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Forschung

Begriffe und Fachsprache

Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes

Zwei Wortschätze

Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.

Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.

Das Glossar

Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.

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125 Begriffe

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  • Rosskunst

    Salinentechnik

    Auch: Rosskunst, Roßkunst, Pferdegöpel, Göpel

    Pferdegöpel als Pumpenantrieb — Pferdekraft ersetzt Menschenkraft bei der Solehebung.

    Ausführlich

    Bei der Rosskunst laufen Pferde im Kreis um einen Göpel und treiben über Zahnrad und Gestänge die Solepumpen an. Der Vorteil gegenüber Handschöpfung ist enorm, der Nachteil auch: Pferde brauchen Futter, Stallungen und Wechsel, und in einem holzarmen, teuren Umfeld ist jede laufende Betriebskosten-Position kritisch. Die Rosskunst ist deshalb typischerweise eine Zwischenstufe zwischen Muskelkraft und Wasserkraft.

    In der Salzbibel: Die Rosskunst des Nürnberger Meisters Jörge Behm förderte ab 1540 „eine Zeit lang mit Pferden die Sole aus dem Salzbrunnen“; 1549 wurde beschlossen, „zur Hebung der Sole Leute und keine Pferde zu gebrauchen“. Vgl. Technik. Bd. 1, S. 813; Bd. 2, S. 105, 158, 227

    Siehe auch: Wasserkunst, Kunstgezeug, Solepumpe

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Salinist

    Personen & Ämter

    Auch: Salinist, Salineninspektor, Salinenbaumeister

    Fachmann für Salinentechnik und Salinenbetrieb — ab dem 18. Jahrhundert eine eigene Ingenieurdisziplin.

    Ausführlich

    Mit der Aufklärung professionalisierte sich das Salinenwesen: Salinisten wurden an Bergakademien ausgebildet, publizierten Fachbücher, reisten zu Vergleichsinspektionen und optimierten Gradierbauten, Feuerungen und Pumpen nach messbaren Kriterien. Der Begriff bezeichnet damit eine Berufsrolle, keine Amtsstellung. Rückblickend erscheinen frühere Praktiker wie Rhenanus als Vorläufer — inspizieren, dokumentieren, vergleichen, verbessern ist genau das Programm.

    Siehe auch: Salzmeister, Salzgraf, Bergmeister, Kunstgezeug

    Quelle: www.bergbaumuseum.de

  • Sälzer

    Salzhandel & Recht

    Auch: Salztreiber, Salzfuhrleute, Sälzer, Salzschiffer (Wasserweg)

    Salzfuhrleute — die Fernhändler und Transporteure, die das Soodener Salz in ganz Mitteleuropa verteilten.

    Ausführlich

    Sälzer sind keine Bergleute und keine Sieder, sondern Fuhrleute mit einem hochspezialisierten Gewerbe: Salz muss trocken bleiben, wiegt schwer und ist zollpflichtig. Wer damit fuhr, kannte Wege, Zollsätze und Herbergen. Der Beruf prägte eine eigene soziale Gruppe mit eigenen Wegen und eigener Identität. Regional bezeichnet „Sälzer“ allerdings Unterschiedliches — in Halle etwa die Salzsieder selbst, nicht die Fuhrleute.

    Siehe auch: Salzstraße, Zoll, Stapelrecht, Salzmagazin

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Salzgarten

    Salinentechnik

    Auch: Saline (im romanischen Sinn), Salzgärten, Meersaline

    Flache Verdunstungsbecken zur Salzgewinnung aus Meerwasser — an Binnensalinen unüblich.

    Ausführlich

    Salzgärten sind ein mediterranes und atlantisches Verfahren: Meerwasser wird in flache, durch Dämme geteilte Becken geleitet und allein durch Sonne und Wind eingedampft. Kein Brennstoff, aber viel Fläche und ein zuverlässig trockenes Klima. In Mitteleuropa ist das Verfahren klimatisch chancenlos — deshalb dominieren hier Gradierwerk und Siedepfanne. Der Begriff wird gelegentlich unscharf auch auf Salinenareale übertragen; das ist regional bedingte Begriffsdehnung, nicht Fachsprache.

