft
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Gabelle
Salzhandel & RechtAuch: Gabelle, gabelle du sel
Die französische Salzsteuer des Ancien Régime — Inbegriff einer verhassten, regional ungleichen Abgabe.
Ausführlich
Die Gabelle zwang in weiten Teilen Frankreichs jeden Haushalt, eine festgelegte Mindestmenge Salz zu festgesetztem Preis zu kaufen. Weil die Belastung von Provinz zu Provinz drastisch schwankte, blühte der Schmuggel, und die Strafen waren entsprechend hart. Sie gilt als eines der Musterbeispiele für ungerechte Besteuerung und wurde 1790 in der Revolution abgeschafft. Auf einer deutschen Website dient der Begriff vor allem dem Vergleich: So sah es aus, wenn ein Salzmonopol vollständig eskalierte.
Siehe auch: Salzsteuer, Salzmonopol, Salzregal
Quelle: de.wikipedia.org
Gebauerschaft
Salzhandel & RechtAuch: Geburen, Gebauern, Gebauerschaft, Bauerschaft
Ältere Soodener Bezeichnung für die Salzwerksgenossenschaft, abgeleitet von „Geburen“ = Bauern, Nachbarn.
Ausführlich
In der Verordnung von 1300 heißen die Berechtigten des Salzwerks „Geburen“ — ein Wort, das ursprünglich Nachbarn oder Dorfgenossen meint, nicht Bauern im heutigen Sinn. Daraus wurde die lokale Form „Gebauerschaft“. Der Begriffswechsel zu „Pfänner“ um 1413 ist mehr als eine Wortfrage: Er markiert den Übergang von einer nachbarschaftlichen Nutzergemeinschaft zu einer nach Pfannenanteilen definierten Kapitalgenossenschaft, der zunehmend auch Adlige und auswärtige Kaufleute angehörten.
Siehe auch: Pfännerschaft, Pfänner, Bergordnung
Quelle: www.lagis-hessen.de
Gemarkung
Stadt & VerfassungAuch: Gemarkung, Feldmark, Flur, Mark
Die vermessene Flur eines Ortes — sein Gebiet im katasterrechtlichen Sinn, unabhängig von der Bebauung.
Ausführlich
Die Gemarkung ist die amtliche Flächeneinheit des Liegenschaftskatasters; sie umfasst alle Flurstücke eines Ortes, auch Wald, Acker und Ödland. Gemarkungsgrenzen sind oft älter als jede politische Grenze und überdauern Eingemeindungen, weil sie im Kataster fortgeführt werden. Deshalb sind sie ein wertvolles historisches Zeugnis: Sie konservieren Zustände, die politisch längst überschrieben wurden.
Siehe auch: Amt, Hauptsatzung, Wanfrieder Abkommen
Quelle: dewiki.de
Gesöde
SalinentechnikAuch: Gesöd, Sod, Sott
Historischer Ausdruck für einen Siedegang bzw. die daraus gewonnene Salzmenge.
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
In der älteren Salinensprache begegnet „Gesöde“ als Sammelbegriff für das Sieden beziehungsweise für die Ausbeute eines Siedegangs; in Lüneburg und anderen norddeutschen Salinen ist eine ähnliche Verwendung als Betriebs- oder Mengeneinheit überliefert. Eine belastbare Definition ließ sich online nicht sichern, und die regionale Verwendung schwankt erheblich. Für Bad Sooden-Allendorf konnte kein eigener Beleg gefunden werden. Vor einer Verwendung auf der Website sollte in gedruckter Salinenliteratur nachgeschlagen werden.