    Siehe auch: Gradierwerk, Salzsieden, Sole

    Quelle: www.erih.de

  • Salzgehalt

    Salinentechnik

    Auch: Grad, Grädigkeit, Solegehalt, Salinität

    Anteil gelösten Salzes in der Sole, historisch in „Grad“, heute in Prozent angegeben.

    Ausführlich

    Der Salzgehalt ist die betriebswirtschaftliche Kernzahl einer Saline, weil er direkt in Brennstoffkosten umschlägt. Im 19. Jahrhundert bezeichnete der Fachbegriff „Grad“ den mit einer Salzwaage bestimmten Gehalt — daher stammt auch das Wort „Gradieren“. Sättigung liegt bei etwa 26 Prozent; Werte um 27 Prozent wurden in Bad Salzungen, Bad Reichenhall und Bad Dürrheim erreicht. Angaben in Grad Baumé sind Dichteangaben und lassen sich in Prozent umrechnen, sind aber nicht dasselbe.

    In der Salzbibel: Gemessen wurde er gravimetrisch, als Verhältnis von Salz zu Sole in Lot: „ein Quart Sole 96 Lot gehalten hat, das sind 3 Pfund; die gaben Salz 7 Lot“. Vgl. Maße. Bd. 2, S. 556, 681

    Siehe auch: Aräometer, Gradierung, Sole

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Salzgraf

    Personen & Ämter

    Auch: Salzgräve, Salzgrebe, Salzgrafe, comes salinarum

    Leitender Beamter eines Salzwerks — zuständig für Aufsicht, Abrechnung, Personal und Technik.

    Ausführlich

    Der Salzgraf ist der landesherrliche Betriebsleiter der Saline: Er beaufsichtigt die Produktion, prüft Maße und Mengen, führt die Rechnung, hat Disziplinargewalt über die Salinenbediensteten und vertritt den Betrieb gegenüber Hof und Pfännerschaft. Das Amt verbindet Verwaltung, Justiz und Technik in einer Person und war entsprechend angesehen. Die Titelform schwankt regional erheblich — Salzgraf, Salzgräve, Salzgrebe —, gemeint ist dieselbe Funktion.

    In der Salzbibel: Siehe die Seite Ämter und Dienste. Bd. 1, S. 793; Bd. 2, S. 475

    Siehe auch: Salzmeister, Siedemeister, Bergordnung, Pfarrherr

    Quelle: www.deutsche-biographie.de

  • Salzknecht

    Personen & Ämter

    Auch: Salzknecht, Sieder, Sülzknecht

    Ungelernter oder angelernter Arbeiter in der Siedekote — zuständig für Feuer, Sole, Schöpfen und Tragen.

    Ausführlich

    Der Salzknecht macht die körperliche Arbeit: Kohle und Holz schleppen, Feuer schüren, Sole nachfüllen, das nasse Salz aus der Pfanne ziehen und in die Trockenkammer bringen. Die Arbeit fand in Hitze, Dampf und salzgeschwängerter Luft statt. In einer Stadt von rund 2.000 Einwohnern arbeiteten zeitweise knapp 1.000 Menschen in der Saline — die Salzknechte stellten davon die Mehrheit. Sozial standen sie deutlich unter den Pfännern, die in Allendorf wohnten.

    In der Salzbibel: „Affterknecht. Sein die Saltzknecht, so nicht Bodt vnnd Meisterschafft habenn“ — so die Handschrift; die Übersetzung: Afterknechte sind die Salzknechte, die kein Siedehaus und keine Meisterschaft haben. Bd. 2, S. 476, 562

    Siehe auch: Siedemeister, Salzsieden, Pfänner

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Salzmagazin

    Salinentechnik

    Auch: Salzhaus, Salzspeicher, Salzmagazin, Salzniederlage

    Bewachtes Lagerhaus für fertiges Salz — Puffer zwischen Produktion, Steuer und Verkauf.

    Ausführlich

    Salz ist ein Monopolgut, und Monopolgüter werden nicht offen gelagert. Das Salzmagazin ist deshalb immer auch eine Zoll- und Kontrolleinrichtung: Hier wurde gewogen, verbucht und versteuert, bevor die Ware an Sälzer und Händler ging. Die Lagerhaltung glich zudem Saisonschwankungen aus, denn gradiert wurde vor allem im Sommer, verkauft ganzjährig.

    In der Salzbibel: In der Salzbibel: „Salzkasten. Ist einer im Salzwerk; darin wird das Salz zu der Zeit, wenn es nicht abgeht, aufgemessen.“ Er kostete ohne Holz 984 Gulden 20 Albus 6½ Heller. Bd. 2, S. 549

    Siehe auch: Salzmonopol, Salzsteuer, Söder Tor, Sälzer

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Salzmeister

    Personen & Ämter

    Auch: Salzmeister, Sudmeister, Salinenmeister

    Fachlicher Leiter des Siedebetriebs, unterhalb des Salzgrafen und oberhalb der Siedemeister.

    Ausführlich

    Der Salzmeister verantwortet den technischen Ablauf: Pfannenbelegung, Brennstoffeinsatz, Solezuteilung, Qualität und Ausbeute. Er ist die Schnittstelle zwischen der kaufmännisch-obrigkeitlichen Ebene und den Sieder-Mannschaften. Die Abgrenzung zum Salzgrafen ist regional unscharf; in kleineren Salinen fielen beide Rollen zusammen. Wer historische Titel liest, sollte deshalb immer die Aufgabenbeschreibung prüfen und nicht allein den Titel.

    In der Salzbibel: Für Jost Becker kennt die Salzbibel den Titel nicht; er nennt sich selbst „Jost Berker von Homberg, zurzeit Ihrer fürstlichen Gnaden mitverordneter Salzgraf daselbst zu Sooden vor Allendorf an der Werra“. Ein „Salzmeister zu Darmstadt“ begegnet 1568 als Bezeichnung des dortigen Salzfaktors. Bd. 2, S. 104; Bd. 3, S. 23

    Siehe auch: Salzgraf, Siedemeister, Salinist

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Salzmonopol

    Salzhandel & Recht

    Auch: Salzmonopol, Salzhandelsmonopol, Salzregie

    Ausschließliches staatliches Recht auf Herstellung und Vertrieb von Salz, meist mit festen Preisen.

    Ausführlich

    Ein Salzmonopol ist Fiskalpolitik mit dem Lebensmittel als Hebel: Weil jeder Salz braucht und niemand ausweichen kann, ist es eine ideale, weil unentrinnbare Einnahmequelle. Der Preis dafür ist Schmuggel, Kontrolle und Unmut. Ökonomisch schützt das Monopol zugleich teure Produzenten — solange es besteht. Fällt es, entscheiden Herstellungskosten. Der Norddeutsche Bund löste 1867 die einzelstaatlichen Salzmonopole durch eine einheitliche Salzsteuer ab; 1868 war das Handelsmonopol in Preußen und Bayern abgeschafft.

    Siehe auch: Salzregal, Salzsteuer, Gabelle, Salzmagazin

    Quelle: en.wikipedia.org

  • Salzregal

    Salzhandel & Recht

    Auch: Salzregal, Regal, Salzhoheit, Bergregal (verwandt)

    Das Vorrecht des Landesherrn, über Salzgewinnung und Salzhandel zu verfügen — die rechtliche Basis des Salzreichtums.