In der Salzbibel: Hier weicht das Glossar des Holzvogts von der Vermutung oben ab. Gesöde ist in Sooden nicht der Siedevorgang, sondern der gemauerte Unterbau, auf dem die Pfanne steht: „Das Vorderteil heißt der Vorofen, das Hinterteil der Hinterofen, dazu beide Seitenwände. Der Grund, auf dem das Feuer gemacht wird, ist der Herd; die vier Ecken sind die Hörner.“ Ein neues Gesöde kostet 2 Gulden; jede Woche wird ein Teil abgebrochen und aus Schlotter und Sole erneuert. Bd. 2, S. 508, 509, 516
Siehe auch: Salzsieden, Siedepfanne, Kote
Gradierung
SalinentechnikAuch: Dröppeln (ortsüblich in Sooden), Gradieren, Vorkonzentration
Das Verfahren, den Salzgehalt einer Sole durch Verdunstung an Luft zu erhöhen — vor dem eigentlichen Sieden.
Ausführlich
Gradieren heißt: den Salzgehalt einer Sole steigern, ohne zu heizen. Der Name kommt vom Fachwort „Grad“ für den mit einer Solewaage gemessenen Salzgehalt. Technikgeschichtlich ist die Gradierung eine gestaffelte Innovation über gut 200 Jahre — Kastengradierung, dann Leckwerk mit Strohbüscheln im 16. Jahrhundert, dann Strohwände im 17., schließlich Schwarzdornwände und Hochbauten mit Pumpenantrieb im 18./19. Jahrhundert. Sie ist ausdrücklich eine Erfindung der Standorte mit schwacher Sole; wo die Sole ohnehin fast gesättigt war, lohnte sie nicht.
In der Salzbibel: Rhenanus sah 1568 vor Sulza „etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit“, in denen die Sole über „strohene oder schilfene Matten“ in flache Tröge tropfte — „durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden“. Für Sooden selbst beschreibt die Salzbibel keine Gradierung; vgl. Technik. Bd. 2, S. 790, 791
Siehe auch: Gradierwerk, Leckwerk, Salzgehalt, Aräometer
Quelle: de.wikipedia.org
Gradierwerk
SalinentechnikAuch: Leckwerk (veraltet), Gradierhaus, Dorngradierwerk, Gradieranlage
Hohes Holzgerüst mit Reisigwänden, über das Sole rieselt, um vor dem Sieden Wasser verdunsten zu lassen.
Ausführlich
Ein Gradierwerk ist ein frei stehendes Holzgerüst, dicht gefüllt mit Reisigbündeln aus Schwarzdorn. Von oben rieselt Sole über die Wand nach unten; Wind und Sonne nehmen unterwegs einen erheblichen Teil des Wassers auf. Der Effekt ist rein physikalisch — kein Brennstoff, nur Zeit, Fläche und Wetter. Weil die Sole schwach war, ließ man sie in Sooden bis zu siebenmal über die Werke laufen. Was oben eintrat, verließ das Werk unten deutlich konzentrierter und zugleich sauberer.
Siehe auch: Gradierung, Schwarzdorn, Dornstein, Leckwerk, Freiluft-Inhalatorium
Quelle: de.wikipedia.org
Grünes Band
Grenze & TeilungAuch: Grünes Band, Grünes Band Deutschland, European Green Belt
Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze — aus dem Todesstreifen wurde ein Naturschutzkorridor.
Ausführlich
Weil der Grenzstreifen vier Jahrzehnte lang weder bebaut noch intensiv bewirtschaftet wurde, überdauerten dort Lebensräume, die anderswo längst verschwunden waren: Magerrasen, Feuchtwiesen, Streuobst, Altgrasfluren. Nach 1989 sicherten Naturschützer die Trasse als durchgehenden Korridor von der Ostsee bis Bayern. Das Grüne Band ist damit ein doppeltes Denkmal — für die Opfer der Teilung und für einen unbeabsichtigten ökologischen Nebeneffekt.
Siehe auch: Kolonnenweg, Schutzstreifen, Halophyten
Quelle: de.wikipedia.org
Hallenkirche
Kirche & ReligionAuch: Hallenkirche, Halle, zweischiffige Halle
Kirchenbau, dessen Seitenschiffe etwa gleich hoch sind wie das Mittelschiff — ein weiter, heller Einheitsraum.