    Ausführlich

    Ein Regal ist ein dem Herrscher vorbehaltenes Nutzungsrecht. Beim Salzregal heißt das: Wer Salz sieden oder verkaufen will, braucht die Erlaubnis des Landesherrn — und zahlt dafür. Das Regal erklärt, warum Salzorte über Jahrhunderte politisch so umkämpft waren: Sie sind nicht verlagerbar, aber vollständig besteuerbar. Rechtlich verwandt ist das Bergregal, aus dem sich das Bergrecht entwickelte. Das Salzregal fiel in Deutschland erst mit der Abschaffung der Salzmonopole 1867/68.

    Siehe auch: Bergordnung, Salzmonopol, Salzsteuer, Fürsten-Soth

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Salzsieden

    Salinentechnik

    Auch: Versieden, Sieden, Salzsott

    Das Eindampfen der Sole über Feuer, bis das Salz auskristallisiert — der älteste und energiehungrigste Teil der Produktion.

    Ausführlich

    Salzsieden heißt: Wasser wegkochen, bis nur Salz übrig bleibt. Der Prozess ist einfach und maßlos teuer, weil er Brennstoff frisst. Bei fünfprozentiger Rohsole müssen für ein Kilo Salz rund 19 Kilo Wasser verdampft werden — genau deshalb war die Gradierung so wichtig, die einen Großteil dieser Arbeit kostenlos an Wind und Sonne abgab. Der deutsche Salinenbetrieb war bis 1800 einer der größten Waldvernichter überhaupt.

    In der Salzbibel: Das Glossar zerlegt das Sieden in Verfahrensschritte mit eigenen Wörtern: feuern, setzen, zulassen, zulegen, Gänse fangen, Streitwerk, Zündsole — erklärt auf der Seite Technik. Bd. 2, S. 503, 555, 577, 578

    Siehe auch: Siedepfanne, Siedemeister, Allendorfer Windofen, Gradierung

    Quelle: www.bergbaumuseum.de

  • Salzsole

    Salinentechnik

    Auch: Sole, Soolwasser

    Historischer Doppelbegriff für Sole; betont, dass es um Kochsalzlösung geht, nicht um andere Salzlaugen.

    Ausführlich

    In älteren Salinenordnungen und in der heutigen Kurwerbung steht „Salzsole“ gleichbedeutend für Sole. Fachlich ist der Zusatz redundant, weil Sole ohnehin Kochsalzlösung meint. Sinnvoll wird die Unterscheidung nur dort, wo Kali- oder Magnesiumlaugen im Spiel sind, wie im benachbarten Werra-Kalirevier. Für Bad Sooden-Allendorf meint der Begriff immer die Natriumchlorid-Sole aus dem Zechstein.

    Siehe auch: Sole, Kalisalz, Zechstein

    Quelle: www.kurkliniken.de

  • Salzsteuer

    Salzhandel & Recht

    Auch: Salzsteuer, Salzakzise, Salzzoll, Salzimpost

    Verbrauchsteuer auf Salz — jahrhundertelang eine der ergiebigsten und unbeliebtesten Abgaben überhaupt.

    Ausführlich

    Die Salzsteuer besteuert nicht den Gewinn, sondern den Verbrauch — und trifft damit Arme prozentual härter als Reiche. Genau deshalb ist sie historisch immer wieder Auslöser von Protest und Aufständen gewesen. In Deutschland trat sie 1867 an die Stelle der Monopole und war im ersten Reichshaushaltsjahr 1872 neben den Zöllen die wichtigste Steuereinnahme. Sie bestand als Reichssalzsteuer bis 1926 und in der Bundesrepublik bis zum 1. Januar 1993.

    Siehe auch: Salzmonopol, Gabelle, Zoll, Salzregal

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Salzstock

    Geologie & Natur

    Auch: Salzstock, Salzdiapir, Salzdom, Diapir

    Aufgestiegener Salzkörper (Diapir), der jüngere Schichten durchspießt — in Norddeutschland typisch, an der Werra nicht.