Ausführlich
Anders als bei der Basilika gibt es bei der Hallenkirche keinen Obergaden: Alle Schiffe sind annähernd gleich hoch und werden von einem gemeinsamen Dach überspannt. Das Licht kommt von den Seiten, der Raum wirkt weit statt gerichtet. Die Bauform ist typisch für die Gotik in Mittel- und Norddeutschland und für selbstbewusste Bürgerstädte — sie bietet viel Platz für die Predigtgemeinde und war zugleich wirtschaftlicher zu bauen.
Siehe auch: Epitaph, Bildersturm, Pfarrherr
Quelle: www.lagis-hessen.de
Halophyten
Geologie & NaturAuch: Halophyten, Salzpflanzen, Salzflora, Standort: Salzwiese, Binnensalzstelle
Salzpflanzen — Arten, die auf salzhaltigen Böden wachsen, wo normale Pflanzen vertrocknen.
unsicher Die Definition ließ sich nicht belastbar sichern.
Ausführlich
Salz entzieht Pflanzen Wasser, statt es zu liefern. Halophyten lösen dieses Problem mit Salzdrüsen, sukkulenten Speichergeweben oder dem Abwerfen salzgesättigter Blätter — Queller, Strandaster und Salzschwaden sind typische Vertreter. Im Binnenland sind solche Standorte extrem selten und deshalb naturschutzfachlich hochwertig. Binnensalzstellen entstehen an natürlichen Solequellen — oder als unbeabsichtigte Nebenwirkung von Salinenbetrieb und Solelecks.
Siehe auch: Sole, Solequelle, Karst, Grünes Band
Quelle: www.naturparkfrauholle.land
Hauptsatzung
Stadt & VerfassungAuch: Hauptsatzung, Gemeindesatzung
Das Grundgesetz einer Gemeinde: Sie regelt Name, Wappen, Ortsbezirke und die innere Verfassung.
Ausführlich
Die Hauptsatzung ist die wichtigste Satzung einer Kommune — sie legt fest, was sonst nirgends steht: amtlicher Name und Namenszusätze, Wappen und Flagge, Zahl der Beigeordneten, Zuständigkeiten von Gemeindevorstand und Ausschüssen, Einteilung in Ortsbezirke. Sie wird von der Gemeindevertretung beschlossen und ist der Ort, an dem kommunale Identität rechtsverbindlich wird.
Siehe auch: Stadtrecht, Gemarkung, Prädikat
Quelle: www.hessenschau.de
Hausgesess
Stadt & VerfassungAuch: Hausgesess, Hausgesäß, Herdstelle, Feuerstelle, Mannschaft
Haushalt bzw. steuerpflichtige Haushaltsstelle — die Zähleinheit vormoderner Bevölkerungsstatistik.
Ausführlich
Vor der modernen Volkszählung wurden nicht Personen gezählt, sondern Haushalte, Feuerstellen oder eben Hausgesesse. Eine Umrechnung auf Einwohner ist Schätzung: Üblich sind Faktoren zwischen vier und fünf, je nach Region und Zeit. Deshalb sind Vergleiche innerhalb derselben Zählart aussagekräftig, Vergleiche zwischen verschiedenen Zählarten dagegen tückisch. Wer alte Bevölkerungszahlen liest, sollte immer zuerst prüfen, was eigentlich gezählt wurde.
Siehe auch: Gemarkung, Kontribution, Brandschatzung
Quelle: www.lagis-hessen.de
Heilbad
Kur & MedizinAuch: Heilbad, Bad, Mineralheilbad, Solebad (nach Heilmittel)
Staatlich anerkannter Kurort, dessen Heilmittel ein ortsgebundenes Naturvorkommen ist — hier: die Sole.