    Ausführlich

    Weil Steinsalz leichter ist als das darüber liegende Gestein und unter Druck fließt, kann es über Jahrmillionen aufsteigen und pilz- oder mauerförmige Körper bilden. Solche Salzstöcke prägen Norddeutschland und liefern Kavernen für Gasspeicher. Wichtige regionale Klarstellung: Die Zechsteinsalze im Werragebiet liegen im Wesentlichen flach und flözartig, nicht als Diapir. Wer von einem „Salzstock unter Bad Sooden-Allendorf“ spricht, verwechselt zwei geologische Situationen.

    Siehe auch: Zechstein, Steinsalz, Karst

    Quelle: de.wikipedia.org

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Salzstraße

    Salzhandel & Recht

    Auch: Sälzerweg, Salzweg, Alte Salzstraße

    Sammelbegriff für Fernwege, auf denen Salz transportiert wurde; in Sooden „Sälzerwege“ genannt.

    Ausführlich

    Salzstraßen sind keine gebauten Straßen, sondern eingespielte Routen: Sie folgen Furten, Pässen, Zollstellen und Rastorten. Weil Salz schwer, wertvoll und witterungsempfindlich ist, prägten diese Wege ganze Landschaften — Fuhrmannsdörfer, Herbergen, Zollhäuser. Die berühmteste ist die Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck. Für Sooden ist der ortsübliche Ausdruck „Sälzerwege“.

    Siehe auch: Sälzer, Zoll, Stapelrecht

    Quelle: salzmuseum.heimatkunde-bsa.de

  • Sanatorium

    Kur & Medizin

    Auch: Sanatorium, Kuranstalt, Heilanstalt, heute: Rehabilitationsklinik, Fachklinik

    Klinik für längerfristige Behandlung und Erholung; Vorläufer der heutigen Rehabilitationsklinik.

    Ausführlich

    Das Sanatorium des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verband ärztliche Behandlung mit Ortsklima, geregeltem Tagesablauf und Diät — ein Aufenthalt dauerte Wochen bis Monate. Nach 1945 verschob sich das Modell zur medizinischen Rehabilitation mit sozialversicherungsrechtlichem Rahmen und deutlich kürzeren Verweildauern. Für Kurorte war das ein tiefer Strukturwandel: aus dem Kurgast wurde ein Reha-Patient, aus dem Kurhaus eine Klinik.

    Siehe auch: Kurort, Heilbad, Solebad

    Quelle: www.kurkliniken.de

  • Schultheiß

    Personen & Ämter

    Auch: Schultheiß, Schulze, Scholtes, scultetus

    Vorsitzender des Stadt- oder Dorfgerichts, ursprünglich vom Herrn eingesetzt — Vorläufer des Bürgermeisters.

    Ausführlich

    Der Schultheiß („der das Schuldige heischt“) ist das Bindeglied zwischen Herrschaft und Gemeinde: Er beruft das Gericht ein, leitet die Verhandlung und vollstreckt Urteile, während die Schöffen das Urteil finden. Mit wachsender städtischer Autonomie verschob sich sein Amt vom herrschaftlichen Beauftragten zum gemeindlichen Repräsentanten. Neben ihm entwickelte sich der Rat als eigenständiges Selbstverwaltungsorgan.

    Siehe auch: Stadtsiegel, Stadtrecht, Amtmann

    Quelle: www.lagis-hessen.de

    Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.

  • Schutzstreifen

    Grenze & Teilung

    Auch: Schutzstreifen, 500-m-Streifen, angrenzend: Kontrollstreifen, „Todesstreifen“

    Bis zu 500 m breiter, bewachter Streifen unmittelbar an der Grenze — Betreten grundsätzlich verboten.