Ausführlich
„Heilbad“ ist kein Werbewort, sondern ein Prädikat mit Anforderungen: wissenschaftlich anerkanntes ortsgebundenes Heilmittel, Kurmittelbetrieb, ärztliche Betreuung, geeignete Luft- und Ortsqualität. Die Anerkennung wird regelmäßig überprüft und kann entzogen werden. Genau darin liegt der Unterschied zu einem Erholungsort: Das Heilbad verspricht eine medizinische Indikation, kein Freizeitangebot.
Siehe auch: Kurort, Prädikat, Solebad, Balneologie
Quelle: www.bad-sooden-allendorf.de
Hessians
Krieg & MilitärAuch: Hessians, Hessen, hessische Truppen
Englische Bezeichnung für die deutschen, überwiegend hessischen Soldaten im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
Ausführlich
In den USA sind die „Hessians“ bis heute ein fester Begriff der Nationalerzählung — Symbol für Fremdherrschaft und gekaufte Truppen, spätestens seit Washingtons Überraschungsangriff auf Trenton an Weihnachten 1776. Historisch waren es reguläre Soldaten unter eigenen Offizieren, keine Söldner im heutigen Sinn. Ein erheblicher Teil kehrte nie zurück: gefallen, an Krankheit gestorben, desertiert oder in Amerika geblieben.
Siehe auch: Subsidienvertrag, Konskription, Kurfürstentum
Quelle: www.lagis-hessen.de
Inhalation
Kur & MedizinAuch: Inhalation, Inhalieren, Aerosoltherapie, Salz-Luftbad (historisch)
Einatmen salzhaltiger Luft oder Aerosole zur Behandlung der Atemwege.
Ausführlich
Beim Zerstäuben von Sole entstehen feinste Salzpartikel, die bis in die Bronchien gelangen. Dort lösen sie zähen Schleim und befeuchten die Schleimhäute — die Grundlage der Solebehandlung bei Atemwegserkrankungen, Allergien und Asthma. Der entscheidende Faktor ist die Tröpfchengröße: Nur ausreichend feine Aerosole erreichen die tiefen Atemwege. Genau das leistet ein Gradierwerk nebenbei, weil die aufprallende Sole Salz an die Luft abgibt.
Siehe auch: Freiluft-Inhalatorium, Gradierwerk, Solebad, Balneologie
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Innerdeutsche Grenze
Grenze & TeilungAuch: innerdeutsche Grenze, Zonengrenze, Demarkationslinie, „Grenze“ (DDR-amtlich: Staatsgrenze West)
Die 1.393 km lange Grenze zwischen Bundesrepublik und DDR, ab 1952 zur Sperranlage ausgebaut.
Ausführlich
Was 1945 als Verwaltungslinie zwischen Besatzungszonen begann, wurde ab 1952 zu einem gestaffelten Sperrsystem: Sperrgebiet, Schutzstreifen, Kontrollstreifen, Signalzaun, Minen und Selbstschussanlagen — gerichtet nicht gegen einen äußeren Feind, sondern gegen die eigene Bevölkerung. Die Grenze zerschnitt gewachsene Wirtschafts-, Verwandtschafts- und Kirchenräume. Für die Werra-Region bedeutete das: Aus einer Mitte wurde ein Rand.
Siehe auch: Zonengrenze, Sperrgebiet, Schutzstreifen, Kolonnenweg, Grünes Band
Quelle: de.wikipedia.org
Johannes Rhenanus
Personen & ÄmterAuch: Johannes Rhenanus, Johann Rhenanus, Rhenanus, Werk: „New Saltzbuch“, „Salzbibel“
Pfarrer und Salzgraf in Sooden (†1589), Verfasser der „Salzbibel“ und Pionier der Kohlefeuerung.