    Ausführlich

    Der Schutzstreifen war die innere Staffel des Sperrsystems, 1952 angelegt und mit Stacheldraht gesichert: von Kettenhunden bewacht, nachts beleuchtet, für Unbefugte gesperrt. Der Name ist bezeichnend zynisch — geschützt wurde nicht die Bevölkerung, sondern die Grenze vor der Bevölkerung. Direkt daran schloss der etwa 10 m breite gepflügte Kontrollstreifen an, in dem jede Fußspur sichtbar wurde und auf den geschossen werden durfte.

    Siehe auch: Sperrgebiet, Kolonnenweg, Innerdeutsche Grenze

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Schwarzdorn

    Salinentechnik

    Auch: Schlehdorn, Schlehe, Dornreisig, Prunus spinosa

    Schlehe (Prunus spinosa); ihr hartes, sparriges Reisig ist seit dem 17. Jahrhundert das Standardmaterial der Gradierwände.

    Ausführlich

    Schwarzdorn ist deshalb ideal, weil er hart, sparrig und beständig ist: Er zerteilt den Solestrahl in unzählige feine Rinnsale und verlängert so die Kontaktzeit mit der Luft. Anders als Stroh verrottet er nicht in der aggressiven Sole. Sein zweiter Vorteil ist chemisch: Kalk und Gips schlagen sich am Reisig nieder statt in der Siedepfanne. Weil die Krusten die Wand mit der Zeit glatt machen, muss das Reisig alle fünf bis zehn Jahre gewechselt werden.

    Siehe auch: Dornwerk, Dornstein, Gradierwerk

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Siedehaus

    Salinentechnik

    Auch: Siedehütte, Kot, Kote, Kothe, Siedekot, Salzkot

    Gebäude über Pfanne und Feuerherd; in Sooden fast immer „Kot“ oder „Kote“ genannt.

    Ausführlich

    Ein Siedehaus umschließt Pfanne, Herd und Arbeitsplatz und führt den Wasserdampf ab — dampfende Dächer waren das Erkennungszeichen jeder Salinenstadt. Im Obergeschoss lagen oft Trockenböden, die die Abwärme des Herdes mitnutzten. In Sooden standen Ende des 15. Jahrhunderts etwa 42 solcher Hütten in einer Reihe entlang der Soleleitung. Der ortsübliche Name ist nicht „Siedehaus“, sondern Kot beziehungsweise Kote.

    Siehe auch: Kote, Siedepfanne, Trockenkammer, Salzsieden

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Siedemeister

    Personen & Ämter

    Auch: Siedemeister, Sudmeister, Sülzmeister (anderswo)

    Fachmann, der einen Siedegang leitet — er entscheidet über Feuer, Zulauf und den Zeitpunkt des Ausziehens.

    Ausführlich

    Der Siedemeister ist kein Verwalter, sondern ein Handwerker mit Erfahrungswissen: Er beurteilt am Aussehen der Salzhaut, wann die Kristallisation richtig läuft, hält die Temperatur, regelt den Solezulauf und lässt rechtzeitig ausziehen. Ein zu heißes Feuer liefert feines, bitteres Salz, ein zu kaltes gar keines. Ihm zur Seite standen Salzknechte für die schwere körperliche Arbeit. Der Beruf war qualifiziert, hart und gesundheitlich ruinös.

    Siehe auch: Salzknecht, Salzsieden, Salzmeister, Salzgraf

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Siedepfanne

    Salinentechnik

    Auch: Pfanne, Salzpfanne, Siedepfanne, Kotpfanne

    Große, flache Metallpfanne, in der die gradierte Sole über Feuer zu Salz eingedampft wird.