Ausführlich
Rhenanus wurde 1555 Pfarrer in Sooden und übernahm zugleich Salinenaufgaben, ab 1559/1563 als Salzgraf. Im Auftrag Landgraf Wilhelms IV. bereiste er 1568 mitteldeutsche Salinen und verfasste zwischen 1567 und 1585 das „New Saltzbuch“ — rund 2.000 Seiten, Reinschrift 1586, die erste umfassende Darstellung der Salinentechnik, zwei Jahrzehnte vor dem ersten gedruckten Salinenbuch. Als Holz knapp wurde, experimentierte er mit Lütticher Steinkohle und erschloss die Braunkohle am Hohen Meißner. In seiner Amtszeit stieg die Produktion auf über 2.000 Tonnen jährlich. Zu korrigieren: Ein Gradierwerk hat er in Allendorf nicht gebaut — die Gradierung kam erst nach seinem Tod. Die Kasseler Reinschrift (2° Ms. Hass. 186) ist seit einigen Jahren vollständig digitalisiert und im Repositorium ORKA der Universitätsbibliothek Kassel gemeinfrei einsehbar; ediert ist bis heute allein das Reisebuch.
Siehe auch: Salzgraf, Leckwerk, Allendorfer Windofen, Salinist, Pfarrherr
Quelle: www.deutsche-biographie.de
Kalisalz
Geologie & NaturAuch: Kalisalz, Kali, Abraumsalz (historisch), Carnallit, Sylvin
Kaliumhaltige Salze aus dem Zechstein, seit dem 19. Jahrhundert Rohstoff für Düngemittel und Chemie.
Ausführlich
Kalisalze wie Carnallit und Sylvin liegen im Zechstein über dem Steinsalz, weil sie als leichter lösliche Salze zuletzt auskristallisieren. Lange galten sie als wertloses „Abraumsalz“ — bis die Agrochemie den Kaliumbedarf der Pflanzen erkannte. Aus dem Störstoff wurde ein Weltmarktprodukt und Deutschland für Jahrzehnte der beherrschende Anbieter. Die Kehrseite ist bis heute sichtbar: Salzhalden und die Salzbelastung von Werra und Weser.
Siehe auch: Werra-Kaligebiet, Zechstein, Steinsalz
Quelle: de.wikipedia.org
Karst
Geologie & NaturAuch: Karst, Gipskarst, Sulfatkarst, Subrosion, Auslaugung
Landschaft über löslichem Gestein mit Höhlen, Dolinen und unterirdischer Entwässerung — Ursache der Solequellen.
Ausführlich
Karst entsteht, wo Wasser Gestein auflöst statt es abzutragen: In Kalk, Gips und Salz bilden sich Klüfte, Höhlen, Erdfälle und Dolinen, das Wasser verschwindet im Untergrund und tritt anderswo wieder aus. Für Salzorte ist das der entscheidende Mechanismus: Die unterirdische Auslaugung — die Subrosion — von Zechsteinsalzen erzeugt genau jene Sole, die an einer Quelle wieder zutage tritt. Der Gips- und Sulfatkarst des Zechsteins ist dafür der klassische Fall.
Siehe auch: Zechstein, Solequelle, Steinsalz, Sole
Quelle: de.wikipedia.org
Kolonnenweg
Grenze & TeilungAuch: Kolonnenweg, Lochplattenweg, Plattenweg, Postenweg
Betonplattenweg entlang der DDR-Grenzanlagen für Patrouillenfahrzeuge — heute Wander- und Radweg.
Ausführlich
Der Kolonnenweg bestand aus perforierten Betonplatten, die zugleich befestigten und Bewuchs durchließen — im Volksmund „Lochplattenweg“. Er verlief über hunderte Kilometer parallel zur Grenze und diente den Grenztruppen zur schnellen Verlegung. Nach 1989 wurde er zum Rückgrat des Grünen Bandes: Dieselbe Trasse, die der Bewachung diente, erschließt heute ein Naturschutz- und Erinnerungsprojekt. Wenige Objekte tragen den Bedeutungswandel so sichtbar in sich.
Siehe auch: Grünes Band, Schutzstreifen, Innerdeutsche Grenze
Quelle: de.wikipedia.org
Konskription
Krieg & MilitärAuch: Konskription, Conscription, Aushebung, Kantonsystem (älteres preußisch-hessisches Pendant)
Zwangsaushebung nach Listen — die moderne, staatlich organisierte Form der Rekrutierung.