    Ausführlich

    Die Siedepfanne ist das Herzstück der Salzgewinnung: breit und flach, damit möglichst viel Oberfläche verdampft, aufgehängt oder aufgemauert über einem Feuerherd. Ihre Größe war zugleich Statussymbol und Kostenfaktor, denn jeder Quadratmeter Pfanne wollte beheizt werden. Historisch waren die Pfannen aus Blei, später aus geschmiedetem Eisenblech. „Pfanne“ wurde außerdem als Mengeneinheit gebraucht: Produktionszahlen wurden in „Pfannen Salz“ gerechnet.

    In der Salzbibel: „Eine Pfanne ist weit oder breit — 10 Schuh 7½ Zoll, tief — 11½ Zoll, lang — 12 Schuh 8 Zoll.“ Sie besteht aus 56 Blechen und 12 bis 12½ Borteisen, kostet mit Zubehör 34 Gulden 18 Albus 3 Heller und soll 300 Werke halten. Bd. 2, S. 532, 533, 535

    Siehe auch: Salzsieden, Siedehaus, Pfannenstein, Kote

    Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de

  • Söder Tor

    Stadt & Verfassung

    Auch: Söder Tor, Södertor, Soodener Tor

    Barockes Torhaus von 1704, einziger kontrollierter Zugang zum Salinengelände — heute Sitz des Salzmuseums.

    Ausführlich

    Das Salinenareal war seit Anfang des 17. Jahrhunderts eingezäunt, vermutlich zusätzlich durch einen Graben gesichert, und hatte nur einen einzigen bewachten Ein- und Ausgang. Das alte Holzgebäude brannte im Dreißigjährigen Krieg ab; Landgraf Carl ließ 1704 den barocken Nachfolgebau errichten. Zum Tor gehörten Wachpersonal und eine Gefängniszelle — beides gerichtet gegen den Salzschmuggel, der bei einem Monopolgut ein dauerhaftes Problem war. Das Bauwerk ist damit gebaute Wirtschaftspolitik.

    Siehe auch: Salzmagazin, Salzmonopol, Salzregal, Kote

    Quelle: de.wikipedia.org

  • Sole

    Salinentechnik

    Auch: Salzsole, Salzwasser, Soole, Sohle (falsche, aber verbreitete Schreibung)

    Salzhaltiges Wasser, das aus dem Untergrund austritt oder gefördert wird — der Rohstoff jeder Saline.

    Ausführlich

    Sole entsteht, wenn Grundwasser unterirdische Salzschichten anlöst. Ihr Salzgehalt entscheidet über alles: Je schwächer die Sole, desto mehr Brennstoff kostet ein Zentner Salz. Die Soodener Rohsole lag mit rund 4,5 bis 6,5 Prozent im unteren Bereich — Lüneburg und Halle arbeiteten mit über 20 Prozent. Genau diese Schwäche zwang die Werra-Salinen zu technischen Umwegen, allen voran zur Gradierung. Gesättigt ist Sole bei etwa 26 Prozent.

    In der Salzbibel: „Sole. Ist das Wasser, aus dem Salz gesotten wird. Man holt sie 28 Schuh hoch durch 2 Pumpen in die Gerinne.“ „Sie hat dreierlei Namen: 1. die rohe, 2. die wahre Sole, 3. Brunt.“ Ein Quart Sole gab 1574 7 Lot Salz aus 96 Lot — rund sieben Prozent; vgl. Maße. Bd. 2, S. 555, 556

    Siehe auch: Solequelle, Gradierung, Salzgehalt, Siedepfanne

    Quelle: www.bergbaumuseum.de

Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt

Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.

Beiße
„Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
Blut
„Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
Bothe, Kothe
Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
Fegen
„Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
Gans, Herrengänse
Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
Jahreswerk
„Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
Kaltlager, Kaltliegen
„Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
Salzleger
Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
Setzen, Zulassen, Zulegen
„Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
Schlotter
„Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
Stollen
„Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
Streitwerk
Das erste Werk nach dem Fegen der Pfanne. Bd. 2, S. 563, 564
Werk
„Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
Wildes Wasser
„Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
Winnung
Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
Zeichen
Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
Zündsole
Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578

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