Ausführlich
Anders als die frühneuzeitliche Werbung, die auf Anreiz und Überredung setzte, arbeitet die Konskription mit Registern: Jahrgänge werden erfasst, gemustert und ausgehoben, Befreiungen sind gesetzlich geregelt und kaufbar. Das französische Modell der Revolutionszeit machte daraus ein Massensystem und wurde in den napoleonischen Satellitenstaaten übernommen. Für die betroffenen Familien war der Unterschied fundamental: Man konnte sich dem Zugriff nicht mehr durch Fernbleiben entziehen.
Siehe auch: Hessians, Subsidienvertrag
Quelle: de.wikipedia.org
Kontribution
Stadt & VerfassungAuch: Kontribution, Contribution, Kriegssteuer, Servis
Regelmäßige Zwangsabgabe zur Truppenversorgung — die systematische Form der Kriegsfinanzierung.
Ausführlich
Anders als die einmalige Brandschatzung ist die Kontribution eine dauerhafte, quotierte Abgabe: Ein Territorium wird veranlagt und muss laufend Geld, Getreide, Fourage und Quartier stellen. „Der Krieg ernährt den Krieg“ — das ist die Formel dahinter. Für Städte war die Kontribution auf Dauer zerstörerischer als eine einzelne Plünderung, weil sie die Substanz über Jahre abtrug. Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff zur regulären Steuerbezeichnung.
Siehe auch: Brandschatzung, Dreißigjähriger Krieg, Hausgesess
Quelle: www.lagis-hessen.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Kote
SalinentechnikAuch: Kot, Koth, Kothe, Siedekot, Salzkot, Plural: Koten
Soodener Wort für eine einzelne Siedestätte samt Pfanne, Herd, Gebäude und dem Recht, dort zu sieden.
Ausführlich
Eine Kote ist mehr als ein Haus — sie ist eine Rechtseinheit. Wer eine Kote besaß, besaß einen Anteil an der Sole und damit an der Salzproduktion. Genau deshalb sind Koten zählbar und verhandelbar: 42 bürgerliche, 40 fürstliche, 44 verpachtete. Die Schreibweisen schwanken stark (Kot, Kote, Kothe, Koth), und der Plural „Koten“ ist die in Sooden übliche Form. Der Pachtzins der 1. Lokation von 1540 wurde pro Kot berechnet: 200 Kammergulden jährlich.
In der Salzbibel: „Kothe. Es sind ihrer im Salzwerk 87. Davon sind unseres gnädigen Fürsten und Herrn — 43“ „und der Pfänner — 44.“ „Ein Bothe ist ungefähr 35 Schuh weit, 49 Schuh lang und 20½ Schuh hoch.“ Ein neues Bothe kostet 77 Gulden 8½ Albus zu bauen, mit aller Ausrüstung 139 Gulden 16 Albus. Bd. 2, S. 518, 519, 521, 580
Siehe auch: Soth, Siedehaus, Pfännerschaft, Lokation
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Kroaten
Krieg & MilitärAuch: Kroaten, Croaten, Crabaten
Leichte Reiterverbände in kaiserlichen Diensten; im Volksgedächtnis Inbegriff des plündernden Kriegsvolks.
Ausführlich
„Kroaten“ bezeichnet im Dreißigjährigen Krieg weniger eine Nationalität als einen Truppentyp: leichte, bewegliche Reiterei für Aufklärung, Überfälle und das Eintreiben von Kontributionen — genau die Aufgaben, bei denen es zur direkten Gewalt gegen Zivilisten kam. Entsprechend fest setzten sich die Kroaten in Sagen, Flurnamen und Gedenksteinen ganzer Landschaften fest. Zwischen historischer Truppe und Schreckensfigur der Überlieferung ist sauber zu unterscheiden.
Siehe auch: Brandschatzung, Reichsexekution, Dreißigjähriger Krieg
Quelle: www.heimatkunde-bsa.de
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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